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19. März 2007, 07:03 Uhr

SPD macht auf Friedenspartei

Der geplante Raketenschild in Osteuropa spaltet die Koalition. Die SPD-Spitze mobilisiert mächtig gegen das US-Projekt. Generalsekretär Heil hat vor einem Wettrüsten gewarnt, Juso-Chef Böhning will die SPD mit dem Thema als Friedenspartei profilieren.

Wie vor der Bundestagswahl 2005 will sich die SPD wieder als Friedenspartei profilieren© Wolfgang Weihs/dpa

Die SPD hat sich erneut vehement gegen das geplante Raketenabwehrsystem der USA in Osteuropa ausgesprochen. "Wir sind gegen diese Maßnahmen und müssen eine Spirale des Wettrüstens vermeiden", sagte Generalsekretär Hubertus Heil im ARD- "Morgenmagazin". "Deshalb muss man mit Russland reden und das Land nicht provozieren." Heil forderte die USA auf, direkte Gespräche mit dem Iran aufzunehmen, um die Gefahr eines iranischen Raketenangriffs zu minimieren, vor denen das in Polen und Tschechien zu stationierende System nach Angaben der USA schützen soll. "Dialog ist wichtiger als Drohgebärden", sagte er. "Es kann nicht sein, dass es jetzt Alleingänge gibt und die Nato mit diesem Thema nicht befasst wird."

Der Jusovorsitzende Björn Böhning sagte dem Bayerischen Rundfunk: "Hier geht es darum, ob wir einen neuen Rüstungswettlauf in Europa wollen, und da kann die SPD auch gute Debatten gebrauchen." Es gehe auch darum deutlich zu machen, "dass wir eine Friedenspartei sind und soziales Profil haben".

Auch Beck und Steinmeier fürchten Wettrüsten

SPD-Chef Kurt Beck und der ebenfalls der SPD angehörende Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatten bereits vor einem Wettrüsten gewarnt und damit Kritik in der Union hervorgerufen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich zuversichtlich, dass der innereuropäische Streit über die Stationierung schnell beigelegt werden könne. Sie hielt sich mit Kritik zurück.

Sprengstoff für die große Koalition

Die Debatte um den Raketenschild ist innenpolitischer Sprengstoff. Die SPD, die in Umfragen weit hinter die Union zurückgefallen ist, sucht verzweifelt ein Thema, mit dem sie in der Bevölkerung punkten, mit dem sie sich profilieren kann. Mit dem Widerstand gegen das Raketenabwehrsystem könnte sie sich als Friedenspartei profilieren - gegen die USA, getreu der Strategie, die der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder im Bundestagswahlkampf 2002 mit seinem Widerstand gegen den Irak-Krieg erfolgreich angewendet hat. Gleichzeitig dürfte die SPD mit dieser Strategie den Koalitionsfrieden und den Fortbestand der Koalition gefährden. Kanzlerin Merkel verfolgt eine moderatere Linie. Schwierig wird der Spagat dabei vor allem für Außenminister Frank-Walter Steinmeier - er muss Kritik am Raketenschild äußern, gleichzeitig jedoch die Regierungslinie vertreten.

Dorf in Tschechien wehrt sich

In Polen sollen nach den US-Plänen bis zu zehn ballistische Raketen stationiert werden. Tschechien ist als Standort für ein Radarsystem vorgesehen. Mit dem System sollen nach Angaben der USA Angriffe etwa aus dem Iran oder Nordkorea abgewehrt werden. Russland hat das Vorhaben scharf kritisiert.

Auch in jenen Ländern, in denen die Amerikaner das System errichten wollen, gibt es Widerstand. Ein kleines Dorf in Tschechien hat sich nun mit überwältigender Mehrheit gegen die Stationierung einer Radarstation für das System ausgesprochen. Wie regionale Medien am Sonntag berichteten, votierten 71 der wahlberechtigten Dorfbewohner gegen und nur einer für die Radaranlage. 16 Bewohner von Trokavec enthielten sich der Stimme. Das Dorf rund 60 Kilometer westlich von Prag organisierte die informelle Abstimmung, um dem Widerstand der Bewohner gegen das Projekt Ausdruck zu verleihen. Trokavec liegt nur rund zwei Kilometer von der Militärbasis Brdy entfernt, die im Kalten Krieg ein Sowjet-Stützpunkt in vorderster Front war.

