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Kommentar

Entspannt Euch! Wie eine 16-Jährige den Fall Beck sieht

Die Empörung ist groß, seit der Grüne Volker Beck mit Stoff erwischt wurde. Als Politiker hätte er Vorbild sein müssen. Aber sind Politiker überhaupt Vorbilder?

Von Lilli Hövener

Grünen-Politiker Volker Beck

Kein Vorbild, ein Mensch: Grünen-Politiker Volker Beck

0,6 Gramm Drogen hatte er in der Tasche. Mutmaßlich Crystal Meth, so berichtet es zumindest die "Bild". Die Polizei, die die Wohnung eines Dealers am Nollendorfplatz beobachtete, nahm Volker Beck gleich mit. Am Tag darauf trat er von seinen Ämtern als innen- und religionspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion zurück.

Keine Vorbilder, viele Trendsetter

Jetzt ist die Empörung groß. Ein Politiker! Mit Drogen! Dabei müsste er doch Vorbild sein! Was soll die Jugend denken?

Darauf kann ich eine Antwort geben. Mich überkam keine Empörung, als ich vom Fall Beck hörte. Ich dachte: Okay, das ist ein 55-jähriger Politiker, der muss wissen, was er tut - und dann auch die Konsequenzen für sein Handeln tragen. Sicher hätte ich heftiger reagiert, wenn Beck einem anderen geschadet, jemanden verprügelt oder betrogen hätte. So aber hat er nur sich selbst geschadet.

Ein Vorbild für meine Generation, also die Jugend von heute, sind Politiker sowieso nicht. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass der Altersunterschied so groß ist. Meine Generation orientiert sich an Youtube-Stars und jungen Bloggern. Es ist wichtig, wie sie sich stylen und was sie sagen. Vorbilder sind sie deswegen nicht. Nicht einmal Idole. Früher hätte man vielleicht "Trendsetter" gesagt; das trifft es zumindest. Wir haben keine Vorbilder. Weil wir sie nicht brauchen. 

Drogen sind (leider) Alltag

Für mich ist Beck ein Mensch wie jeder andere Politiker auch. Er hat einen Fehler gemacht, mehr nicht. Das Thema Drogen ist für uns ohnehin nicht schockierend. Drogen gehören für Teenager zum Alltag. Nicht unbedingt Crystal Meth, aber Alkohol, Nikotin und Cannabis in jedem Fall. Viele von uns haben, auch wenn sie selbst nichts konsumieren, schon mitbekommen, dass sich jemand etwas einwirft. Zugedröhnte stehen überall. In der Schule, an der Bushaltestelle, im Döner-Laden.

Entscheidet denn nun Herr Beck darüber, ob es mehr oder weniger Drogenkonsumenten gibt? Ich glaube, der Einfluss von Eltern, Schule und Freunden ist zehntausend Mal größer. Sie bestimmen unsere Haltung zu Drogen. Crystal Meth ist offenbar eine echte Teufelsdroge. Volker Beck hätte es mal besser sein lassen sollen.

Lilli Hövener, 16, ist Schülerpraktikantin im stern-Hauptstadtbüro


Mitarbeit: Lutz Kinkel
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