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11. März 2008, 16:15 Uhr

Ex-CIA-Mann belastet deutsche Kollegen

Verantwortliche der deutschen Geheimdienste waren frühzeitig über die Verschleppungen von Terrorverdächtigen durch die CIA informiert. Das berichtet der stern. Außenminister Frank-Walter Steinmeier gerät in Erklärungsnot. Was wusste der damalige Kanzleramtschef wirklich über die illegalen US-Praktiken? Von Uli Rauss und Oliver Schröm

Der ehemalige CIA-Europachef Drumheller: Der Geheimdienst habe "versprochen, Verbündete bei Operationen einzubeziehen"© David S. Holloway/Getty Images

Der frühere Europachef der CIA, Taylor Drumheller, belastet seine deutschen Kollegen schwer. Die Spitzen der deutschen Sicherheitsbehörden sowie die Verantwortlichen im Kanzleramt waren nach Aussage des CIA-Mannes frühzeitig über das umstrittene CIA-Entführungsprogramm - so genannte "extraordinary renditions" - informiert, wie der stern in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.

Die Deutschen waren zunächst wenig angetan von den US-Praktiken, weltweit Terrorverdächtige zu kidnappen und in Drittstaaten zu verschleppen, wo sie dann verhört wurden, auch unter Folter. "Die Hauptsorge unserer Verbündeten war: Unilaterale US-Aktionen auf europäischen Boden, Terroristen abfischen, ohne ihre Genehmigung, um die dann in einen Drittstaat zu schicken", sagt CIA-Mann Drumheller zum stern. Solche Bedenken teilten die Deutschen im Herbst 2001 auch der CIA-Vertretung in Berlin mit. Die CIA habe dann "versprochen, unsere Verbündeten bei Operationen einzubeziehen".

Die Aussage von Drumheller, einst Stellvertreter von CIA-Direktor George Tenet, bringt vor allem Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Bedrängnis. In seiner Zeit als Kanzleramtschef war Steinmeier für die deutschen Geheimdienste zuständig und hatte immer wieder beteuert, von den rechtsstaatswidrigen CIA-Praktiken lange Jahre nichts gewusst zu haben. Im BND-Ausschuss sagte Steinmeier 2006: Von den Verschleppungen durch die Amerikaner habe er erst im Juni 2004 erfahren. Die Präsidentenrunde im Kanzleramt, der Steinmeier vorsaß, diskutierte damals über den Brief des Anwalts von Khaled el Masri.

Darin informierte der Anwalt die Bundesregierung, wie die CIA seinen zwischenzeitlich wieder frei gelassenen Mandanten im Dezember 2003 nach Afghanistan verschleppt hatte. "Ich will Ihnen eines gestehen", schilderte Steinmeier dem Ausschuss im Dezember 2006, "ich habe die anderen Teilnehmer der Präsidentenrunde bei diesem Tagesordnungspunkt ziemlich ungläubig angeschaut und ich verrate kein Geheimnis, wenn ich Ihnen sage: Niemand in dieser Runde konnte sich vorstellen, dass sich die Geschichte von der Entführung und den Begleitumständen wirklich so zugetragen haben könnte."

Erst Ende 2004 von US-Entführungsprogramm erfahren?

Ernst Uhrlau, Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) und damals Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt, will gar erst Ende 2004 aus den Medien von US-Entführungsprogramm erfahren haben: "Wir in der Abteilung 6", des Kanzleramtes "hatten dazu keine eigenen Erkenntnisse, die über die Presseberichterstattung hinausgingen."

Der Ex-Geheimdienstoffizier Taylor Drumheller kennt sowohl Steinmeier als auch Uhrlau persönlich. Drumheller war im Oktober 2001 in Europa und habe später "bei Uhrlau im Kanzleramt gesessen, und wir hatten mit wirklich komplizierten Dingen zu tun", sagt Drumheller im stern.

Steinmeier und Uhrlau müssen vor dem BND-Ausschuss aussagen

Steinmeier und Uhrlau müssen nun vor dem BND-Ausschuss aussagen. Es geht dabei um den Fall Mohammed Haydar Zammar. Der Deutsche wurde Ende 2001 mit Hilfe der CIA in Marokko festgenommen und dann nach Syrien verschleppt. Unmittelbar vor der Festnahme hatte die CIA entscheidende Informationen über Zammar vom Bundeskriminalamt (BKA) erhalten, etwa über Rückreisepläne nach Hamburg sowie Erkenntnisse aus abgehörten Telefonanten zwischen Zammar und seiner Familie in Hamburg.

Das BKA lieferte dem US-Geheimdienst auch Details wie Nummer und Datum der deutschen Einbürgerungsurkunde von Zammar, Schulzeit und Berufsweg, Anschriften, Geburtsdaten, Handy- und Passnummern von Geschwistern und Verwandten in Hamburg und Syrien.

"Du musst die Geschichte der Zielperson kennen"

Für "Überstellungen" wie im CIA-Jargon solche Entführungen genannt werden, "musst du die Geschichte der Zielperson kennen", sagt Ex-CIA-Offizier Tyler Drumheller, der selbst Verschleppungen von Terrorverdächtigen organisierte, zum stern. Von der Verschleppung Zammars, gegen den in Deutschland nichts vorliegt, profitierten letztlich auch die deutschen Sicherheitsbehörden. Im November 2002 wurde Zammar in Damaskus von Beamten des BND, des BKA und des Bundesamt für Verfassungsschutz zu möglichen Terrorverbindungen verhört. Er sagt ihnen, dass er in syrischer Haft "geschlagen" wurde, wie es in einem BND-Protokoll über die "Befragung" heißt.

