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12. März 2010, 11:02 Uhr

Die Guttenberg-Blase

Der Verteidigungsminister ist der Star im Kabinett. Doch sind die Scheinwerfer aus, bleibt wenig vom Glanz des Karl-Theodor zu Guttenberg. Ergebnisse bleibt er schuldig, Reformen kommen nicht voran. Von Thomas Steinmann und Joachim Zepelin

Verteidigungsminister, Guttenberg, Umfragewerte, Kanzlerin, Karl-Theodor zu Guttenberg

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im März bei der Besichtigung der Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern"© Carsten Rehder/DPA

Es ist unangenehm kalt auf der Ostsee, doch Karl-Theodor zu Guttenberg ist warm eingepackt. Der Verteidigungsminister steckt in einer marineblauen Jacke mit Namensaufnäher, sein Schopf unter einer Baseballmütze, um seinen Hals baumelt ein Fernglas in Tarnfarben. Guttenberg ist gut gerüstet für seinen Antrittsbesuch bei der Marine in der Eckernförder Bucht.

An Bord der Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" lässt er sich am Dienstag vorführen, wie seine Soldaten Schnellbootangriffe abwehren, Seeminen sprengen und sich aus einem Hubschrauber abseilen. Guttenberg sagt: "Die Marine ist seit Jahren eine Armee im Einsatz. Mich hat beeindruckt, wie man die Einsatzrelevanz darstellen kann." Die Fotografen machen schöne Bilder, die den Verteidigungsminister bei seiner Truppe zeigen. Die Bilder sind immer schön, wenn Guttenberg auftritt, zu Lande, zu Wasser und in der Luft, beim Truppenbesuch in Afghanistan, auf der Münchner Sicherheitskonferenz, auf der Couch bei "Wetten, dass ...?" und bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver, wo er sich in einem Bob ablichten ließ.

Die Inszenierung des Jungstars der deutschen Politik, der das verschnarchte Wirtschaftsministerium aufmischte und nach der Nacht der Opel-Rettung im Mai als Symbol eines neuen Politikertyps gefeiert wurde, kommt in der Öffentlichkeit immer noch an. Auf der Liste der beliebtesten Politiker steht Guttenberg mit 69 Prozent Zustimmung ganz oben. Dort finden sich eigentlich Außenminister oder Kanzler, Verteidigungsminister stehen eher weit hinten. Doch bei Guttenberg glauben viele, dass der Showstar auch Kanzler kann.

Selbst der Wirbel um den Luftschlag von Kundus konnte ihm bislang nichts anhaben. Guttenberg hat die Affäre um die verheerendste Operation der Bundeswehrgeschichte von seinem Vorgänger Franz Josef Jung geerbt. Er hat sie aber auch durch eigenes Zutun verschärft, indem er sich beim Rauswurf seines Generalinspekteurs und eines Staatssekretärs wegen Informationspannen im Ministerium dem Verdacht der Lüge ausgesetzt hat.

"Die Luft wird dünn"

Jetzt hat Guttenberg einen Untersuchungsausschuss am Hals, vor dem er bald als Zeuge verteidigen muss. Vorsorglich hat er diese Woche einen Rückzieher gemacht: Am gleichen Tag, an dem er bei der Marine zu Gast ist, erscheint ein Interview, in dem er erklärt, er habe weder dem gefeuerten Generalinspekteur noch dem Staatssekretär vorgeworfen, ihm bewusst Unterlagen vorenthalten zu haben.

Das klingt nach dem Versuch, einen gefährlichen Verdacht zu entschärfen: dass Guttenberg zwei Spitzenleute entlassen hat, um seinen Kopf zu retten. Genau das hält ihm die Opposition vor. "Die Entlassenen waren Bauernopfer", sagt Katja Keul, die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, "die Luft um Guttenberg wird dünn."

Noch prallen solche Angriffe am tadellosen Image in der Öffentlichkeit ab. Dafür, dass das so bleibt, hat Guttenberg eigens eine Stelle für strategische Kommunikation im Ministerium geschaffen. Die Dienste seiner Berater wird er jetzt brauchen, wenn der Verteidigungsminister im Kundus-Untersuchungsausschuss vor allem sich selbst verteidigen muss. "Bis zur Wahl in Nordrhein-Westfalen ist Kundus das Hauptthema für ihn", sagt einer aus der Ministeriumsspitze.

Das könnte den Ruf jenseits der Bilder und Beliebtheitswerte bröckeln lassen. Ohnehin wächst in Berlin der Unmut über Guttenbergs Amtsführung, über zu viel Show, zu wenig Arbeit, zu viele Sprechblasen und zu wenig Substanz. Der SPD-Abgeordnete Hans-Peter Bartels, der seit Jahren im Verteidigungsausschuss sitzt, fühlt sich nach Guttenbergs ersten vier Monaten im Amt an Kurt Tucholsky erinnert: "Was einer recht auffällig ins Schaufenster legt, das führt er gar nicht."

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Dieser Artikel... ...ist erschienen in der Financial Times Deutschland.

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