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1. August 2008, 14:58 Uhr

Streikbeobachter in der Südsee

Verdi-Chef Frank Bsirske scheint ein besonderes Verständnis von Solidarität zu haben. Während seine Kollegen bei der Lufthansa streikten, urlaubte er, angeblich in der Südsee. Dorthin befördert hat ihn angeblich ausgerechnet die Lufthansa, erster Klasse. Gratis.

Verdi-Chef Frank sitzt als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von Lufthansa© Sven Kaestner/AP

Es mutete an wie ein schlechter Scherz, von dem die "Bild"-Zeitung am Freitag auf der ersten Seite berichtete. Demnach hätte Frank Bsirske, der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, ein sehr spezielles Verständnis von Solidarität. Das Blatt berichtet nämlich, Bsirske habe sich einen insgesamt fünfwöchigen Urlaub in der Südsee gegönnt, während die Kollegen der Lufthansa den Arbeitskampf mit dem Konzern ausfochten. Aber nicht nur das: Laut "Bild" soll Bsirske auch noch gratis geflogen sein - erster Klasse.

Nach Informationen des Blattes ist das Ehepaar Bsirske von Berlin über Frankfurt nach Los Angeles geflogen, von dort soll es weiter Richtung Südsee gegangen sein. Der Gewerkschaftsboss soll den Flug in der ersten Klasse umsonst bekommen haben, weil er als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Lufthansa sitzt.

Eine Verdi-Sprecherin bestätigte stern.de, dass Bsirske für eine Dauer von insgesamt fünf Wochen im Urlaub weilt. Sein Urlaub habe bereits begonnen, als seine Gewerkschaft noch mit der Lufthansa verhandelt habe, hieß es. Im Übrigen sei es auch nicht dringend erforderlich, dass Bsirske bei jedem Tarifstreit dabei sei. Verhandlungsführer im Streit mit Lufthansa ist Erhard Ott, Mitglied im Verdi-Bundesvorstand. Wohin der Chef verreist ist und ob er mit der Lufthansa unterwegs ist, wollte bei Verdi aber niemand sagen.

Bei der Lufthansa gibt man sich zugeknöpft. Dass Lufthansa-Aufsichtsräte in der Vergangenheit in der ersten Klasse gratis fliegen durften, ist weithin bekannt. Doch ob es auch heute noch Freiflüge bei entsprechenden Posten innerhalb des Unternehmens gibt, dazu äußert sich Lufthansa nicht. Sprecherin Amelie Lorenz sagte zwar, dass es Regeln dafür gebe, was Aufsichtsräte dürfen und was nicht, "aber zu den Details können wir nichts sagen".

Bereits vor einigen Tagen war Bsirske in die Kritik geraten, weil er als Gewerkschaftsboss und gleichzeitiges Aufsichtsratsmitglied zwischen den Stühlen sitzt: Lufthansa-Aktionäre hatten ihm vorgeworfen, durch die Streiks dem Unternehmen Schäden in Millionenhöhe einzubrocken.

