Die Entscheidung von General Motors, die deutsche Tochter Opel nun doch zu behalten, ist richtig. Jedenfalls dann, wenn man ausschließlich die Interessen der Amerikaner im Blick hat. Ein Kommentar von Matthias Ruch

Mittelfristig ist es besser für GM, Opel zu behalten© Torsten Silz/DDP
Die Option, Opel mehrheitlich in fremde Hände zu geben (und dazu noch in russische), hatte vielen in Detroit von Anfang nicht gepasst. Zu wertvoll ist der Beitrag der Entwicklungsabteilung in Rüsselsheim, zu wichtig das Standbein im europäischen Markt. Der Verkauf der Tochter war für die Amerikaner immer nur eine Notlösung gewesen, immer nur ein Opfer im Kampf ums nackte Überleben. Heute, da die Regierung in Washington die Existenz ihres größten Autokonzerns mit großzügigen Milliardenhilfen sichert, hat sich offensichtlich auch im Verwaltungsrat von GM die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Konzern mittelfristig mit Opel besser fährt als ohne.
Betriebswirtschaftlich ist dies plausibel: für GM – und womöglich auch für Opel. Der deutsche Autobauer muss sich nun zwar wieder mit seiner zuletzt äußerst ungeliebten Mutter arrangieren. Zumindest in der eigenen Existenz scheint Opel nun aber ebenfalls gesichert. Die Zukunft mit Magna und der russischen Sberbank wäre wesentlich ungewisser gewesen.
Ein Wechsel der Perspektive lässt die Entscheidung aus Detroit zugleich in einem ganz anderen Licht erscheinen. Mit ihrem für die deutsche Seite fast unerträglichen Herauszögern der Entscheidung haben die Amerikaner das transatlantische Verhältnis bis über die Schmerzgrenze strapaziert. Das gilt nicht nur für das Verhältnis der Opelaner zu ihrem Mutterkonzern. Sondern auch für das Miteinander zwischen Berlin und Washington. Immerhin gab der Verwaltungsrat in Detroit seine Entscheidung gestern erst bekannt, nachdem Angela Merkel wieder auf dem Rückflug nach Deutschland war. Zumindest die Schmach, ihre Niederlage im Kampf um Opel noch in Washington kommentieren zu müssen, ist der deutschen Kanzlerin damit erspart geblieben.
Merkel und all die anderen Bundes- und Landespolitiker, die sich in den Wochen vor der Bundestagswahl öffentlich für den Verkauf von Opel stark gemacht hatten, zählen heute zu den großen Verlierern. Die Bundesregierung hat viel Zeit und Steuergeld in den Kampf um Opel investiert und dies im Wahlkampf werbewirksam vorgeführt. Nun, da die Wahl gelaufen und der Kampf verloren ist, bleibt ihr nur noch die Schadensbegrenzung – und die Suche nach einem Schuldigen.
Dieser Artikel wurde gefunden... ...in der Financial Times Deutschland