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23. Juli 2009, 16:10 Uhr

Ohrfeige für die Große Koalition

Das Bundesverfassungsgericht urteilte: die Regierung hat den BND-Untersuchungsausschuss verfassungswidrig behindert. Das ist ein Sieg für die Demokratie. Vielleicht erlebt der Ausschuss sogar eine Neuauflage. Noch einmal mit Frank-Walter Steinmeier in der Titelrolle. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

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Muss er noch einmal in den Zeugenstand? Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei seiner Aussage vor dem BND-Untersuchungsausschuss im Dezember 2008© Gero Breloer/DPA

Einmal mehr muss man dem Bundesverfassungsgericht dankbar sein. Einmal mehr hat es opportunistisch taktierende Politiker gemaßregelt und ihnen mitgeteilt, dass das Grundgesetz nicht aus machtpolitischen Gründen falsch ausgelegt werden darf. Auch dann nicht, wenn man sich in großer Nähe zum nächsten Wahlkampf befindet, vor dem man alles auf dem Tisch sehen will, was den Ruf des Regierungshandeln mehrt - und alles im Geheimschrank versteckt werden soll, was auf Versagen hinweist.

Genau so hat die Große Koalition im BND-Untersuchungsauschuss agiert. Die SPD wollte um jeden Preis verhindern, dass ein Schatten auf die frühere Arbeit ihres Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier fällt, der einst Gerhard Schröders operative Hand war. Dafür war ihr kein Argument zu dünn bis dümmlich. Auch die CDU/CSU hatte kein Interesse daran, im Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der BND-Affären beizutragen. Das Koalitionsklima war der Kanzlerin wichtiger als die Achtung des Wunsches der Verfassungsväter. Denn die haben im Artikel 44 sehr deutlich festgelegt, dass das Parlament das Recht hat, Regierungshandeln effektiv zu durchleuchten.

Eine wuchtige Ohrfeige

Selten zuvor hat das Verfassungsgericht einer Regierung eine vergleichbar deftige Abmahnung zugestellt: die Urteilsbegründung ist eine wuchtige Ohrfeige für die Koalition. Denn SPD und CDU/CSU hatten verhindert, dass zwielichtige Operationen der Geheimdienste unter Führung des Kanzleramts offengelegt werden. Stets war dabei von zu schützenden hochrangigen staatlichen Interessen die Rede, die keinen Schaden nehmen dürften.

De facto ging es dabei vor allem darum, menschlich-moralisches Versagen der staatlichen Akteure zu bemänteln. Mal haben sie Beihilfe geleistet, wenn es darum ging, Menschen der Folter auszusetzen. Oder sie haben die deutsche Öffentlichkeit krass über die deutsche Helferrolle für die USA im Irak-Krieg getäuscht. Schwärzung von Akten und Maulkörbe für wichtige Zeugen waren dabei die regierungsamtlichen Waffen.

Kommt es zur Neuauflage?

Ob jetzt der Ausschuss noch einmal zu Sitzungen einberufen wird, ist weniger bedeutsam. Das Ende der Legislaturperiode steht bevor. Ob in der Sache bis dahin durch neue Beweisaufnahmen noch wesentliche zusätzliche Erkenntnisse gewonnen werden könnten, ist ungewiss. Der Ausschuss hat es in seiner bisherigen Arbeit zumindest geschafft, eines zu zeigen: Es ist nach allen Regeln unschöner Regierungsarbeit von Geheimdiensten und Bundeskanzleramt versucht worden, die Wahrheit zu verschleiern.

Einen gewissen Charme hätte es schon, wenn etwa Steinmeier oder die BND-Chefs noch einmal Auskunft geben müssten. Könnte ja sein, dass Steinmeier nach der Bundestagswahl als Oppositionschef ist. Dann könnten ihn die bisherigen CDU/CSU-Spezl endlich in aller gebotenen Strenge verhören.

Ein Sieg für die Demokratie

Was staatspolitisch indes wichtiger ist: das Urteil hat das Messer "Untersuchungsausschuss" für die Zukunft erheblich geschärft. Künftig wird es nicht mehr so leicht sein, die parlamentarische Kontrolle des Regierungshandelns grundgesetzwidrig zu be- oder sogar zu verhindern. FDP, Grüne und Linkspartei haben sich um die Kontrollrechte des Parlaments hoch verdient gemacht. Denn all das, was Karlsruhe jetzt mit Blick auf künftige Untersuchungsausschüsse verfügt hat, stärkt auch die Rechte des parlamentarischen Kontrollgremiums. Auch dort muss künftig ehrlicher Auskunft gegeben werden als bisher, wenn ein Verdacht auf dunkle Staatsgeschäfte besteht.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
dippegucker (23.07.2009, 19:12 Uhr)
@Stones60 Zweierlei Maß...
...kann es schon deswegen nicht geben, weil die meisten Politiker Lehrer sind. Ich zitiere Otto Graf Lambsdorff: "Der Bundestag ist mal voller und mal leerer, aber immer voller Lehrer." Sind ja auch die einzigen, die vom Arbeitgeber für politische Aktivitäten freigestellt werden, und dann noch in absentia befördert werden.
x-cube (23.07.2009, 19:04 Uhr)
Wo bleibt der Verfassungsschutz?
Muss der jetzt nicht die Bundesregierung unter Beobachtung stellen?
War nicht erst vor kurzem eine weitere Ohrfeige wegen des EU-Vertrages in der Presse?
Wer verstößt hier eigentlich dauernd gegen das Grundgesetz??
Stones60 (23.07.2009, 18:39 Uhr)
Zweierlei Maß
Man kann schon sagen dass heutzutage die Hürden für Lehrer weitaus höher sind als für Politiker.
Ein Lehrer bekommt wenn Zweifel am Eintreten für die freiheitliche demokratischen Grundordnung (GG) besteht Berufsverbot.
Ach vergessen: Politiker initieren ja die Gesetze.
RDUKE7777777 (23.07.2009, 17:35 Uhr)
Diehl, Rheinmetall, EADS & Co.
Diese Firmen werden dafür sorgen, dass auch unter einer unvermeidlichen schwarzen Regierung die Waffengeschäfte weiterlaufen. Aufklärung seitens der CDU um die SPD zu schwächen hin oder her. Die Geheimoperationen des BND (ich sage nur Irak, Georgien bzw. Kosovo) werden weitergehen, solange Firmen am Krieg verdienen und diese wiederum die Politik schmieren. Wie die Vorredner schon sagen: Es wird sich nichts ändern. Man kann nur hoffen, dass das Fass bei den Bürgern langsam überläuft.
SirExekutive (23.07.2009, 17:31 Uhr)
wenn jemand in einer halte verbotszone
parkt, gibt es strafrechtliche sanktionen.
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wenn die exekutive staatsgwewalt in form der regierung bewusst gegen das grundgesetzt verstößt, gibt es überhaupt nichts.
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das system bzw. die brd wird von innen tag täglich zersetzt, der staat tagtäglich von inne negiert.
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anschließend wird sich dann dran gesetzt, das zersetzte durch eine neue hoch demokratiefeindliche struktur zu ersetzten.
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und was machen die medien? die beteiligen sich an diesem kalten putsch in dem sie still schweigen und alles daran setzen die putschisten vor der öffentlichen meinung zu schützen, in dem sie stets über andere dinge berichten.
tepes (23.07.2009, 16:29 Uhr)
gutes urteil-leider wird sich aber in der Realität nix ändern
denn egal welche Partei jetzt beschuldigt wird, sobald die anderen Partein an der Macht sind, werden auch diese wieder verschleiern und das Volk belügen...also bleibt letzlich alles beim alten. Wenn überhaupt ihre dunklen Machenschaften ans Licht kommen, dann sowieso erst nachdem die Leute ihre Macht schon längst abgegeben haben.
siehe z.B. Kohl & Schröder, die ganzen Schweinerein sind doch erst öffentlich geworden, als die keine Kanzler mehr waren...Achja, und zur Rechenschaft ist glaube ich noch keiner gezogen worden....
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