. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
20. Oktober 2008, 10:49 Uhr

Gebühren schrecken vom Studium ab

Studiengebühren halten deutlich mehr Abiturienten vom Studium ab als bisher gedacht. Das geht aus einer Studie des Bildungsministeriums hervor, die seit Wochen unter Verschluss gehalten wird. Gerade Kinder von Eltern, die nicht studiert haben, werden demnach von den Gebühren abgeschreckt.

Studenten in Dresden - sie müssen keine Studiengebühren bezahlen© Norbert Millauer/DDP

Wesentlich mehr junge Menschen als bisher angenommen entscheiden sich wegen der Gebühren gegen ein Studium. Dies ist das Ergebnis einer bislang unveröffentlichte Untersuchung im Auftrag von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Die Studie, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, wird seit Wochen in ihrem Ministerium unter Verschluss gehalten.

Demnach haben allein vom Abiturienten-Jahrgang 2006 bis zu 18.000 junge Menschen wegen der neuen Gebühren kein Studium aufgenommen. 2006 hatten erst zwei Bundesländer - Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen - Gebühren verlangt. Danach folgte die Einführung in fünf weiteren unionsgeführten Ländern, darunter Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und das Saarland. In Hessen wurden die Gebühren nach der jüngsten Landtagswahl wieder abgeschafft.

Schavan: Zahl "nicht beträchtlich"

Schavan hält die Zahl der jungen Menschen, die wegen Studiengebühren auf eine Hochschulausbildung verzichten jedoch "nicht für beträchtlich". Die Ministerin bestätigte, dass in ihrem Hause zwei Studien vorlägen, und zwar eine Abiturientenbefragung des Jahrganges 2006 sowie eine Studienanfängerbefragung 2007. Sie würden derzeit ausgewertet und in etwa vier Wochen veröffentlicht, sagte sie am Montag in Berlin.

Aus den Studien wisse sie, dass für 91 Prozent der jungen Menschen Gebühren bei der Studienentscheidung keine entscheidende Rolle spielten, sagte Schavan. 2006 hatten 415.000 junge Menschen die Schule mit einer Studienberechtigung verlassen, 2007 waren dies 432.500. Eine Ministeriums-Sprecherin sagte, "die negative Tendenz" der ersten Studie werde "aus der Gesamtschau nicht bestätigt".

Der Untersuchung zufolge verzichten insbesondere Frauen und junge Menschen aus bildungsfernen Elternhäusern wegen der Gebühren häufiger auf das Studium. Dagegen lassen sich Kinder aus Akademikerfamilien "deutlich seltener in ihrer Hochschulwahl beeinflussen", stellt das Hochschul-Informations-System (HIS) in der Studie fest. Die Gebührendebatte habe unter Abiturienten und jungen Menschen mit Fachhochschulreife zu "erheblicher Verunsicherung" beigetragen - auch in Ländern, die noch keine Gebühren verlangen.

Abwanderung in Länder ohne Studiengebühren

Weiter heißt es in der Studie, eine Abwanderung von Studien-Interessierten von "Gebühren-" in "Nicht-Gebührenländer" sei "in großem Umfang nicht zu verzeichnen". Gleichwohl wollten im Vergleich zu früheren Jahren weniger Abiturienten aus dem Osten im Westen studieren, wo Gebühren verlangt werden. Die Studie stützt sich auf der Befragung von 5240 repräsentativ ausgewählten Studienberechtigten des Jahrgangs 2006 sowie auf regelmäßige Abiturienten-Untersuchungen des HIS. Das Institut mit Sitz in Hannover arbeitet im Auftrag von Bund und Ländern sowie der Hochschulrektorenkonferenz.

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), forderte am Montag die unverzügliche Veröffentlichung der Studie. Sie habe schon vor Wochen eine Unterrichtung durch das Ministerium verlangt. Die Ergebnisse dürften vor dem Bildungsgipfel von Bund und Ländern "nicht vertuscht werden", sagte Burchardt. Das Thema gehöre auf den Bildungsgipfel am Mittwoch in Dresden. SPD-Chef Franz Müntefering sagte, es habe "keinen Sinn, einen großen Bildungsgipfel zu veranstalten, wenn man auf der anderen Seite Studienzugänge durch Studiengebühren schwer macht".