Von Uli Rauss und Oliver Schröm
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
ecomoc4u (12.03.2008, 13:08 Uhr)
Alter Hut
Leben wir hier auf dem Mond. Die CIA Folterflüge, durch Steinmeier amtlich erlaubt, ist ein alter Hut. Das ist doch nichts neues. Oder habe ich da was verpasst.
.
Wenn ich eine Straftat begehe, wird doch auch nur ein mal verhandelt, bis die Tat aufgeklärt ist.
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Die Taten sind längst bekannt, und Steinmeier war nun mal der Verantwortliche damals. Nur ist ihm nie der Prozess gemacht worden. Das ist alles. Ansonsten nix neues.
ganzbaf (12.03.2008, 10:30 Uhr)
Steinmeier ist ein Lügner

das wissen wir doch schon seit 2 Jahren.
clavacs (12.03.2008, 10:00 Uhr)
Im Dienste der Staatsdämonie

Im Dienste der Staatsdämonie
Präsidenten, Kanzler, Minister, Minister-Präsidenten, Richter, Staatsanwälte, Sicherheitskräf-te, in Selbstschutz-Dämonie von Staats-Gespinsten und Gespinste-Staaten …
Geht es um Selbstschutz zählen weder Würde noch Recht und keine Menschenrechte und vermeintliche freiheitliche Rechtsstaaten finden sich in Barbarei wieder …
Geheimdienstler agieren opportunistisch, falls erforderlich barbarisch – die Staatsdämonie unterscheidet sich in Diktaturen und Demokratien nicht wirklich, welch eine Last für Demo-kratien!
Die Menschenhatz treibt beschämend über unser Menschlich-allzu-Menschliches, über Intimi-täten und Schwächen, bevorzugt über Menschen die uns nahe stehen – die Treiber wissen geschickt die Dimensionen der Bestien in uns Menschen zu nutzen! Schrecken Staatsdämo-nie!
Menschen, je nahe stehender desto besser, werden vorsätzlich manipuliert, verleitet, erpresst, genötigt sich gegen geliebte Menschen zu stellen, dabei jedwede Tabus überschreitend – wir Menschen in unserem Menschsein verloren.
Beispielsweise finden sich Ehepartner und Partner in Fallen von Seitensprüngen und zerstör-ten Beziehungen wieder, Söhne und Töchter zu Schwulen und Lesben verleitet, Geschwister zu anzüglichen Posen verleitet … Braucht solches Geschehen nur aufgedeckt zu werden, wie zeit- und arbeitssparend für die Höllenhunde. Sie brauchen tatsächliche und vermeintliche heile Lebenswelten nur noch zusammenbrechen lassen und darauf verstehen sie sich geschickt – sie sorgen für Apokalyptik! Ereignisse brechen gesteuert zu Bündel herein …
Im Muster ähnlich erfolgt die Zerstörung der geschäftlichen und wirtschaftlichen Existenz-grundlagen – der gezielt herbeigeführte Scherbenhaufen, eben Apokalypse!
Und beugt sich der unliebsame Kritiker und moderne Ketzer, als den ich mich sehe, dennoch nicht, schrecken die Höllenhunde – der intellektuellen Auseinandersetzung wohl nicht mäch-tig genug – auch vor brachialer Gewalt nicht zurück … (siehe mein Blog Gesichter der Staatsdämonie)
Das Inferno tobt unter Selbstverstärkung, ist das Treiben erst einmal erschreckend genug, wagt es niemand mehr, dies auch öffentlich zu machen, die staatlichen Höllenhunde wissen um diese Scheu und treiben es umso wilder, letztlich entartet!
Das abscheuliche Treiben wird von allen staatlichen Stellen und Einrichtungen mitgetragen und mitgestützt – Medien eingeschlossen! Und selbst Richter, Anwälte und Ärzte machen mit – unter Ärzten besonders gefragt, Psychiater! Und die Kirchen – sie auch!
Und allen gilt als oberstes Gebot, leugnen und schweigen – wider besseres Wissens! Zynis-mus pur!
Zu keiner Zeit in der Geschichte der Menschheit war es drängender und leichter, sich unter Staatsdämonie wieder zu finden – der sorglose Umgang mit Prävention! Unser Planet ist uns heute Dorf, es gibt so gut wie kein Entrinnen! Der Tod ist uns Weg!
Das Fazit eines vermeintlichen Staatsfeindes unter demokratischer Staatsräson – wie beschä-mend für uns Menschen in unserem Menschsein!
clavacs
Domino Effekt, Herr Kempen, nach etwa 40 Seiten, falls Sie sich in der Fortsetzung nicht selbst entlarven, gilt das Ergebnis aus meiner Sicht als verfehlt!
In meinen Spiegelfechtereien habe ich mich längst selbst enttarnt, längst läuft die Entlarvung der militanten (kriminellen, pathologischen) Anti-Helden in ihren Projektionen, sie haben es nur noch nicht begriffen – längst spiegle ich Rückseiten von Spiegeln und insbesondere deren implizite Ordnung!
Mediaten: Wie wäre es mit Sein anstatt Schein? Medien-Beauty allein, reicht jedenfalls nicht!
Tja, Herr Ministerpräsident (Richter) Müller, wahrlich, solches Treiben ist Menschen – insbe-sondere Wählern – kaum zuzumuten!
Österreicher, bleibt zu hoffen, der U-Ausschuss wird nicht zur Farce! Ihr seid bekanntlich in dieses verächtliche Treiben vollumfänglich involviert!
BILD: Die Arschloch-Affäre! Ein passender Titel! Vor fünf Jahren von mir angeregt: Der Anti-Christ!
Christlich ist nämlich an unserem erdweiten Treiben so gut wie nichts mehr! Auf der Ebene der Staatsdämonie tobt pure Apokalypse …
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