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Das große Großstadt-Problem der CDU

29. November 2012, 07:25 Uhr

CDU und Metropolen? Passt irgendwie immer seltener zusammen. Die Wähler gehen stiften, und die Partei fragt sich verzweifelt: Was tun? Ein paar Antworten geben CDU-Politiker im neuen stern. Von Andreas Hoidn-Borchers

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Die Skyline Berlins - in den deutschen Großstädten hat die CDU zunehmend ein Popularitätsproblem©

Es wäre eine gute Frage für Jauchs Millionärsquiz, Kategorie 125.000 Euro: Es gibt 20 deutsche Städte mit mehr als 300.000 Einwohnern. In wie vielen davon stellt die CDU den Oberbürgermeister? A: 12? B: 9? C: 6? D: 3? Die für die Christdemokraten niederschmetternde korrekte Antwort lautet: D. 3. In Worten: DREI! Sie heißen Dresden, Düsseldorf und Wuppertal. Ja, Wuppertal! Ansonsten: Fehlanzeige.

Hamburg hat die CDU voriges Jahr verloren, dieses Jahr mussten sie die Rathäuser in Frankfurt, Duisburg und zuletzt Stuttgart räumen, wo ab Januar, besonders bitter für die CDU, ausgerechnet der äußerst bürgerliche Grüne Fritz Kuhn die Amtsgeschäfte aufnehmen wird.

Es ist ein Trend, der sich auch bei Bundestagswahlen seit langem abzeichnet: In den Großstädten ist für die CDU immer weniger zu holen; nur noch in wenigen kommt sie über 30 Prozent. Diese Entwicklung gefährdet auch Angela Merkels Wiederwahl zur Kanzlerin im kommenden Jahr – und erklärt, warum die Partei händeringend nach Wegen aus ihrer Misere in den Metropolen sucht.

Ziel: Modern statt spießig - Kreativ statt langweilig

Es ist kaum überraschend, dass Ole von Beust mit an der Spitze der Bewegung steht. Er war bis zu seinem Ausstieg aus der Politik Bürgermeister von Hamburg und weiß also, wie Großstädter ticken. Im stern kritisiert der Christdemokrat, seine Partei ziele bei Themen wie Betreuungsgeld, Verbraucherschutz, Zuwanderung und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften "an der gesellschaftlichen Wirklichkeit vorbei". "Findet die CDU keine Strategie für ihr Überleben in den Metropolen, wird sie es irgendwann auch in der Fläche sehr, sehr schwer haben", so von Beust: "Die CDU kann die Großstädte nicht kampflos aufgeben."

"Das big picture der CDU muss sein: modern statt spießig, kreativ und offen statt langweilig", fordert der Hamburger CDU-Vorsitzende Marcus Weinberg im stern. Es sei strategisch falsch, auf die grüne Wählerschaft zu zielen. Die CDU müsse "die neuen Themen besetzen. Dazu gehört zum Beispiel ein Mindestlohn." Der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer, der vor kurzem zusammen mit Weinberg ein Thesenpapier über die CDU in der Großstadt vorgelegt hat, sagte dem stern: "Die Mehrheiten liegen nicht am rechten Rand, sie liegen links von der CDU."

Nichts aufstellen, was zu sehr nach CDU riecht

Die Partei solle ihre Kraft nicht darauf verschwenden, in den grün geprägten Gegenden der Metropolen ein paar Wähler zu gewinnen, sagt der JU-Vorsitzende Philipp Mißfelder. "Wir können natürlich versuchen, am Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte von fünf auf sieben Prozent zu kommen, aber die großen Stimmenanteile holen wir woanders, beispielsweise im Hochstift Paderborn", so Mißfelder zu stern und stern.de. "Darauf sollten wir unsere Kraft konzentrieren. Wenn wir in den Hochburgen überproportional verlieren, wird's problematisch." Für die Kandidatensuche empfiehlt Mißfelder: "Alles, was zu sehr nach CDU riecht, sollten wir in den großen Städten gar nicht erst aufstellen." Figuren wie Ole von Beust müsse man auch "vorbehaltlos gegen Bedenkenträger unterstützen". Aber die CDU solle nicht versuchen, "aus einem traditionellen Parteikandidatentypen künstlich einen Großstadtpolitiker zu formen. Das geht schief."

Authentisches CDU-Personal mit Profil

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe forderte gegenüber stern und stern.de seine Partei zu mehr Offenheit auf: "Wir müssen mehr dorthin gehen, wo das Leben in der Stadt wirklich pulsiert. Dann sind wir auch erfolgreich." Er warnte jedoch davor, sich dabei zu sehr dem modernen Großstädtertum anzubiedern. "Die CDU muss aufgreifen, was die Menschen in den Städten umtreibt", so Gröhe. "Aber ich halte nichts davon, mit Anderen um den hippsten Auftritt zu wetteifern." Auch Hamburgs CDU-Chef Weinberg will bei aller Offenheit die alten Markenkerne der CDU nicht aufgeben: "Wir brauchen authentische Personen mit Profil. Dazu gehört auch ein Innensenator als Inbegriff von Gesetz und Ordnung." Denn wie formuliert es CDU-General Gröhe so schön: "Auch der trendigste Großstädter will nicht abends in der S-Bahn überfallen werden."

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