"Studiengebühren gehören abgeschafft"

Der Präsident des Deutschen Studentenwerkes (DSW), Rolf Dobischat, sagte im WDR: "Studiengebühren gehören abgeschafft." Jeder vierte Studienverzichtler habe Angst vor Studiengebühren und Verschuldung. Die Bildungssprecherin der Linken, Nele Hirsch, sagte, auch die Bundesbildungsministerin müsse nun begreifen, dass Studiengebühren unsozial seien.

Der bildungspolitische Obmann der CDU/CSU-Fraktion, Michael Kretschmer (CDU), sagte, die Hochschulen seien wegen ihrer schlechten Ausstattung auf die Gebühren als private Zuwendungen der Studierenden angewiesen. Gleichwohl dürften "diejenigen, die ernsthaft und engagiert studieren wollen, nicht abgeschreckt werden". Deshalb müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden. Dazu gehörten Studienkredite, Stipendien und Bafög.

Im Vergleich zu 2003 gab es im vergangenem Jahr wegen der starken Abiturienten-Jahrgänge bundesweit zwar 17 Prozent mehr junge Menschen mit Hochschulreife, gleichzeitig aber fünf Prozent weniger Studienanfänger. 2003 war mit 377.500 Neueinschreibungen an den deutschen Hochschulen ein Anfänger-Rekord erzielt worden. 2007 waren dies mit 358.670 Anfängern knapp 19.000 Neueinschreibungen weniger. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Studienberechtigten um mehr als 63.000 auf 432.500.

Schavan will Studieren ohne Abitur ermöglichen

Mit einer Öffnung der Hochschulen für Berufstätige ohne Abitur will Bildungsministerin Schavan die Ausbildungsberufe stärken. Sie wolle einen "völlig neuen Weg schaffen, Berufstätigen ohne Abitur ein Studium zu ermöglichen", sagte die CDU-Politikerin laut "Rheinischer Post". Wer eine Ausbildung und Berufserfahrung habe, solle auch studieren können. "Das kann zum Beispiel der Mechatroniker sein, der Ingenieur werden will, oder die Krankenschwester, die Medizin studieren möchte oder auch die Erzieherin, die sich zur Grundschullehrerin weiterbilden möchte", sagte Schavan. Eine solche Öffnung der Hochschulen stärke gleichzeitig die Ausbildungsberufe, die dadurch wieder attraktiver würden, "weil sie eine Perspektive bekommen".

Die Kultusministerkonferenz hatte vergangene Woche beschlossen, bis 2010 länderübergreifend die Voraussetzungen für den Hochschulzugang beruflich qualifizierter Bewerber zu formulieren. Spätestens auf der übernächsten Sitzung im kommenden Jahr soll über das Thema beraten und entschieden werden.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 44)
 
logisch_konsequent (23.10.2008, 09:09 Uhr)
@jackiki - wie führt man einen Staat
am besten wie ein Konditor:
.
- erst muß man einmal die Kuchen groß genug backen, nur dann kann man auch (um-)verteilen an reine Konsumenten, die gar nicht backen
.
- bei uns (und manchen anderen ländern) backen durch zuviel (um)verteilung zu wenige, so dass überall engpässe auftreten
.
- wenn man nicht aktiv die augen davor verschliesst, weiss man ja, wie arbeitsplätze entstehen, und ab welcher umverteilung arbeitsplätze im ausland statt bei uns entstehen.
jackiki (22.10.2008, 18:30 Uhr)
logisch_konsequent
keiner möchte, dass sie sich in blumigen worten ausdrücken, aber ich kenne keinen menschen, welcher sich als brachliegendes ungenutztes potenzial bezeichnen würde!
das ist ja aber nur nebensache.
ihre prinzipien sind eben nicht so leicht auf einen sozialstaat übertragbar, auch wenn sie so tun, als würde deutschland so funktionieren! ihr unternehmen oder unternehmen im allgemeinen werden nach den von ihnen benannten prinzipien geführt, aber kein land !
logisch_konsequent (22.10.2008, 17:57 Uhr)
@jackiki - blumige worte oder argumente?
- es bleibt das dauerhafte problem der linken, dass sie fast nie auch nur mit einem nachhaltigen argument aufwarten kann (es gibt eben keine)
.
- mit jedem, den ich bisher eingestellt habe, habe ich über sein potenzial gesprochen, wie er es am besten realisieren und steigern kann. hat bisher auch jeden sehr interessiert. mit politischer ausrichtung hat das nichts zu tun, sondern damit, arbeitsplätze mit wertschöpfung in D zu halten (und nicht verdeckte arbeitslosigkeit wie in der ddr und manchen unserer beamtenapparaten zu verteilen).
jackiki (22.10.2008, 12:04 Uhr)
logisch_konsequent
einfach mal ein paar worte, die mit prinzip enden in den raum geworfen und sich dabei noch für schlaubi-schlumpf halten!
jemand, der MENSCHEN als "brachliegende ungenutzte potenziale" bezeichnet, der zeigt doch schon, wo er politisch beheimatet ist!
logisch_konsequent (21.10.2008, 17:21 Uhr)
@jackiki - besser nicht studieren.
selten eine so chaotische und unlogische argumentation gesehen; wie moechten sie denn erfolgreich studieren? in 20 semestern ohne abschluss, aber genau sie sind das beste beispiel dafür, wofür ich keine steuern zahlen will. ob sie wirklich das 1*1 können, mit dem sie angeben, sollte bei ihnen maximal eine hypothese sein.
.
sie haben wohl weder etwas vom versicherungsprinzip, noch leistungsprinzip noch von verursachungsprinzip gehoert. um auf ihrer sprachebene zu bleiben "was nichts kostet ist auch nichts".
.
da es die ddr nicht mehr gibt, sollten sie nach nordkorea oder kuba gehen, da sind noch alle für alle verantwortlich, oder ebern keiner für gar nichts, was das gleiche ist.
AchazIII. (21.10.2008, 07:44 Uhr)
@New World: Fragen Sie einen mathematiker
Meine Betrachtung, ob sich ein Uni-Studium, wohlgemerkt ein Studium an einer "richtigen" Universität mit westdeutschem Standard, heute noch lohnt, bezog sich auf finanzielle Dinge. 5 - 6 Jahre Einkommensverlust, BAFÖG-Schulden und heute zusätzlich Gebührenschulden im Gegensatz zum Lehrling, der in dieser Zeit bereits verdient.
Da muss man anschließend einen dem Uni-Standard entsprechenden Job erhalten mit Einstiegsgehalt von 50.000 - 60.000 EURO/Jahr, um überhaupt die Chance zu haben, das Geld wieder reinzubekommen. Fragen Sie einen Mathematiker, der wird Ihnen nachweisen, dass das fast nicht möglich ist.
Selbst wenn man diese seltenen Jobs heute erhält, wird das mit zunehmender Gleichmacherei "DDR-light" weggesteuert.
Es gibt andere Gründe wie Persönlichkeitsbildung etc., die für ein Studium sprechen, aber finanzielle eher kaum.
jackiki (21.10.2008, 00:23 Uhr)
aaron
