. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
25. März 2009, 15:54 Uhr

Leise Kritik an Kinderporno-Sperre

Niemand zweifelt daran, dass man gegen Kinderpornografie im Internet kämpfen muss. Aber wie? Mit moralischem Furor verteidigt Familienministerin von der Leyen die Eckpunkte für einen Gesetzesentwurf zu diesem Thema. Kritiker sagen, dass man die Sperre einfach umgehen könne - und fürchten Internetzensur. Von Sebastian Christ

Kinderporno-Sperre, von, der, leyen, ursula

Ursula von der Leyen bei einer Pressekonferenz am Mittwochmorgen in Berlin: Die Ministerin will mit einer Internetsperre gegen Kinderpornografie kämpfen© Wolfgang Kumm dpa/lbn

Es war ein selbstbewusster Auftritt von Familienministerin Ursula von der Leyen. Sie weiß, dass es immer noch Argumente gegen die Sperrung von Kinderporno-Seiten im Internet gibt. Aber ebenso ist sie sich der Tatsache bewusst, dass sie für eine gute Sache kämpft. "Wir wollen nicht tolerieren, dass die Vergewaltigung von Kindern massenhaft im Internet abrufbar ist", sagte sie am Mittwochmorgen in Berlin - und gibt damit den politischen Konsens wieder, der sich quer durch alle Parteien und Interessengruppen zieht. Warum jedoch sind bisher nicht alle Internetprovider geschlossen für das Anliegen der Ministerin eingetreten? Von der Leyen teilt die Firmen in Gut und Böse ein. "Einige sind von Anfang an dafür gewesen", sagt sie. "Andere haben permanent versucht, zu verzögern. Wenn die Gesellschaften das in anderen Ländern durchsetzen können, dann werden sie es auch in Deutschland schaffen." Und sie sagt: "Die Unverletzlichkeit des Kindes ist ein höheres Recht als das Recht auf Massenkommunikation."

Es ist ein schwieriges Thema, über das die Politiker in diesen Tagen in Berlin diskutieren. Dass man der Kinderpornografie den Kampf ansagen muss, darin sind sich die Parteien einig. Aber wie? Wer an der Wirksamkeit einer Kinderporno-Sperre zweifelt, hat es schwer. Schuld daran ist nicht zuletzt die Diskussion um den SPD-Politiker Jörg Tauss, der ebenfalls gegen einen Internet-Filter war - und bei dem die Polizei dann einschlägiges Material gefunden hat. Die Eckpunkte für ein mögliche Änderung des Telemediengesetzes wurden am Mittwoch einstimmig vom Kabinett abgesegnet. Ursprünglich wollte Familienministerin von der Leyen "nur" eine vertragliche Vereinbarung mit Internetanbietern durchsetzen.

Zypries: Jeder darf sich "frei bewegen"

Dass sie nun doch eine Änderung des Telemediengesetzes anstrebt, wird zum einen auf den Widerstand bei einigen Providern zurück geführt - und zum anderen auf verfassungsrechtliche Bedenken in der SPD gegen eine Regelung auf rein vertraglicher Basis. Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) äußerte im ZDF-Morgenmagazin nochmals leise Bedenken, ob eine Kinderporno-Sperre überhaupt sinnvoll sei. "Die Verfassung sagt uns, dass jeder das Recht hat, sich frei zu bewegen, auch im Internet", sagte sie. Wenn man die Bewegungen einzelner Menschen im Internet kontrollieren wolle, müsse man den gesamten Internetverkehr filtern. Die Befürchtung: Heute werden aus einer guten Absicht heraus Kinderpornoseiten verboten, morgen dann Ballerspielseiten und übermorgen auch politische Webangebote.

Gleichwohl beugte sich Zypries dem Wunsch von der Leyens nach einer Regelung, weil das Familienministerium Zypries offensichtlich entgegen kam - in dem es nun die Kinderpornosperre per Gesetz in allen Einzelheiten regeln will. Nach den bisherigen Planungen sollen Behörden den Internetanbietern die zu sperrenden Internetadressen übermitteln. Die Internetanbieter selbst müssen demnach nicht nach kinderpornografischen Inhalten fahnden. Wann das Gesetz genau verabschiedet wird, ist noch nicht klar. "Zügig" soll es jedenfalls geschehen, am besten noch in dieser Legislaturperiode. Das betonte auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CDU), der dementsprechend ankündigte, umgehend einen konkreten Entwurf vorzulegen.

