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Kanzler Serdar Somuncu? "Ich meine das ernst"

Erdogan ruft Deutschtürken zum Boykott von CDU, SPD und Grünen auf +++ Wehrbeauftagter für mehr Menschenführung und historische Bildung in der Truppe +++ Aktuelle Meldungen zur Wahl 2017

wahl 2017 Serdar Somuncu

Der Satiriker Serdar Somuncu tritt für "Die Partei" bei der Wahl 2017 an

Am 24. September 2017 findet die 19. Wahl des Deutschen Bundestages statt. Die mehr als 60 Millionen wahlberechtigten Deutschen entscheiden dann mit ihren zwei Kreuzen, wer das Land in den nächsten vier Jahren regieren soll. Auch wenn es vor der Wahl fast ausschließlich um die jeweiligen Kanzlerkandidaten der Parteien geht, haben die Wähler nur einen indirekten Einfluss darauf, wer letztlich Bundeskanzler wird - und damit auch, ob (CDU) eine vierte Amtszeit bekommt oder doch SPD-Mann Martin Schulz neuer Regierungschef wird. 

Der  hält Sie im Wahl-2017-Ticker über aktuelle News, Trends und Prognosen sowie die wichtigsten Kandidaten auf dem Laufenden:

+++ Erdogan ruft Deutschtürken dazu auf, nicht CDU, SPD oder Grüne zu wählen +++

18. August: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die türkischstämmigen Wähler in Deutschland aufgerufen, bei der anstehenden Bundestagswahl nicht für die CDU, die SPD oder die Grünen zu stimmen. Für die Spannungen mit der Türkei sei allein Deutschland verantwortlich, sagte Erdogan laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Die SPD und die CDU machten Stimmung gegen die Türkei, um Wähler zu gewinnen. "Ich rufe daher alle meine Bürger in Deutschland auf, sie niemals zu unterstützen. Weder die CDU, noch die SPD oder die Grünen. Sie sind alle Feinde der Türkei", sagte Erdogan. Die Parteien die Linke, die FDP oder die AFD, die ebenfalls der türkischen Regierung äußerst kritisch gegenüberstehen, erwähnte Erdogan nicht ausdrücklich.

In Deutschland gibt es rund 1,25 Millionen wahlberechtigte Deutsch-Türken. Studien zufolge wählen etwa zwei Drittel von ihnen zumeist die SPD, die anderen Grüne, Linke und CDU. Trotz ihrer Präferenz für die Sozialdemokraten unterstützen viele Deutsch-Türken zugleich Erdogan und seine islamisch-konservative AKP. Bei Wahlen schneidet die AKP in Deutschland regelmäßig besser ab als in der Türkei.

+++ Kanzlerkandidat Serdar Somuncu "meint es ernst" +++ 

18. August: Der "Kanzlerkandidat" der Satire-Partei "Die Partei", Serdar Somuncu (49), sieht sein politisches Engagement vor der Bundestagswahl als ernste Sache. "Ernster kann man das nicht meinen", sagte der Kabarettist dem "Tagesspiegel". "Ich glaube wirklich, dass es eine gute Idee ist, als Alternative zu Merkel und Schulz anzutreten." "Die Partei" spreche eine Schicht an, die andere nicht erreichten: "Schlaue Menschen, die sich nicht strikt an den politischen Parteien orientieren wollen, aber trotzdem ein politisches Bewusstsein haben. Das sind ja nicht alles irgendwelche albernen Vögel."

Somuncu steht auf Platz 1 der Berliner Landesliste und tritt als Direktkandidat im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg an. "Den Bezirk kenne ich nicht, und der interessiert mich nicht", sagte er dazu. "Ich plädiere dafür, dass mich die Menschen wählen, weil ich auf dem Wahlzettel stehe." Er freue sich, gibt Somuncu unumwunden zu, wenn er nach der Wahl "an Popularität und Reichtum" gewinne. "Sollte ich den Einzug in den Bundestag nicht schaffen, bin ich über alle Berge und kokse."