Ulrike Klode
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
Louyi (03.08.2008, 19:52 Uhr)
Bsirske - oder wer will da wen verarschen ?
Geht es um Bsirske -oder geht es eigentlich bei den Schreibern auch noch um die Abschaffung der Gewerkschaft/en ?
Dass Bsirske Urlaub macht -(und wenn es 6 Wochen sind- was solls - )kann einem doch niemand in Abrede stellen. Sicher hat er diesen schon einige Zeit vor den Streiks bei der LH gebucht. Und..muss er weil aktuell die LH jetzt bestreikt wird als Verdi Chef zuhause sein? Wäre es sinnvoller gewesen, bei der Konkurrenz statt bei der LH –zu buchen? z.B. bei Ryan Air & Co.? Nur weil er nun mal völlig normal - sogar im Aufsichtsrat der Lufthansa sitzt? Ist das also logisch oder nicht, dass er diese (Frei-) Flüge dann auch bei LH wahrnimmt.
Übrigens... (wie bereits hier, bzw. auch an anderer Stelle erwähnt)
Wenn jeder jetzt sich scheinheilig aufspielenden, Bundestag –Politiker, Lobbyisten und Großmäulern wie FDP Niebel und Co. jährlich ihre vergleichbar ähnlichen Privilegien wie div. Frei- Flüge inkl.Bundesbahn-Freifahrscheine mit dem ICE durch Deutschland in Frage stellen möchten-dann bitteschön ganz abschaffen, aber für Jede/n!! Nicht diese selbst mit größtem Recht in Anspruch nehmen und anderen nicht zugestehen.(übrigens erhalten solche geldwerten Vorteile seit anno Tobak z.B.auch von der Deutschen Bahn AG schon jeder Mitarbeiter. Das sind sogar "einige" Tausende.
Also... jetzt nur Pseudo- Geschrei egal von wem.
Besonders div. Politikern, Wirtschaftsbossen/ Konzerne/ die Besitzer = Super- Multimilliardäre –die heuchlerisch, in Deutschland den Superkapitalismus einführten, Menschen für ein Almosen arbeiten lassen, sind natürlich Gewerkschaften und Bsirske als Chef nur störend. Die Zerschlagung von Gewerkschaften die für bessere Löhne und soziale Standards kämpfen, keine Betriebsbsräte, keine fairen Arbeitsbedingungen sind schon längst IN in unserem Land. Immer mehr Menschen leben an der Kante - dagegen kämpft Bsirkse als Verdi Boss auch - fliegt nicht nur im Urlaub in der Gegend herum.
http://lidl.verdi.de/
http://www.welt.de/wirtschaft/arti2275698/Schikane_bei_H_Mitarbeiter_packen_aus.html
http://www.stern.de/politik/deutschland/:Olaf-Scholz-Ist-Gesellschaft-Nein/632954.html
Die Steilvorlage -die keine ist- kommt insbesondere der „Bild“ - als Schlagzeile gerade recht. Als vor Kurzem PIN (Springer Verlag) mit 3.50 Stundenlöhnen und Lidl&Co mit dem Spitzelsupergau –Skandal (siehe Stern) aktuell war, wurde alles von den Gleichen totgeschwiegen. Letztendlich sogar die Ausbeutun von Menschen in billiger Propaganda verteidigt. Nachtigall ich hör Dir trappsen.

O.g. Wirtschaft-Unternehmen/Konzerne ohne Gewerkschaftl. Mitbestimmung kommt der Bsirske- Urlaub als Sturm im Wasserglas gerade recht. Der kleine Mann (und Sklave o.g. Unternnehmen )darf sich letzendlich (meist ohne genaue Kenntnisse) dann ganz im Sinne der o.g. zusätzlich noch etwas polemisch aufregen. Ein durchschaubares, mieses Spiel.!!!! Nicht wenige Menschen in unserer Gesellschaft merken gar nichts. Dass sie mit solchen mehr dass er sie von den Politik und den Mächtigen in der Wirtschaft (riesige Konzerne) nur benutzt werden, die gerade damit von ihren eigenen Skandalen ablenken - unter den Teppich kehren können.
keinheiliger (03.08.2008, 07:01 Uhr)
Nun ja,
nicht gerade sehr feinfuehlig von Herrn Bsirske erster Klasse mit einem Flieger der gerade bestreikten Firma in den wohlverdienten(?) Urlaub zu jetten.
Sei es ihm gegoennt. Aber als vertrauensbildende Massnahme kann man das nicht gerade werten. MfG
claushp4694u (02.08.2008, 20:29 Uhr)
Südsee und Aufsichtsrat
Geschmackloser geht es wohl nicht. Und Männern, die Arbeitsplätze organisiert haben, geht es an den Kragen. Aber es ist schon immer so gewesen, jemand, der seinen 'Arsch im Winter an einem geheizten Ofen halten' und 'seinen Kopf im Sommer in einem voll klimatierten Raum halten' kann und gar nicht weiß wie man einen Ofen anheizt, der wird halt Gewerkschafter. Es ist zum Kotzen.
TT2007 (02.08.2008, 16:12 Uhr)
Schönen Urlaub, Herr Bsirske.
Immer wenn mal wieder Geschenke an Besserverdiener verteilt werden, wird mit der Parole "Neiddebatte gegen Leistungsträger" auf die Gegner eingedroschen.
Nun gönnen diejenigen, die anderen permanent Neid unterstellen, Herrn Bsirske nicht einmal fünf Wochen in der Südsee. Ich tus: schönen Urlaub!
utospatz (02.08.2008, 15:37 Uhr)
Zahlt immer noch ein
Arschloch seinen monatlichen Beitrag für solch einen Deppen?
Denn sicher ist, er wird auch versuchen, auf die gleiche Weise, deine Nachfolger zu neppen!
Gisella (02.08.2008, 14:43 Uhr)
Südseezauber
-habe nicht gewusst, dass die Gewerkschaften auch Aufsichtsräte stellen müssen- mein Fehler- .wen vertreten die denn in Wirklichkeit-Ihre eigenen Interessen ?indem sie so fürstlich fliegen dürfen?Vom Anstand her, hätte es nicht in den Urlaub gehen sollen-nun wird er von beiden Seiten kritisiert- Schaden für die Lufthansa und "Nichtdasein" von seinen Mitgliedern. Vielleicht bin ich zu alt, um das alles zu verstehen????
utospatz (02.08.2008, 13:06 Uhr)
Es soll immer noch Armleuchter geben,
die brav ihren Obulus an solche hirnlosen Trottel entrichten!
starmax (02.08.2008, 12:32 Uhr)
@ claudio - zu spät!
Mit Moralkodex und freiwilliger Selbsbeschneidungist in diesem Lnd schon lange nichts mehr zu machen. Dieses Volk -viele nennen es Stimmvieh - hat längst keinen Einfluß mehr auf die, die es (unter Eid zum Wohl des Volkes") vertreten. Zu dicht sind die Seilschaften heute geknüpft, zu verlogen auch die Argumente und selbt die Presse-Berichterstattungen.
Da hilft nur noch handfester Druck von unten - bevor die EU-Regelung greift, nach der Demonstranten künftig erschossen werden dürfen.
Nuvla (02.08.2008, 12:29 Uhr)
Das ist eh alles ein wenig seltsam
Der Mann hat sich ja quasi als Verdi-Chef und Lufthansa-Aufsichtsrat selbst bestreikt.
Claudio (02.08.2008, 11:14 Uhr)
Liebe Journalisten!
Herr Bsirske ist doch einer aus Euren Reihen, über die IG Druck und Papier großgezogen und dann in der verschmolzenen Verdi Karriere gemacht neben den Arbeitern und Angestellten des öffentlichen Dienstes (Müllmännern, Krankenschwestern ... ).
Findet Ihr es nicht stillos und in einer Reihe mit anderen "ruhmvollen" Vorbildern wie Steinkühler, Vetter, Scharping, Lafontaine, Kim Young Il es so an Fingerspitzengefühl mangeln zu lassen, Wasser zu predigen und Wein zu trinken? Meint Ihr nicht es wäre Zeit für Regeln zu sorgen, die Arbeitnehmervertreter in der Mitbestimmung paritätisch vorschreiben aber Gewerkschaftler ausschließen, um derartige Konflikte zu verhindern? Eine Gewerkschaft sollte nicht branchenübergreifend tätig sein dürfen! Meinen sie nicht es ist seltsam, dass der Arbeitskampf bei der LH erst stattfindet wenn Herr B. weg ist, und endet bevor er wieder zurück will (egal wo er ist)? Wäre es nicht an der Zeit nach Vorbildern zu fragen? Ich meine damit nicht den seitenwechselnden Bahngewerkschaftler! Sollen wir diesen degenerierten Egoismus weiterhin schulterzuckend dulden?
Auf Grund dieses erneuten Verlusts an Glaubwürdigkeit braut sich eine Abneigung gegen politisch aktive Leute zusammen, die nicht gut für die Demokratie ist! Politiker, Gewerkschaftler, Kirchenführer reißt Euch am Riemen, man schaut auf Euch, früher waren es Amigos, man zeigte mit dem Finger auf sie. Heute ruinieren sie nicht nur Ihre eigene Existenz sondern stellen den gesellschaftlichen Konsens in der Demokratie zur Disposition.
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