Von der Leyen wurde auf der Pressekonferenz sehr deutlich. In aller Öffentlichkeit nannte sie die Namen der drei großen Internetprovider, die sich bisher nicht an einer Sperre beteiligen wollen. Die Ministerin kommentierte lapidar: "Es ist ganz klar, dass sie im Laufe der Zeit dazu gezwungen werden, diese Seiten zu sperren."

Dennoch bestehen immer noch Zweifel, ob eine Kinderporno-Sperre auch technisch umsetzbar ist. Sperrt man etwa nur Domainnamen, die aus Buchstaben bestehen? Oder auch die Zahlencodes dahinter (IP-Adressen), über die sich Webangebote ebenfalls abrufen lassen? "Die Umgehung der geplanten Sperren ist trivial und auch für technisch nicht allzu begabte Interessenten durchführbar", sagt ein Sprecher des Chaos Computer Clubs zu stern.de. "Ebenso werden die Anbieter problemlos Möglichkeiten finden, um gesperrte Adressen schnell und automatisch auf andere Adressen umzuziehen."

Heute Kinderpornos, morgen Musikdownloads?

Der Club fordert eine andere Strategie im Kampf gegen Kinderpornografie im Internet: "Die Sperre der Seiten ist ein hochgradig fragwürdiges Vorgehen, da sich der Großteil der Server in westlichen Ländern befindet. Statt diese Server durch direktes Vorgehen der Ermittlungsbehörden stillzulegen, was problemlos möglich ist, und damit der Hintermänner habhaft zu werden, wird eine Zensurinfrastruktur errichtet." Die Computer-Experten befürchten, dass die Internet-Sperre bald auf andere Bereiche ausgedehnt werden könnte. "Diese Infrastruktur zum Ausblenden unerwünschter Inhalte im Internet wird ohne Zweifel auch bald für andere Zwecke benutzt werden, etwa um die Interessen der Musikindustrie durchzusetzen. Bereits dokumentiert ist, dass in Skandinavien die Diskussion um solche Sperren unterbunden wird, indem die entsprechenden Blogs, die zum Beispiel die Sperrlisten dokumentieren, wiederum gesperrt werden. Mit rechtsstaatlichem Vorgehen hat das nichts zu tun."

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft sieht (BVDW) das Vorgehen der Familienministerin ebenfalls kritisch - obwohl er den Kampf gegen Kinderpornografie unterstützt. Es bestehe momentan zu viel Unklarheit, was das weitere Vorgehen betreffe. "Das Problem ist, dass wir momentan nichts Konkretes wissen", sagt Gerd Fuchs, Justiziar und Referent Medienpolitik des BVDW zu stern.de. Kern der Kritik: Die zuerst geplante vertragliche Vereinbarung mit den Internetprovidern sei zu unausgereift gewesen und zeuge eher von Aktionismus. "Frau von der Leyen will erst einmal eine Vereinbarung, dann erst die dafür eigentlich notwendige gesetzliche Grundlage, wohl um für sich schon einmal einen Erfolg verbuchen zu können." Der Wahlkampf winkt.

Ob und wie weit eine Sperre jedoch schon vor der Wahl verwirklicht werden kann, steht auf einem anderen Blatt. Die technische Umsetzung dauere drei bis sechs Monate, ist aus Branchenkreisen zu hören. Viel Zeit. Auch für Täter, die bis dahin neue Wege finden können, um an Kinderpornografie zu vertreiben.

Mitarbeit: Mandy Schünemann
 
 
KOMMENTARE (10 von 63)
 