Das Ergebnis sei ein klares Signal an die Regierung in Prag, dass sie nicht ohne die Meinungsäußerung des Dorfes mit den USA verhandeln sollte, sagte Bürgermeister Jan Neoral der Internet-Ausgabe der Zeitung "Mlada Fronta Dnes" zufolge. Die USA wollen unter anderem in Tschechien und Polen ein Raketenabwehrsystem errichten, um Angriffe aus Ländern wie Nordkorea oder dem Iran abwehren zu können. Jüngst hatte sich die öffentliche Meinung in Tschechien immer stärker gegen das US-Projekt gewandt.

Reuters/DPA
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Rosenengel (19.03.2007, 22:22 Uhr)
Schon Vergessen?
Es waren Gerhard Schröder (SPD) und "Joschka" Fischer (Grüne) die, in eindeutigem Verstoss gegen das Grundgesetz, zum ersten mal in der Geschichte der Bundeswehr, Bundeswehrsoldaten in einen Krieg, sogar einem Angriffskrieg, geschickt haben.
Und dieses weltweite Raketenabwehrsystem, vieleicht ist es ja auch mehr ein weltweites Überwachungs- und Kontrollsystem, vom Weltraum aus gesteuert.
Ich wette, die Amerikaner haben in ihren Atombombensicheren Führungsbunkern grosse Rasterkarten, wo jeder Punkt dieser Erde (also auch in Europa/Deutschland) seine Zielkoordinaten hat und als Ziel unproblematisch angegeben werden kann. Amerikanische Radarstationen vor Ort erleichtern die Zielauffassung.
fanator72 (19.03.2007, 11:41 Uhr)
die SPD?
Ich stimme den Vorschreibern, welche die Stationierung als bedenklich und diplomatisch wie weltpolitisch als Fehler erachten rundheraus zu.
Nur stellt sich mir die Frage, ob wir von der SPD (Afghanistan schon vergessen?) erwarten können, daß es diesmal wirkliches Interesse am Ziel ist und nicht wieder nur Stimmenfang aufgrund tiefer Identitätskrise und innenpolitischer Ziellosigkeit?
Welcher Partei (ganz objektiv) wäre denn ein klares "NEIN!" zuzutrauen, die es dann auch außenpolitisch gegenüber den Bündnispartnern in NATO und Europa durchdrückt?
weigo (19.03.2007, 10:53 Uhr)
Re: blos nicht
Genau das war auch mein Gedanke!
Warum schützt sich Amerika nicht in ihrem eigenen Land. Ost-Europa ist natürlich einfacher, da wird ein bisschen mit Geldscheinen gewedelt und schon hat Amerika ihr Ziel erreicht! Ich hoffe, dass die Entscheider in Ost-Europa klug genug sind und auf das Geld verzichten! Aber wenn wir realistisch bleiben, dann wird das wohl nicht passieren! Dazu muss man nicht mal bis nach Ost-Europa gehen!
Hannes73 (19.03.2007, 10:20 Uhr)
Vernunft statt Protzerei mit militärischer Stärke
In der heutigen Zeit müssen Probleme über Verhandlungen gelöst werden. Es wird für die ganze Welt immer gefährlicher, wenn man sie übers altbekannte Wettrüsten lösen will.
Die Bush-Regierung scheint irgendwo geistig eingefroren zu sein.
Wenn wir diesen Globus noch für die Menschheit retten wollen, dann muss überall der Wille zur Vernunft gefordert werden, und dieses wirtschaftlich so stake Amerika sollte dabei zu den Vorreitern gehören.
germex (19.03.2007, 10:04 Uhr)
???
wer sagt denn das die usa raketen auf uns schiessen sollte?
wallmann (19.03.2007, 09:45 Uhr)
Wer bedroht wen?
Es stimmt: Die Amerikaner haben Deutschland bekämpft. Das war im Zweiten Weltkrieg. Und hätten Sie es nicht getan, wäre Europa von den Nationalsozialisten des Herrn Hitler oder den Bolschewisten des Herrn Stalin unterjocht worden.
Nun gut, das ist lange her. Aber müssen wir uns vor amerikanischen Raketen mehr fürchten als vor russischen oder persischen?
Wenn die Amerikaner so gefährlich für uns sind, wie die SPD suggeriert, dann fordere ich ein Abwehrschild in Irland, Frankreich und Portugal an der Atlantikküste gegen US-Raketen.
Und damit sie nicht den Umweg über den Pazifik wählen können, benötigen wir auch im Osten einen Schutz. Dort könnten die Russen und Perser uns vor Amerika schützen.
germex (19.03.2007, 08:09 Uhr)
blos nicht...
die amis haben schon immer versucht den krieg möglichst weit entfernt von ihrem territorium zu führen. und mal wieder ist europa dran wo fällt die rakete denn runter wenn wir beschossen werden in europa natürlich. wieso bauen sie ihre drecks station nicht an der ostküste?
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