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"Natürlich chillen meine Töchter"

Verkehrsminister Peter Ramsauer, CSU, hat in seinem Haus das Denglisch verboten - den bayerischen Dialekt aber nicht. Ein Interview über Sprache, Bier und Roots.

Könnte es sein, Herr Minister Ramsauer, dass Sie nach diesem Interview dringend einen Break benötigen, um nach dem Brainstormen abzuchillen?
Klar lege auch ich eine Brotzeit ein oder eine Pause nach einem reflektierten Gespräch oder intensivem Arbeiten. Unterscheiden wir hier aber bitte auch zwischen den einzelnen Lebensbereichen: Ich will ja gar nicht der Werbung oder der Gesundheitswirtschaft etwas vorschreiben. Und natürlich chillen meine Töchter auch mal, das ist normale Jugendsprache.

Sie haben in den vergangenen Tagen Headlines dafür bekommen, dass Sie Deutsch wieder zur Dienstsprache im Bundesverkehrsministerium gemacht haben. Das bisherige Travel Management heißt jetzt wieder Reisestelle. Was war Ihr Motiv für diese bemerkenswerte Reform?
Englisch ist eine Weltsprache, die die Menschen verbindet, und das ist auch in Ordnung. Wir aber leben in Deutschland und sprechen unsere Muttersprache. Ich kenne kein Land der Erde, in dem man so respektlos mit der eigenen Sprache umgeht. Millionen Bürger fühlen sich ausgegrenzt, wenn uns Anglizismen inflationär und willkürlich überfluten. Diese Entwicklung mache ich im Bundesverkehrsministerium nicht mit, nur weil es modern oder "chic" ist. Wir haben für jeden Bereich unseres Lebens auch deutsche Vokabeln, wir müssen sie nur nutzen.

Was machen Sie mit Mitarbeitern, die bisher zum Inhouse Meeting stets pünktlich waren, aber nicht mehr zur Besprechung antreten, weil sie nicht genau wissen, was das ist?
Da sage ich: Zurück zu den Wurzeln - meine Mitarbeiter wissen den Weg zur deutschen Sprache ...

Eigentlich haben Sie das Denglisch-Verbot nicht nötig. Im Gegensatz zum künftigen EU-Kommissar Oettinger, der Spätzle-Englisch spricht, sprechen Sie, obwohl geborener Oberbayer, kein Knödel-Englisch, sondern fließend feinstes Oxford-Englisch. Wie kommt das?
Für mich gehört fließendes Englisch in der Tat zu meinem beruflichen Alltag. Aber das ist keine Frage von Verboten. Ich will und kann mich trotzdem in meinem Vaterland in meiner Muttersprache verständlich machen. Ein Beispiel: Muss es denn ein "Kick-off-Meeting" sein, wenn es eine "Auftaktveranstaltung" genauso tut?

Aber Sie wollen, politisch betrachtet, weiterhin ein Global Player bleiben?
Deutschland ist auf vielen Gebieten Weltmarktführer. Nehmen wir nur eines der Themen, die mir besonders am Herzen liegen: Das Thema Elektroauto ist eng mit Deutschland verbunden. Bis 2020 will ich mit meiner Initiative mehr als eine Million dieser Fahrzeuge auf die Straße bringen.

Sie sind direkt gewählter Abgeordneter im Wahlkreis Traunstein, bekanntlich der schönste der Republik. Aber das Deutsch, das Ihre Wähler sprechen, ist für Deutsche nur schwer verständlich. Vielleicht sollten Sie dort also Task Forces antreten lassen, die Ihre Wähler zu Sprachmeetings bitten.
Als Erstes: Millionen von Menschen kommen jedes Jahr in meine schöne Heimat, um dort Urlaub zu machen. Alle verstehen sich dabei prächtig. Und zweitens, falls Sie den Dialekt ansprechen: Ich spreche selbst auch ganz bewusst mit bayerischer Färbung, und dabei bleibt es auch. Ein Politiker, der sich verstellt, verleugnet seine Herkunft.

Sie räumen aber ein, dass Worte wie Schwammerl oder Ausdrücke wie "O'zapft is" nur sehr schwer verständlich sind?
Aber jeder kennt diese Begriffe! Wenn wir schon beim Bier sind: "O'zapft is" - Das ist der Schlachtruf des weltgrößten Volksfestes. Und das ist bekanntlich bayerisch geprägt, also ist das völlig in Ordnung.

Können Sie uns wenigstens versprechen, dass Ramsauer Ramsauer bleibt?
Bei mir gab's zwar noch nie Stillstand. Aber meinen ehernen Grundsätzen bleibe ich treu.

Hans Peter Schütz
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