terrax (26.03.2009, 16:41 Uhr)
@endbenutzer
Na das ist doch mal was. Wünsche Ihnen noch einen schönen Tag ;-)
endbenutzer (26.03.2009, 14:57 Uhr)
@terrax:
"...Ich glaube so perfekt wie das hier alles überwacht wird, da konnten Mielcke und Honecker nur von träumen..."
.
da sind wir uns ausnahmsweise mal einig. ;-)
terrax (26.03.2009, 14:54 Uhr)
@endbenutzer
Was nützen die Gesetze, wenn die Seiten vom BKA erstellt werden? Vom BKA werden auch jedes Jahr wieder unzulässige Online-Durchsuchungen bekannt. Was unsere Regierungen betreiben ist Salamitaktik. Schritt für Schritt immer mehr überwachen und bespitzeln. Es ist schon eine echte Frechheit, daß man sich ein Mailkonto bei Providern im Ausland z.B. der Schweiz besorgen muß um sich der Überwachung mittels Sina-Box der deutschen Provider zu entziehen. Dann protokollierte Schäubles Truppe als nächstes Telefonverbindungen also die Zielrufnummern und letzte Woche wurde ein entsprechendes Gesetz geändert, daß Telefonate sogar einfach so vom BND im Inland abgehört werden können. (Amtshilfe) Die deutschen Behörden dürfen ja laut BKA-Gesetz nicht ohne Begründung abhören. Naja und wie man der DNS-Server-Protokollierung aus dem Wege geht habe ich ja schon beschrieben.
Was auch letzte oder vorletzte Woche entschieden wurde ist, daß die Finanzämter jetzt ohne begründeten Steuerhinterziehungsverdacht auf die Konten schauen können... Ich glaube so perfekt wie das hier alles überwacht wird, da konnten Mielcke und Honecker nur von träumen. Mir kann hier keiner mehr in D erzählen, daß es nur um Kinderpornos geht. Aber Schäubles und von der Leyens Salami-Taktik scheint zu funktionieren. Gratuliere Herr Schäuble. Anscheinend gibt es noch genügend....*!#!*
endbenutzer (26.03.2009, 14:20 Uhr)
@terrax:
"...Wie man unschwer aus der geposteten Blacklist von Tarpan8 erkennen kann, sind dort nicht nur Kinderpornoseiten gespeichert, sondern auch gewöhnliche Internetportale bzw. Seiten...."
.
Und merkwürdigerweise sind auf dieser Liste auch einige Videos (ich habe nicht alle Links durchgeschaut) die aufgrund Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen der Portalbetreiber! entfernt wurden. Komisch was?
.
Und nochmal: Man kann Gesetze auch entsprechend definieren. Und wenn in einem solchen Gesetz explizit drinsteht, dass nur Kinderpornoseiten geblockt werden, kann das doch nicht verkehrt sein. Nicht dass ich falsch verstanden werde: Ich bin auch gegen Schnüffelei im Privatbereich und auch gegen Zensur von kritischen Inhalten im Internet. Trotzdem darf man hier nicht Äpfel mit Birnen verwechseln.
terrax (26.03.2009, 14:03 Uhr)
@confused