+++ Wehrbeauftagter für mehr Menschenführung und historische Bildung in der Truppe +++

18. August: Der Wehrbeauftragte des Bundes, Hans-Peter Bartels, hat in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" mehr Zeit für Erziehung und Dienstaufsicht in der Bundeswehr gefordert. "Wir brauchen in bestimmten Truppenteilen, gerade bei den Kampftruppen, mehr Zeit für Menschenführung", so der SPD-Politiker. Die Vorgesetzten müssten in diesen Bereichen von bürokratischen Arbeiten entlastet werden. Bartels weiter: "Die Vorgesetzten brauchen mehr Zeit für das Wesentliche. Dann können sie die Soldaten auch besser historisch und politisch bilden und gegen falsche Nazi-Vorbilder immunisieren. So ist Innere Führung gemeint." Besonderes Augenmerk erforderten Truppenteile, die sich auf extreme Bedingungen im Einsatz vorbereiten und wo es "um Härte und Kampf" gehe. 

+++ Interaktive Grafik: Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre? +++



+++ Martin Schulz wirft Angela Merkel doppeltes Spiel vor +++

17. August: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeworfen, im Bundestagswahlkampf insgeheim ganz anders zu agieren, als sie sich nach außen präsentiert. Einerseits versuche die CDU-Chefin, sich der direkten Auseinandersetzung zu entziehen. "Gleichzeitig schickt sie die Holzer aus ihrer Partei auf den Platz, die anderen kräftig in die Knochen treten", sagte Schulz der "Frankfurter Rundschau".

Die forderten, Sozialausgaben zu kürzen, um die Aufrüstung der Bundeswehr zu finanzieren, oder die Rente mit 70. "Und Frau Merkel tut so, als habe sie nie etwas damit zu tun", klagte Schulz. "Merkel versucht immer einen sehr mittigen Eindruck zu machen, aber am Ende steht sie für eine sehr konservative Politik."

+++ Ausschuss empfiehlt Aufhebung von Frauke Petrys Immunität +++

17. August: Wenige Wochen vor der Bundestagswahl soll die Abgeordneten-Immunität der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry aufgehoben werden. Das hat der Immunitätsausschuss des Sächsischen Landtags einstimmig dem Parlament empfohlen. Seine Mitglieder stimmten am Donnerstag einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft Dresden zu. Wenn kein Widerspruch seitens der Abgeordneten erfolgt, gilt die Aufhebung der Immunität in einer Woche als beschlossen.

Damit wäre der Weg frei, Anklage wegen des Verdachts des Meineides oder fahrlässigen Falscheides zu erheben. 

+++ CDU, FDP und Gründe wollen nach der Wahl 2017 nicht warten +++

17. August: Nach der Bundestagswahl am 24. September wollen CDU, FDP und Grüne anders als die SPD mit Gesprächen zur Regierungsbildung nicht bis zur vorgezogenen Landtagswahl in Niedersachsen im Oktober warten. Den Wählern sei kaum zu vermitteln, "wenn in Berlin in der Zeit des niedersächsischen Wahlkampfs nicht gearbeitet wird", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Grosse-Brömer (CDU), der "Rheinischen Post" vom Donnerstag.

Er wandte sich damit gegen SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann. Dieser hatte angekündigt, dass es nach der Bundestagswahl bis zur niedersächsischen Landtagswahl drei Wochen später "keine Koalitionsverhandlungen oder Sondierungen" geben werde. Grosse-Brömer sagte dazu, diese Ankündigung zeige das Motto der Sozialdemokraten: "Erst kommen die Parteiinteressen, dann die Interessen der Menschen und des Landes."

Auch Grüne und FDP wandten sich dagegen, mit Gesprächen bis zur Landtagswahl zu warten. "Drei Wochen verordnete Gesprächspause von der Bundestagswahl bis zum 15. Oktober halte ich für Unfug und unverantwortlich den Wählern gegenüber", sagte der politische Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, der "Rheinischen Post". FDP-Chef Christian Lindner hob hervor, die Liberalen sähen die Wahlen im Bund und in Niedersachsen "unabhängig voneinander".

In Niedersachsen kommt es zu vorgezogenen Wahlen, weil eine Abgeordnete von den Grünen zur CDU gewechselt war und die rot-grüne Koalition unter Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) damit ihre Mehrheit verlor. Eigentlich hätten die Wahlen zum Landtag in Hannover im Januar stattfinden sollen.

+++ Wahltrend: Union rutscht wieder unter 40 Prozent +++

16. August: Rund sechs Wochen vor der Bundestagswahl 2017 ist im stern-RTL-Wahltrend der Anteil jener, die nicht wählen wollen oder noch unentschlossen sind, ob sie sich beteiligen werden oder nicht, auf jetzt 26 Prozent gestiegen – zwei Punkte mehr als noch in der Vorwoche. Das ist der höchste Wert seit Ende Januar, als Martin Schulz als SPD-Kanzlerkandidat nominiert wurde und ein Mobilisierungsschub bei fast allen Parteien eingesetzt hatte. Bei der Wahl 2013 betrug der Nichtwähler-Anteil 28,5 Prozent.

Die Union aus CDU und CSU büßt einen Punkt ein auf nun 39 Prozent, während die FDP im Vergleich zur Vorwoche wieder um einen Punkt zulegt auf 8 Prozent. 

+++ Martin Schulz bekommt Lob von der Opposition +++ 

16. August: Die Linke und die Grünen haben den Plan von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz begrüßt, die Themen Migration und Integration nacht der Bundestagswahl nicht mehr im Innenministerium anzusiedeln. "Es ist richtig, dass "Integration und Migration" dem Bundesinnenministerium entzogen werden sollten", sagte Linke-Chefin Katja Kipping der Deutschen Presse-Agentur. Ihre Partei sei für ein eigenes Ministerium für diesen Bereich oder eine "prominente Ansiedelung" im Sozialministerium. Das Innenministerium ist für die innere Sicherheit in Deutschland zuständig.

Auch Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir lobte den Vorstoß. "Martin Schulz erklärt zurecht, dass wir die Integrationspolitik nicht mit sicherheitspolitischen Fragen vermengen dürfen", sagte er der dpa. "Integration ist und bleibt eine Jahrhundertaufgabe." Er sei deswegen für ein eigenes Ministerium, das über gesetzgeberische Kompetenz, genügend Haushaltsmittel und Personal verfüge.

+++ App "WahlSwiper" will bei der Enscheidung zur Wahl 2017 helfen +++

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Der "Wahlswiper" will dem "Wahl-O-Mat" Konkurrenz machen und bei der Entscheidungsfindung zur Wahl 2017 helfen

15. August: Der "Wahl-O-Mat" der Bundeszentrale für politische Bildung ist zur Wahl 2017 noch nicht veröffentlicht worden. Dafür gibt es für Android und iOS eine App, die bei der Entscheidungsfindung in der Wahlkabine helfen soll.

>> Wie der "WahlSwiper" genau funktioniert, lesen Sie hier <<

+++ SPD für die Einführung von Familiengeld +++

15. August: Die SPD drängt auf die Einführung eines Familiengeldes für junge Eltern, die arbeiten gehen. Wenn Mutter und Vater jeweils "vollzeitnah" arbeiten und es dadurch Einnahmeausfälle gebe, solle der Staat 300 Euro Unterstützung leisten, sagte Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) am Dienstag dem SWR. Wenn Frauen eine gewisse Zeit nach der Geburt wieder mehr arbeiten wollten, sei das oft schwierig, weil sie häufig weniger verdienen als die Männer. "Es geht darum, dass diese klassischen Modelle mal hinterfragt werden", sagte Barley.

Auch für die Arbeitgeber sei es besser, wenn Mitarbeiter nicht auf Dauer ausfallen oder wenn sie nur wenig reduzieren, "wenn man eben in diesem vollzeitnahen Bereich ist", fügte Barley hinzu. Außerdem müsse beachtet werden, dass Familie auch Kompetenzen mit sich bringe, fügte Barley hinzu. Mütter, die in Teilzeit zurückkommen, schafften "in einem halben Tag oft viel mehr als andere in einem dreiviertel oder manchmal auch in einem ganzen Tag". Sie hätten gelernt, sich zu organisieren, Schwerpunkte zu setzen und sich zu konzentrieren.

+++ Ab dieser Woche kann bereits gewählt werden +++

Wahl 2017 Briefwahl

Ab dieser Woche beginnt die Bundestagswahl 2017 - wenn die ersten Wähler ihre Stimmen per Brief abgeben

14. August: Bis zur Bundestagswahl sind es noch rund sechs Wochen hin, trotzdem können Wahlberechtigte bereits von dieser Woche an ihre Stimme abgeben - per Brief. Wer möchte, kann sich dafür im Internet oder bei einer Wahldienststelle zur Briefwahl anmelden. In der vergangenen Woche hatte der Bundeswahlleiter die Listen für die Wahl geschlossen, nun werden die Wahlunterlagen gedruckt und versandt. Wann sie in die Post gehen, ist je nach Kommune unterschiedlich. Hamburg hat beispielsweise angekündigt, frühestens am Dienstag, 15. August, mit dem Versand zu beginnen, Berlin verschickt die Umschläge bereits ab diesem Montag. Wenn die Wahlberechtigten persönlich die Briefwahlunterlagen abholen, können sie ihre Stimme auch direkt an der örtlichen Briefwahlstelle abgeben.

Der Anteil der Briefwähler bei der Bundestagswahl ist seit der Einführung im Jahr 1957 unterm Strich stetig angestiegen. Gaben vor 60 Jahren noch 4,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme postalisch ab, waren es 2013 bereits 24,3 Prozent, also rund ein Viertel. Damit beginnt auch für die Parteien die heiße Phase des Wahlkampfs nicht erst unmittelbar vor dem Wahlsonntag, sondern bereits jetzt. 

Mehr Informationen über den Ablauf der Briefwahl gibt es auf der Webseite des Bundeswahlleiters 

+++ Die Linke kritisiert von der Leyen für Bundeswehr-Umgang mit NS-Namen +++

14. August: Die Linke im Bundestag hat Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vorgeworfen, die Umbenennung von Kasernen mit historisch belasteten Namen nur halbherzig zu betreiben. Die Abgeordnete Ulla Jelpke sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Die Ankündigung, sämtliche Kasernennamen, die einen Bezug zur Nazi-Wehrmacht haben, auf den Prüfstand zu stellen, erweist sich als gelogen."

An sechs Standorten werde gar nicht über historisch belastete Namensgeber gesprochen. Jelpke berief sich dem Bericht zufolge dabei auf aktuelle Zahlen, die ihr das Bundesverteidigungsministerium auf Anfrage mitgeteilt hatte. Demnach wird oder wurde an zwölf Standorten eine Diskussion über den Namensgeber der jeweiligen Kaserne geführt. Bei sieben Kasernen laufe die Debatte noch.

In vier weiteren Fällen sprachen sich den Angaben zufolge die Beteiligten gegen eine Umbenennung aus, darunter die Rommel-Kasernen in Dornstadt und Augustdorf. Jelpke zufolge gibt es darüber hinaus sechs Kasernen mit Wehrmacht-Namensgebern, die sich der Debatte ganz verschließen. Das Ministerium hingegen betont dem Bericht zufolge in seiner Antwort an Jelpke, die Bundeswehr pflege "keine Tradition zu vorherigen deutschen Streitkräften im Allgemeinen und schon gar nicht zur Wehrmacht im Besonderen". Der Umgang der Bundeswehr mit der NS-Vergangenheit wird auch im Traditionserlass geregelt, den von der Leyen überarbeiten lassen möchte. 

+++ Jens Spahn und Daniel Günther werben für Jamaika-Koalition +++

14. August: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sieht die Jamaika-Koalition in seinem Land als Modell auch für den Bund. Die Zeiten der Blockbildungen in Deutschland seien vorbei, deshalb sei die Union "nicht mehr gefangen in der großen Koalition", sagte Günther der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". Die Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP sei "in der Verbindung von Ökologie und Ökonomie ein spannendes Zukunftsprojekt".

Auch CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn sprach sich für ein Jamaika-Bündnis nach der Bundestagswahl im September aus. "Wenn es rechnerisch diese Mehrheit gibt, sollte sie genutzt werden", sagte Spahn der Zeitung. Eines der zentralen Vorhaben einer Jamaika-Koalition sollte das Einwanderungsrecht sein: "Das wäre ein spannendes Projekt für Jamaika, denn es könnte eine der großen gesellschaftlichen Konflikte endlich befrieden."
Eine Jamaika-Koalition auf Landesebene gibt es derzeit nur in Schleswig-Holstein. Auch im Saarland hatte es ein solches Dreierbündnis vorübergehend gegeben.


+++ AfD erstreitet sich Saal für Wahlkampfveranstaltung +++ 

11. August: Juristischer Erfolg für die AfD: Der Kreisverband Düsseldorf darf seine Auftaktveranstaltung zum Bundestagswahlkampf mit Spitzenkandidatin Alice Weidel nun doch am Sonntag im Henkel-Saal in der Düsseldorfer Altstadt durchführen. Das entschied das Amtsgericht Düsseldorf am Freitag, wie "RP Online" berichtet.

Die Betreiber des Saals waren zuvor mit Verweis auf Sicherheitsbedenken von einem geschlossenen Vertrag zurückgetreten. Dagegen zog die AfD vor Gericht. Dieses gab der Partei Recht: Laut Gericht bestehe derzeit keine relevante Bedrohung der Sicherheitslage. Der unterlegene Betreiber kündigte indes an, sich der Entscheidung zu beugen und die Einnahmen aus der Veranstaltung an die Flüchtlingshilfe zu spenden, heißt es im Bericht.

+++ Politik nimmt laut Umfrage zu viel Rücksicht auf Auto-Industrie +++

11. August: Nach dem Diesel-Gipfel vergangene Woche ist eine Mehrheit der Deutschen der Ansicht, dass die Politik zu große Rücksicht auf die Interessen der deutschen Automobilindustrie nimmt. In dem am Freitag veröffentlichten ZDF-"Politbarometer" sagten dies 70 Prozent, lediglich elf Prozent vertraten die gegenteilige Meinung. Fahrverbote für Diesel-Pkw, die nicht die neueste Abgasnorm haben, lehnt eine knappe Mehrheit von 53 Prozent ab. 43 Prozent der Befragten hingegen sprachen sich für Fahrverbote in einzelnen Städten aus, wenn dort die zulässigen Grenzwerte überschritten werden. Für das "Politbarometer" befragte die Forschungsgruppe Wahlen von Dienstag bis Donnerstag 1352 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte am Telefon.

Auf dem Diesel-Gipfel hatten die Autohersteller zugesagt, insgesamt fünf Millionen Diesel-Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 5 und 6 mit einem Software-Update nachzurüsten, um die Abgase dieser Autos zu senken. Für ältere Diesel-Pkw bieten mittlerweile fast alle Hersteller Umstiegsprämien, wenn die Besitzer das Auto verschrotten lassen und sich einen Neuwagen kaufen. Ziel des Treffens von Bund und Ländern mit der Industrie war die Vermeidung von Diesel-Fahrverboten. Umwelt- und Verbraucherverbände zeigten sich nach dem Gipfel enttäuscht von den Ergebnissen. 

+++ Grünen-Chefin: Politiker sollten erst nach drei Jahren in die Wirtschaft wechseln sollen +++

11. August: Grünen-Chefin Simone Peter hat eine Verlängerung der Karenzzeit für Spitzenpolitiker von einem auf drei Jahre gefordert, wenn diese auf Managementposten in der Wirtschaft wechseln wollen. "Wir stellen in Deutschland eine unerträgliche Verfilzung zwischen Politik und Wirtschaft fest", sagte Peter der Zeitung "Rheinische Post" vom Freitag.

Nach dem derzeit geltenden Karenzzeitgesetz müssen Minister und Staatssekretäre des Bundes die Regierung informieren, wenn sie innerhalb von 18 Monaten nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt in die Wirtschaft wechseln wollen. Bei Interessenkonflikten kann der Wechsel für zwölf bis maximal 18 Monate untersagt werden.

+++ Seehofer: Abschiebung von Flüchtlingen fast unmöglich +++

11. August: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat vor zu hohen Erwartungen bei der Abschiebung abgelehnter Asylbewerber gewarnt. Es sei "fast unmöglich, die Migranten wieder zurückzuführen, wenn sie einmal im Land sind", sagte der CSU-Vorsitzende dem Magazin "Focus". "In der Frage der Abschiebung herrscht in Deutschland eine große Illusion."

Es gebe massenhaft Klagen vor Gericht gegen die Abschiebungen. In den meisten Fällen fehlten Papiere, und ohne Papiere nehme das Herkunftsland die Leute nicht zurück. In anderen Fällen lägen gesundheitliche Atteste vor, sagte Seehofer. "Wieder andere haben hier Wurzeln geschlagen und einen Schutzpatron, der sich für ihren Verbleib im Lande einsetzt. Das ist die Realität der Bundesrepublik 2017."

Künftig müsse daher schon an den EU-Außengrenzen entschieden werden, wer überhaupt einreisen dürfe. "Das ist viel christlicher und humaner, als die Menschen in ganz Europa herumzufahren und ihnen am Ende zu sagen: Ihr dürft nicht bleiben", sagte der CSU-Vorsitzende. 

+++ Deutsche sehen in Fake-News Gefahr für die Demokratie +++

10. August: Fast jeder zweite Erwachsene in Deutschland (48 Prozent) sieht in "Fake News" eine ernsthafte Bedrohung für die Demokratie. Gleichzeitig sind aber auch mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland der Meinung, dass solche gefälschten Nachrichten kein neues Phänomen seien, wie eine repräsentative Yougov-Umfrage ergab. Falschmeldungen habe es immer schon gegeben, sagten 54 Prozent der Befragten. 38 Prozent der Befragten halten es für sehr wahrscheinlich, dass "Fake News" im Bundestagswahlkampf eine große Rolle spielen werden.

Den Medien vertrauen die Menschen in Deutschland nur eingeschränkt. Nur rund 35 Prozent fühlen sich von den Medien "korrekt und umfassend über das politische Geschehen in Deutschland informiert". 28 Prozent gaben an, dass sie den öffentlich-rechtlichen Medien vertrauen - ein Wert deutlich niedriger als der von beispielsweise dem Bundesverfassungsgericht oder der Polizei. Den privaten Medien vertrauen laut Umfrage sogar nur elf Prozent. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" über die Yougov-Umfrage berichtet.

+++ Peter Tauber: SPD braucht ein paar Jahre in der Opposition +++

10. August: CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat sich gegen eine Fortsetzung der großen Koalition nach der Wahl ausgesprochen. Angesichts des aktuellen Auftretens mancher Sozialdemokraten "scheint mir die SPD so ausgebrannt, dass sie dringend ein paar Jahre in der Opposition braucht", sagte Tauber der "Volksstimme" aus Magdeburg (Donnerstagsausgabe). Einen Wunschpartner für eine Koalition nannte Tauber nicht.

In Nordrhein-Westfalen regiere die CDU mit der FDP, in Hessen mit den Grünen und in Schleswig-Holstein mit beiden Parteien. "Sie sehen, das kann alles funktionieren, wenn die CDU die Regierung führt und den Kurs bestimmt", sagte der CDU-Generalsekretär. "Wenn wir das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler erhalten, werden wir schauen, mit wem wir möglichst viel vom CDU-Programm umsetzten können." Auf die Frage nach einem möglichen Bündnis mit der FDP fügte Tauber hinzu, es gebe "auch viele Punkte, die schwierig sind - beispielsweise bei der inneren Sicherheit".

+++ 42 Parteien nehmen an der Bundestagswahl 2017 teil +++

8. August: An der Bundestagswahl am 24. September nehmen 42 Parteien teil. Dies teilte der Bundeswahlleiter am Dienstag in Wiesbaden mit. 34 Parteien beteiligen sich mit Landeslisten, acht weitere nur mit Kandidaten in einzelnen Wahlkreisen.

Eigentlich zugelassen zu der Wahl waren sogar 48 Parteien. Sechs davon treten jedoch weder mit Landeslisten noch mit Wahlkreiskandidaten an. Dazu zählen die Deutsche Zentrumspartei und die Republikaner.

rös/jek/mod/fri/DPA/AFP

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