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Der Kredit des Präsidenten

Der Bundespräsident muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen: Der ungewöhnlich günstige Privatkredit der Unternehmergattin Edith Geerkens setzt Christian Wulff unter Druck.

Von Hans-Martin Tillack

Bettina Wulff fühlte sich in eine "heile Welt" versetzt, damals Anfang 2009, nach dem Einzug in die neue Familienbleibe. Eine ruhige Seitenstraße, Blick auf den Kirchturm - das Klinkerhaus im Hannoveraner Edelvorort Großburgwedel stand für einen verheißungsvollen Start in ihr neues Leben mit Christian Wulff, damals noch Ministerpräsident von Niedersachsen.

Heute, knapp drei Jahre später, amtiert der 52-Jährige CDU-Politiker als Bundespräsident im Berliner Schloss Bellevue; die junge Ehefrau sorgt für den Glamourfaktor. Auch das Haus in Großburgwedel nutzen beide weiter. Doch ihre Freude an dem niedersächsischen Idyll könnte sich ein bisschen trüben. Denn das Finanzierungsmodell, das die Wulffs seinerzeit für den Hauskauf nutzten, erscheint eigentümlich. Im Gefolge eines Berichts der "Bild"-Zeitung sind dazu nun Fragen aufgetaucht – Fragen, die nach Recherchen von stern.de berechtigt sind.

Für 415.000 Euro hatte das damals frisch vermählte Ehepaar das Haus in Bettina Wulffs Heimatort Großburgwedel am 1. Oktober 2008 erworben. Es war der Höhepunkt der Finanzkrise, Bankkredite waren nicht mehr so leicht zu bekommen; zwei Wochen zuvor hatte die Lehman-Pleite in den USA die Finanzmärkte in Schockstarre versetzt. Die Wulffs wandten sich an keine Bank, sondern an eine private Kreditgeberin. Die hieß Edith Geerkens - und ist die Ehefrau des Osnabrücker Geschäftsmannes Egon Geerkens.

Geerkens - Schrott, Juwelen, Immobilien

Der heute 67-Jährige Unternehmer ist bundesweit kaum bekannt. Er lebt, nach einer Zwischenstation im spanischen Marbella, seit 2003 in der Schweiz, im steuergünstigen Kanton Zug, stammt aber aus Wulffs Heimatstadt Osnabrück. Egon Geerkens, genannt "Bubi", ist gelernter Elektriker und gilt als schillernde Figur. Er handelte mal mit Schrott, besaß bis 2007 ein Juweliergeschäft in Osnabrück und investierte auch in Berliner Immobilien. Geldprobleme hat er nicht.

Am 25. Oktober 2008 unterzeichneten Edith Geerkens und das Ehepaar Wulff den Darlehensvertrag für das Haus in Großburgwedel. Er umfasste nur eine einzige Seite und gewährte den Kreditnehmern ungewöhnlich gute Konditionen. Die Wulffs bekamen von Geerkens 500.000 Euro, also mehr als 120 Prozent des Kaufpreises des Hauses, zu einem Zinssatz von nur vier Prozent. Laufzeit: Fünf Jahre. Schon die hohe Darlehenssumme kann erstaunen. Kredite mit einem Beleihungswert von 120 Prozent vergeben Banken "normalerweise" kaum, sagt Jörg Sahr von der Zeitschrift "Finanztest". Wulff lässt bestreiten, dass ihm damit ein Vorteil gewährt wurde – das Haus sei schließlich nach dem Kauf umfangreich saniert worden und jetzt deutlich mehr wert.

Warum war Geerkens so großzügig?

Sicher ist: Christian Wulff und seine Frau hatten einen nicht unerheblichen finanziellen Vorteil. Die Frankfurter FMH-Finanzberatung hat die damaligen Kreditkonditionen privater Banken gespeichert – sie wären für Wulff deutlich teurer gekommen. Die renommierte Münchner Hyp zum Beispiel hätte zum Stichtag 20. Oktober 2008 bei fünf Jahren Laufzeit und – vergleichsweise restriktiveren – 100 Prozent Beleihungswert damals 5,32 Prozent Zinsen verlangt. Pro Jahr hätten die Wulffs so dank Geerkens Zinskosten von 6600 Euro gespart und über die geplante Gesamtdauer des Kreditvertrages sogar 33.000 Euro.

Warum zeigte sich die Unternehmergattin so großzügig? Die Zinsen, so die Antwort von Edith Geerkens, "entsprachen den zu erwartenden Zinsen einer Bankanlage", wobei zu berücksichtigen sei, dass damals in der Bankenkrise "Bankanlagen als sehr unsicher galten". Also brachte sie das Geld lieber zu Wulff, nicht zur Bank.

Warum nahm Wulff das Angebot an? Fragen von stern.de dazu hat der Präsident in den vergangenen Tagen nicht beantwortet. Kreditgeberin Geerkens verzichtete sogar darauf, ins Grundbuch eingetragen zu werden, um so das Darlehen abzusichern. Sie ließ sich nicht einmal Wulffs Grundschuldbrief notariell abtreten. Das Darlehen habe aus ihrer Sicht "keinen Bezug zum Haus der Familie Wulff" gehabt, sondern wurde "privat zur freien Verfügung gewährt", sagte sie stern.de.

Schon im Frühjahr 2009 wurde im Berliner Politikbetrieb spekuliert, wer Wulffs möglicher Darlehensgeber sei. Weil dessen Name nicht im Grundbuch zu finden war, blieb der Deal lange geheim.

