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Bundesbank und BaFin prüfen die Deutsche Bank

Der Vorwurf, die Deutsche Bank habe in der Finanzkrise Buchverluste in Milliardenhöhe nicht ausgewiesen, besteht schon seit längerem. Nun bekräftigen Insider in New York diese Vorwürfe erneut.

Alarmiert wurden die deutschen Aufseher offenbar durch  Medienberichte

Alarmiert wurden die deutschen Aufseher offenbar durch
Medienberichte

Die Deutsche Bank steht wegen des Vorwurfs der Bilanztrickserei nun auch im Visier der deutschen Aufseher. Die Bundesbank und die Finanzaufsichtsbehörde BaFin hätten eine Sonderprüfung eingeleitet, sagten drei mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Damit ziehen die Behörden ihr schärfstes Schwert. "Man ist noch am Anfang der Recherche", sagte einer der Insider. Aufsichtskreisen zufolge wollen Bundesbank-Prüfer auch nach New York reisen, um mit den Urhebern der Anschuldigungen zu sprechen. Die US-Aufsicht SEC prüft schon länger, ob der deutsche Branchenprimus in der

Finanzkrise Buchverluste in Milliardenhöhe nicht ausgewiesen und sich damit schöngerechnet hat. Sonst hätte das Institut womöglich Staatshilfe gebraucht. Die Deutsche Bank hat die Anschuldigungen wiederholt zurückgewiesen.

Alarmiert wurden die deutschen Aufseher offenbar von Medienberichten. Ende vergangenen Jahres hatte sich einer der Hauptbelastungszeugen, der frühere Risikoanalyst Eric Ben-Artzi, in Interviews zu Wort gemeldet. Er wirft der Deutschen Bank vor, hochkomplexe Wertpapiere in einem bis zu 130 Milliarden Dollar schweren Derivate-Portfolio zwischen 2007 und 2010 zu hoch bewertet zu haben. Hätte die Bank die niedrigeren Marktwerte angesetzt, wäre sie damals "in sehr viel schwächerer Verfassung" gewesen, hatte er erklärt. Die Bank hatte allein 2008 unter dem Strich knapp vier Milliarden Euro Verlust gemacht, musste aber anders als die Commerzbank nicht vom Steuerzahler aufgefangen werden.

"Keine Lücken aufgetan"

Die internationalen Bilanzierungsregeln erlauben alternative Bewertungsmethoden, wenn es - wie es in der Finanzkrise vorkam - keine Marktpreise für bestimmte Papiere gibt. Die Aufsicht gehe deshalb zunächst davon aus, dass die damalige Bilanzierung der Deutschen Bank den Regeln entsprochen habe, wolle aber auf Nummer sicher gehen, hieß es in den Kreisen, "Schließlich haben sich auch im Nachhinein keine Lücken in der Bilanz aufgetan." Auch die Wirtschaftsprüfer der Bank hatten keine Einwände gegen die Bewertungen erhoben. Sie sollen nun ebenfalls noch einmal befragt werden.

Über das Einschreiten der deutschen Aufseher hatte zuerst die "Financial Times" (FT) berichtet. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Deutsche Bank wollten sich zur Sonderprüfung nicht äußern. Die Bundesbank hatte nach dem Zeitungsbericht erklärt, sie könne nichts zu Maßnahmen gegen einzelne Institute sagen. "Grundsätzlich können sie davon ausgehen, dass wir erhobenen Vorwürfen nachgehen, um sie auf ihre Stichhaltigkeit hin zu überprüfen."

Die skandalerprobten Deutsche-Bank-Anleger gaben sich am Donnerstag gelassen. Die Aktie entwickelte sich mit einem Plus von 1,5 Prozent sogar besser als der Dax. Erst am Vortag hatte die Bank den Abgang von Vize-Finanzchefin Charlotte Jones mitgeteilt, ohne Gründe zu nennen. Im März hatte die Bank die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten nachträglich und recht deutlich hochgeschraubt - per Ende 2012 beliefen sie sich auf 2,4 Milliarden Euro. Vor allem viele US-Hypothekenklagen sind noch nicht abgearbeitet.

Sonderprüfung bringt neue Dynamik

Die Vorwürfe der Bilanztrickserei sind nicht neu. Reuters hatte schon Mitte 2011 darüber berichtet. Die Deutsche Bank gibt sich bei der Aufklärung durch die SEC kooperationsbereit. "Die Vorwürfe waren Gegenstand einer sorgfältigen und umfangreichen Untersuchung und haben sich als vollkommen unbegründet erwiesen", bekräftigte das Institut jetzt noch einmal. "Die Untersuchung hat darüber hinaus ergeben, dass diese Vorwürfe von Personen stammen, die weder über eigene Kenntnisse über wichtige Fakten und Informationen verfügten noch dafür verantwortlich waren." Das umstrittene Portfolio sei inzwischen zum großen Teil abgebaut, die damalige Bewertung sei korrekt gewesen. Im Sommer 2011 hatte die Deutsche Bank in einer internen Präsentation aufgezeigt, dass sie beim Abverkauf der Papiere keine größeren Abschläge in Kauf nehmen musste. Auch dies spricht für eine realistische Bewertung.

Doch mit der Sonderprüfung der deutschen Aufseher bekommt die Angelegenheit neue Dynamik. Die BaFin kann zwar anders als etwa die britische Finanzaufsicht nicht wie ein Staatsanwalt einschreiten. Sie kann aber unangemeldet aufmarschieren, um Daten zu sichern oder Sachverhalte aufzuklären. Eine ähnlich spektakuläre Untersuchung hatte sie bei der Deutschen Bank im vergangenen Jahr im Skandal um Zinsmanipulationen gestartet, der Abschlussbericht wird in Kürze erwartet. Insgesamt rückt die BaFin pro Jahr hundertfach aus - allein 2011 gab es insgesamt 270 Sonderprüfungen.

amt/Reuters/Reuters

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