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30. Oktober 2006, 06:55 Uhr

Raus aus Bosnien-Herzegowina

Die Wahlen seien ruhig verlaufen, die Lage stabil: Bundesverteidigungsminister Jung sieht keinen Grund, weshalb deutsche Truppen weiterhin in Bosnien-Herzegowina stationiert sein sollten. Die 850 Soldaten, die vor Ort arbeiten, will er abziehen.

Ein Bundeswehr-Pionierpanzer, der im Rahmen der European Union Force (EUFOR) in Bosnien-Herzegowina operiert (bei Sarajevo)© Michael Hanschke/DPA

Der Rückzug soll schon im Dezember beginnen, sagte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) am Sonntagabend im ZDF-"heute-journal". Die Bundeswehr stellt etwa 850 der insgesamt 7000 Soldaten, die im Rahmen der militärischen Operation der Europäischen Union (EUFOR) die Lage in Bosnien-Herzegowina sichern.

Soldaten durch Polizei ersetzen

Hintergrund für den Rückzug ist laut Jung die Belastung der Bundeswehr durch die Auslandseinsätze: "Wir sind in gewissen Bereichen an Grenzen angekommen." Zu einem bestimmten Zeitpunkt müsse man auch sagen können, dass der Auftrag erfüllt sei und man das Land verlassen könne. Insgesamt sind etwa 10.000 deutsche Soldaten an zehn Einsatzorten stationiert - von Europa über Afrika bis nach Afghanistan.

Auch SPD-Fraktionschef Peter Struck plädierte für einen Rückzug. "Man muss sich immer wieder fragen, ob ein Einsatz noch berechtigt ist", sagte er am Wochenende. "Der Krieg in Bosnien etwa ist seit elf Jahren vorbei und die Bundeswehr ist immer noch mit einem großen Kontingent dort. Wir sollten allmählich das Ziel erreichen, dass unsere Soldaten Bosnien wieder verlassen. Ich glaube, dass viele Aufgaben dort auch von Polizisten anderer europäischer Länder übernommen werden können."

Nationalisten behalten Oberhand

Die Lage in Bosnien-Herzegowina galt in jüngster Zeit als ruhig. Gleichwohl warnen hohe Militärs davor, dass in dem mehrheitlich von Muslimen bewohnten Land jederzeit wieder Unruhen ausbrechen können. Bei den kriegerischen Auseinandersetzungen sind Schätzungen zufolge 60.000 Menschen ums Leben gekommen. Einige Quellen sprechen von bis zu 250.000 Kriegsopfern, die in der Zeit zwischen der Unabhängigkeitserklärung Bosnien-Herzegowinas im März 1992 und dem Dayton-Abkommen von 1995 getötet wurden.

Bei den Wahlen am 3. Oktober dieses Jahres hatten erneut die nationalistischen Parteien der Muslime, Serben und Kroaten die Oberhand behalten. Gemäßigte bürgerliche Parteien waren nicht zum Zuge gekommen.

 
 
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