Eine Verbindung mit Vergangenheit

Im Januar 2010, Wulff war noch Ministerpräsident, wurde allerdings seine Verbindung zu Geerkens erstmals öffentlich ein Thema. Der CDU-Mann hatte da über den Jahreswechsel mit der ganzen Familie nahe Miami im US-Staat Florida geurlaubt. Die Reise wuchs sich zu einer Affäre aus, denn entgegen der Bestimmungen des niedersächsischen Ministergesetzes hatten die Wulffs ein kostenloses Upgrade der Fluggesellschaft Air Berlin akzeptiert. Dabei kam auch heraus, wo in Florida sich die Familie erholt hatte: In Geerkens' Anwesen in Coral Springs.

Wulff bedauerte das Upgrade. Doch sein Verhältnis zu Geerkens spielte er herunter. Der Mann, immerhin 15 Jahre älter als er, sei "fast ein väterlicher Freund" für ihn und auch schon Freund seiner Eltern gewesen. Rein privat blieb die Beziehung offensichtlich dennoch nicht. Drei mal hatte der Ministerpräsident den umtriebigen Geschäftsmann, wie er im Januar 2010 mitteilte, auf Auslandsreisen mitgenommen; die Kosten habe Geerkens selbst getragen. Die dreifache Reiseteilnahme des ehemaligen Juweliers regte schon Anfang 2010 den damaligen SPD-Fraktionschef im Landtag, Wolfgang Jüttner, zu Nachfragen an. Warum, so fragte Jüttner, "reist ein ehemaliger Familienunternehmer, der in der Schweiz seinen Ruhestand und den Lohn seiner Arbeit genießt, als Teil einer Wirtschaftsdelegation gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten in ferne Länder?" Welchen Nutzen hatte die niedersächsische Wirtschaft dadurch?

Geerkens hatte schon seit 2007 alle geschäftlichen Aktivitäten in dem Bundesland aufgegeben, wie seine Frau stern.de bestätigte. Und weder bei Wulffs Amtsvorgängern als Ministerpräsident noch bei Nachfolger David McAllister (CDU) tauchte der Geschäftsmann als Delegationsteilnehmer auf.

"Keine geschäftlichen Beziehungen in den letzten zehn Jahren"

Edith Geerkens versichert, zwischen den Mitreisegelegenheiten bei Wulff und ihrem Darlehen gebe es keinen Zusammenhang. Von anderen Fördermaßnahmen des Landes habe Geerkens in den 30 Jahren vor dem Miami-Besuch nicht profitiert, verbreitete die Staatskanzlei in Hannover. Und, so die Staatskanzlei im Februar 2010 auf eine Anfrage der Grünen, es habe zwischen ihm und Wulff "in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen gegeben".

Trotz des damals noch bestehenden Kreditvertrages mit Geerkens’ Frau wies das Präsidialamt am Dienstag den Vorwurf der Irreführung des Landtages zurück. Wulff habe eine Anfrage der Grünen zu geschäftlichen Beziehungen zum Osnabrücker Unternehmer Egon Geerkens "korrekt beantwortet", versicherte der Sprecher der Präsidenten, Olaf Glaeseker. "Solche geschäftlichen Beziehungen bestanden und bestehen nicht. Es bestand eine Vereinbarung mit Frau Edith Geerkens zu einem Darlehen aus ihrem Privatvermögen. Dementsprechend wurde die unmissverständliche Anfrage wahrheitsgemäß verneint."

Nur einige Wochen nach der Aussage gegenüber dem Landtag am 18. Februar 2010 änderte Wulff das Darlehenskonstrukt. Er kündigte den Darlehensvertrag mit Geerkens und wechselte Mitte März 2010 zur landeseigenen baden-württembergischen BW-Bank in Stuttgart. Heute lässt er verbreiten, dass der Geerkens-Kredit ohnehin nur als Zwischenfinanzierung gedacht gewesen sei. Anfang 2010 habe es dann ja auch auf dem Kreditmarkt günstigere Zinssätze gegeben als seinerzeit mit der Unternehmergattin vereinbart.

Das Versteckspiel des Präsidenten

Freilich setzte Wulff auch nach dem Wechsel zur BW-Bank sein Versteckspiel noch eine ganze Weile fort. Als der stern erstmals im Februar dieses Jahres im Präsidialamt anfragte, wer das Haus in Großburgwedel finanziert habe, verbreitete der Politiker nur Halbwahrheiten. Die BW-Bank, so ließ Wulff erklären, "war und ist der Kreditgeber" - und erweckte damit den Eindruck, dass das Stuttgarter Institut von Anfang der Geschäftspartner gewesen sei.

Es gebe "keine Veröffentlichungspflicht" für Privatkredite, lässt der Präsident erklären. Doch nach der Debatte um seinen Air-Berlin-Flug und der Aufregung über einen – von Wulff bezahlten - Urlaubsaufenthalt im "Paradise Castle" des umstrittenen Finanzunternehmers Carsten Maschmeyer auf Mallorca im Sommer 2010 könnten Kritiker eine viel grundsätzlichere Frage stellen: Warum mangelt es Christian Wulff im Umgang mit reichen Freunden an Stil und Zurückhaltung?

Die Freundschaft zwischen Wulff und dem Ehepaar Geerkens hat unter dem gekündigten Kreditvertrag jedenfalls nicht gelitten. Beide waren in diesem Juli Gäste beim Sommerfest des Bundespräsidenten im Garten von Schloss Bellevue.

Mitarbeit Johannes Röhrig

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