also!!! ich versuche dir mal den zusammenhang zwischen deinem post und meinem zu erläutern. ich fange einfach mal mit dem 1*1 an. ich haben gezahlt steuern, ich haben nicht studiert, ich habe zahlen krankengeld, doch ich nix krank. warum ich zahlen krankengeld, sterben diese schweine. du nix verstehen, warum ich zahlen für etwas, was mich nix bringt? du nix klug, du dumm, deswegen du nix verstehen. warum ich zahlen steuern für stüdenten, obwohl ich nix studieren?! soll ich sagen warüm? weil dütschland seien ein sozialstaat, du verstehen? warum du zahlen arbeitslosenversicherung, wenn du nix arbeitslos? damit menschen, die nix haben arbeit, geld haben! du zahlen immer für etwas, damit andere was davon haben! also tu nicht so als würdest du nicht den zusammenhang verstehen!
Aaron71 (20.10.2008, 22:28 Uhr)
@jackicki
...das ist zwar eine zugegeben sehr bewegende Lebensgeschichte, aber ich sehe hier nicht den geringsten Zusammenhang zu meinem Post. Und herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Gesundheitszustand. Weiter so!
jackiki (20.10.2008, 22:08 Uhr)
Aaron71
ein kleines beispiel für dich, damit auch du verstehst, dass es nicht darum geht, wer hier wen finanziert.
ich zb habe mein abitur gemacht, danach meinen zivildienst geleistet und nach dem zivildienst (ohne ausbildung) einen netten, für mein empfinden gut bezahlten job gefunden. nach 6 jahren arbeit habe ich beschlossen zu studieren. eingeschrieben habe ich mich im sommersemester 08 und musste auch sofort die zusätzlichen gebühren in höhe von 500 euro zahlen. dann frage ich mich doch, für wen oder was habe ich während meiner arbeitszeit steuern bezahlt, damit, wenn ich unterstützung benötige mir der mittelfinger gezeigt wird oder wie?!??! bafög brauche ich nicht, ein bittsteller war ich nie, ich gehe immernoch arbeiten, aber warum kann man das studieren nicht so gestalten, dass man eben diese 500 euro nicht zahlen muss? och ich vergaß, sie sind ja abgeschafft ;).
und noch ein anderes beispiel. ich war während meines arbeitslebens noch nie beim arzt oder im krankenhaus. wieso zum teufel sollte ich denn den krankenkassenbeitrag zahlen?!!? und soll ich dir sagen, warum ich das wirklich gerne gemacht habe? weil ich gerne in einem land lebe in dem nicht jeder nur auf seinen arsch schaut!!!
logisch_konsequent (20.10.2008, 17:04 Uhr)
wert eines studium - kann denn keiner rechnen?
- wenn jemand zum zeitpunkt der aufnahme des studiums noch nicht klar ist, ob es ihm 8 semester x 500 Euro = 4000 Euro studiengebühren wert ist (sollte später alleine der monatliche mehrverdienst in 40 arbeitsjahren, also 500 arbeitsmonaten sein), der hat auch keine studienberechtigung verdient
.
- allerdings sollte der staat immer für eine finanzierung des studiums mit nebenkosten bürgen (solange der studienfortschritt nachgewiesen werden kann), damit nicht liquiditätsmangel in jungen jahren ungenutzte potenziale brachliegen lässt
.
- die linke als reine interessenspartei ohne gesamtblick kapiert es gar nicht: ihre wähler haben doch kaum studium und sind auch nicht daran interessiert (bis vielleicht auf den PDS anteil), so dass nicht-studierte die studierten finanzieren?
MEHR ZUM ARTIKEL
Zweiter Anlauf Hessen schafft Studiengebühren ab

Schlappe für Ministerpräsident Roland Koch: Die Landtagsmehrheit aus SPD, Grünen und Linken hat im zweiten Versuch die Studiengebühren im Land wieder abgeschafft. Kochs CDU sowie die FDP stimmten dagegen. Vor gut zwei Wochen war ein erster Anlauf gescheitert. mehr...

Uni-Finanzen Mit Studiengebühren Kredite bezahlt

Die Studiengebühren sollen eigentlich dazu dienen, die Lehre zu verbessern. Mehrere Unis in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen haben das Geld aber anderweitig verwendet - und zum Beispiel Imagebroschüren finanziert oder Haushaltslöcher gestopft. mehr...

Studiengebühren Keine Kohle für die Uni

Boykott gegen Studiengebühren: Statt die jetzt fälligen 500 Euro an die Uni zu überweisen, lagern Karlsruher Stundenten das Geld auf ein Treuhandkonto zwischen und hoffen darauf, dass andere Hochschulen nachziehen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe