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Keine Exkommunikation bei Kirchenaustritt

Wer aus der katholischen Kirche austritt, wird in Deutschland automatisch exkommuniziert. Der Vatikan mahnt die deutschen Bischöfe nun, weniger drastisch mit abtrünnigen Gläubigen umzugehen. Und stößt auf Widerstand.

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) verstößt nach Ansicht des katholischen Kirchenrechtlers Georg Bier gegen die jüngste Anordnung des Vatikans zum Umgang mit Kirchenaustritten. Der Päpstliche Rat für die Gesetzestexte habe die "Position der deutschen Bischöfe nachhaltig erschüttert", sagte der Freiburger Professor in der Monatszeitschrift "Herder Korrespondenz". Ein bei den Behörden beantragter Kirchenaustritt habe nach der neuen Vorgabe des Vatikans keine automatische Exkommunikation zur Folge.

Laut Vatikan können einzelne Katholiken trotz eines formalen Kirchenaustritts weiterhin den Willen haben, der Glaubensgemeinschaft anzugehören. Wer nur formal aus der Kirche austritt, um Kirchensteuer zu sparen, darf demnach nicht zwangsläufig von den Sakramenten oder der Mitwirkung in der Kirche ausgeschlossen werden. Er könnte weiter Anspruch auf ein kirchliches Begräbnis oder eine Heirat erheben.

Kein Einlenken der deutschen Bischöfe

Trotz dieser neuen Vorgabe halten die katholischen Bischöfe in Deutschland an ihrer bisherigen Praxis fest: Jeder wird automatisch exkommuniziert, der seinen Austritt aus der Kirche vor dem Amtsgericht oder dem Standesamt erklärt. Das Vatikan-Schreiben vom 13. März berühre nicht das geltende Kirchenrecht in Deutschland, hatte der DBK-Vorsitzende Karl Lehmann Ende Mai erklärt. Eine DBK- Sprecherin sagte auf Anfrage: "Es bleibt alles beim Alten."

Diese Position sei "kirchenrechtlich problematischer denn je", so Kirchenrechtler Bier. "Möglicherweise fürchten die deutschen Bischöfe: Wenn der Kirchenaustritt nicht mehr mit schweren Strafen bedroht ist, könnte die Hemmschwelle für einen solchen Schritt sinken." Es sei aber problematisch, aus Sorge um einen Rückgang des Kirchensteueraufkommens zu "nicht-rechtskonformen Mitteln" zu greifen.

Das römische Rundschreiben war auf Anordnung von Papst Benedikt XVI. an alle Bischofskonferenzen weltweit übermittelt worden. Es nennt für das Verlassen der Kirche drei Voraussetzungen: Die innere Entscheidung des Betreffenden, eine äußere Kundmachung des Entschlusses und die Annahme dieser Entscheidung seitens der Kirche. Der Ständige Rat der DBK beschloss daraufhin am 24. April eine "Erklärung zum Austritt aus der katholischen Kirche", wonach ein Kirchenaustritt nach staatlichem Recht weiterhin in jedem Fall ein formaler Akt des Abfalls von der Kirche sei.

DPA/DPA
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