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Von Trump zur AfD: Wie eine US-Agentur den Bundestagswahlkampf aufmischen will

Zu ihren Kunden gehörten bereits Donald Trump und die Anti-Europa-Partei UKIP aus Großbritannien. Nun macht die amerikanische Werbeagentur Harris Media auch Wahlkampf in Deutschland - für die AfD.

Von Trump zur AfD: Wie eine US-Agentur den Bundestagswahlkampf aufmischen will

Der Bundestagswahlkampf läuft auf Hochtouren. Die AfD hat sich nun Unterstützung aus den USA gesichert

Blutige Reifenspuren sollen "Die Spur der Welt-Kanzlerin durch Europa" illustrieren, darauf sind die Daten vergangener Terroranschläge und ihrer Todesopfer gepinnt. Der Slogan: "Trau dich, Deutschland!" Die Botschaft, zwischen den Zeilen: Merkel muss weg - die Bundeskanzlerin hat mit ihrer Flüchtlingspolitik den Terror nach Europa geholt.

Das Motiv spielt die Alternative für Deutschland () via Facebook und Twitter aus. Dahinter steckt Harris Media, eine US-Werbeagentur aus Texas, die sich mit ihren Kampagnen bereits im rechten Parteienspektrum einen Namen gemacht hat. Und nun den Onlinewahlkampf der AfD gestalten soll.

AfD plant offenbar Digitalkampagne im großen Stil


Wie der "Spiegel" berichtet, wolle die AfD einen Großteil ihres Drei-Millionen-Euro-Budgets in Aktionen wie diese investieren. Das Ziel demnach: Eine Digitalkampagne, die "drastischer und agressiver sein dürfte als alles, was die deutschen Wähler bisher kennen", schreibt das Nachrichtenmagazin. Das scheint nicht weit hergeholt: Die Agentur von Gründer und Namensgeber Vincent Harris - demnach ein tiefreligiöser Protestant und keine 30 Jahre alt - hat bereits in Großbritannien für die Anti-Europa-Partei UKIP geworben und auch schon Projekte für die israelische Regierungspartei Likud und US-Präsident Donald Trump realisiert. 

"Wir wollten die Agentur eigentlich bereits in den Wahlkampf zur Abgeordnetenhauswahl einbinden", sagt AfD-Bundesvorstandsmitglied Georg Pazderski zum "Tagesspiegel". Daraus sei vor rund einem Jahr nichts geworden. Schließlich habe der umstrittene Autor Thor Kunkel - der unter anderem das "Burka? Wir steh'n auf Bikinis!"-Plakat der AfD entworfen hat - die Zusammenarbeit in die Wege geleitet. Nun würden drei der US-Werber täglich in der AfD-Geschäftsstelle in Berlin aufschlagen und "vor Ideen sprühen", so Pazderski.


"Germany for Germans" als Wahlkampfslogan?

Dabei würden die neuen Kollegen aber des Öfteren über das Ziel hinausschießen. "Die Amerikaner sind in ihren Aussagen deutlich härter, als es in der deutschen Politik üblich ist. Das sieht man in allen US-amerikanischen Wahlkämpfen." Daher habe man deutsche Mitarbeiter, die den US-Werbern auf die Finger schauen. So hätten die Harris-Männer etwa den Wahlkampfslogan "Germany for Germans" vorgeschlagen - Deutschland den Deutschen. "Das geht natürlich nicht, der Spruch ist historisch belastet und missverständlich. Aber so unbedarft gehen die ran", so das AfD-Bundesvorstandsmitglied zum "Tagesspiegel".

Kurzer Draht in die USA: "Das ist ein großer Vorteil"

Dafür profitiert die AfD nun von einem kurzen Draht nach Amerika. Denn um Werbung bei Google oder für den Onlinewahlkampf zu schalten, musste die Partei bisher bei den Deutschland-Ablegern der Internetgiganten vorsprechen, berichtet der "Spiegel". Jetzt rufe das Team kurzerhand bei den Konzernzentralen im Silicon Valley an. "Das ist ein großer Vorteil", sagt Pazderski dem "Tagesspiegel". 

Ziel der Digitalkampagne sei, den Leuten die Scheu zu nehmen, sich als Rechtspopulisten zu bekennen, schreibt der "Spiegel". So rufe die Partei nun etwa dazu auf, ihre Facebook-Profilbilder mit AfD-Symbolen zu verzieren und Solidaritätsvideos aufzunehmen. Auch aus dem Harris-Kader sollen eigenproduzierte Videos folgen, schreibt der "Tagesspiegel". Bei der AfD hoffe man auf einen Viral-Hit.

fs

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