Wenn Sie sich die Kommentare mal richtig durchgelesen hätten, dann hätten Sie festgestellt, daß ich die Frage nicht gestellt habe sondern der "Endbenutzer". Desweiteren bin ich schon lange kein Admin mehr von Beruf, da man dort viel zu wenig verdient. Bin schon seit mehreren Jahren Devisenhändler.
terrax (26.03.2009, 13:52 Uhr)
@endbenutzer und andere Befürworter
Wie man unschwer aus der geposteten Blacklist von Tarpan8 erkennen kann, sind dort nicht nur Kinderpornoseiten gespeichert, sondern auch gewöhnliche Internetportale bzw. Seiten. Ich kann dazu nur sagen: Währet den Anfängen von Frau von der Leyen & Co. Vielleicht hat Schäuble seine Hände hier auch noch im Spiel...
tarpan8 (26.03.2009, 12:26 Uhr)
Endlich
Ich schließe mich den aufgeklärten
Menschen hier an.
Was v.d.Leyen da treibt ist pure
Volksverdummung, und wie man hier
in einigen Kommentaren lesen kann
erreicht sie ihren Zweck.
Warum nicht einfach die Betreiber und Hersteller dingfest machen, das wäre nicht so schwer.
Am besten hat mir hier der Vergleich mit dem Heroin gefallen. Die Erzeuger und Großhändler von dem Gift wurden nie belangt.
Die kranken, abhängigen Endnutzer wurden verfolgt und eingesperrt.
.
So sieht eine Sperrliste aus, die ist aus Thailand, dort werden natürlich auch Seiten gesperrt die den König beleidigen.
http://wikileaks.se/leak/thailand-blocklist-2009.pdf
confused (26.03.2009, 12:01 Uhr)
@endbenutzer
china hat z.b. Youtube gesperrt weil die eine Bone haben die das Land verlässt da ist direkt am dicksten Kabelstrang alles gesperrt und darf nicht durch. ;-)
endbenutzer (26.03.2009, 11:49 Uhr)
@terrax:
"...Aber wenn Sie schon so schlau daher reden, dann frage ich Sie jetzt was diese Sperre überhaupt bezwecken soll wenn einige wenige diese eh umgehen können?.."
.
Keine Angst, ich stehe weder auf der Gehaltsliste des Stern, noch bin ich mit diesem rechtsradikalen "vegefranz" verwandt. Was die Sperre betrifft: Es gibt die Möglichkeit, entsprechende Internetseiten zu filtern und diese dem "Normalnutzer" vorzuenthalten. Provider könnten ebenfalls in die Pflicht genommen werden. Wenn China es hinbekommt, youtube zu sperren, werden wir es wohl hinkriegen Kinderpornoseiten zu sperren, oder? Mir ist natürlich klar, dass es immer wieder Leute geben wird, die schlauer sind. Sollte man deshalb aber alles so lassen wie es ist? Wie bereits von anderen geschrieben wurde, könnte man dann auch alle Gesetze abschaffen, denn es wird immer Diebe und Mörder geben. Wenn allerdings durch entsprechende Maßnahmen der Kreis von Kinderporno-Nutzern eingeschränkt werden kann, bin ich dafür. Außerdem (auch das sagte ich bereits) kann man ein Gesetz auch ganz klar definieren. Wenn eben Kinderporno-Seiten gesperrt werden sollen, dann auch nur diese. Wo ist das Problem?
confused (26.03.2009, 11:39 Uhr)
hach wie herrlich ist die Welt
das mittlerweile alles auch das Internet zerfällt. Besser das man meint IRGENDETWAS sperren zu können. Unsere ach so tollen Politiker wieder einmal, froh das sie Ihr Emailprogramm beherrschen und den PC hochfahren können, und dann sich wiedermal auf Kosten des Steuerzahlers Debatten Tage - wochen - monatelang führen, wo nur ein heisser Furz bei rauskommt. Und warum ? weil sie von der Materie IT keinen blassen Schimmer haben.
Denn sonst wüssten sie das man NICHTS sperren kann auf diesem Wege.
Wenn ich auf eine Seite will, egal wieviel mein Provider aus D-Land die sperrt DANN GEHE ICH AUF DIE SEITE.
Eines ist gewiss, erst Pornoseiten sperren, dann als nächstes Gewaltseiten wahrscheinlich und ganz zum schluss das ganze Internet, besser nur noch die Seiten öffentlich die von den Regierungen und Parteien zu propagandazwecken und Verschleierung der Wahrheit genutzt werden.
Wenn sie was sinnvolles tun wollen - jedoch dazu sind unsere Regierungen und deren IT ja nicht fähig wie es scheint, dann sollten sie die Server im Ausland hacken und plattlegen.
@terrax - Europa Admin von 8000 Leuten ? wahnsinnig, wirklich wahnsinnig, haben sie noch WE und 8 Stundenschicht? denn bei der Useranzahl haben sie wohl mehr als wie alle Hände voll zu tun. Und als Europaadmin - sollte es für sie doch ein leichtes sein wer hinter Schall und Rauch steckt ;-)
ich fand in 30 sek. raus das es auf Blogger.com ein Blog ist, das es sich um die Firma ALTERMEDIA, CH-6415 Arth, in der Schweiz handelt.
MEHR ZUM ARTIKEL
Kinderpornografie Kabinett beschließt härtere Bekämpfung

Nach langen kontroversen Debatten hat die Bundesregierung heute Eckpunkte zur Bekämpfung von Kinderpornografie im Internet beschlossen. Danach soll der Zugang zu Kinderporno-Seiten erschwert werden, die auf Servern im Ausland liegen. mehr...

Vorwurf der Kinderpornografie Tauss gerät immer mehr unter Druck

Der SPD-Politiker Jörg Tauss hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach er mehr als 1000 Euro für kinderpornografisches Material gezahlt haben soll. Er habe lediglich für Recherchezwecke zwei Mal 100 Euro bezahlt. Ungeachtet seiner Unschuldsbeteuerungen nimmt der parteiinterne Druck auf Tauss zu. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe