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Linke schickt Beate Klarsfeld ins Rennen

Die Entscheidung ist gefallen: Die Linkspartei will die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld für das Bundespräsidentenamt vorschlagen. Die Deutsch-Französin soll gegen Joachim Gauck antreten.

  Beate Klarsfeld ist die Kandidatin der Linken für das Bundespräsidentenamt

Beate Klarsfeld ist die Kandidatin der Linken für das Bundespräsidentenamt

Die Linke-Spitze will die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld bei der Bundespräsidentenwahl gegen Joachim Gauck antreten lassen. Der geschäftsführende Parteivorstand nominierte die 73-Jährige am Montag einstimmig, sagte Parteichefin Gesine Lötzsch vor Journalisten in Berlin. Einzige weitere potenzielle Kandidatin war zuletzt die Bundestagsabgeordnete Luc Jochimsen.

Der Kölner Politik-Professor Christoph Butterwegge hatte am Sonntagabend mit der Begründung abgesagt, er wolle nicht gegen zwei so honorige Persönlichkeiten in eine Kampfabstimmung gehen. Dies wurde von Parteichef Klaus Ernst bedauert. "Wir nehmen die Entscheidung von Christoph Butterwegge mit großem Respekt und Bedauern zur Kenntnis", schrieb er im Internet-Netzwerk Facebook.

Die frühere Fernsehjournalistin Jochimsen war bereits 2010 Kandidatin der Linken bei der Bundespräsidentenwahl. Die 75-Jährige war bei der jetzigen Kandidatensuche überraschend erneut in die Endauswahl gekommen. Sie hatte sich zuvor für einen Boykott der Bundesversammlung ausgesprochen, weil die Linke aus der Suche nach einem Konsenskandidaten ausgeschlossen wurde.

Beate Klarsfeld hat ihre Nominierung mit Begeisterung aufgenommen. "Mir wurde gerade berichtet, dass die Nominierung einstimmig war; das ist wunderbar, das war mir sehr wichtig", sagte die 73-Jährige in Paris. Sie sprach gegenüber der DPA von einer "großen Befriedigung", dass diese Einstimmigkeit trotz ihrer offenen Solidarität mit Israel und der Unterstützung ihres Sohnes für den konservativen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zustande gekommen sei. "Ich hoffe, dass ich jetzt auch bei der CDU und der CSU einige Stimmen bekommen kann", sagte sie.

Mit Hinweis auf ihre nicht unumstrittene Israel-Solidarität bei der Linken meinte sie: "Die respektieren auch meine Arbeit, die ich schon seit Jahren geleistet habe: eine Brücke zwischen dem deutschen und jüdischen Volk zu bauen." Eine Kommunikationsexpertin der Linken sei gerade in Paris eingetroffen: "Ich werde nun nach Berlin müssen, ich werde jetzt ein bisschen herumreisen."

Die SPD hat die Entscheidung der Linken unterdessen kritisiert. "Offensichtlich hat die Linkspartei nicht die Kraft gefunden, über ihren Schatten zu springen und mit einer Unterstützung von Joachim Gauck ihre Fehler aus 2010 zu korrigieren", sagte Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann in Berlin. "Ohne die Linkspartei wäre Christian Wulff nie Bundespräsident geworden", sagte er und spielte damit darauf an, dass es mit den Stimmen der Partei schon damals für Gauck gereicht hätte. "Ich bin mir aber sicher, dass Gauck auch ohne die Unterstützung der Linkspartei ein guter und von allen Deutschen unterstützter Präsident werden wird."

Ramelow rät zu Abstimmungsboykott

Thüringens Linksfraktionsvorsitzender Bodo Ramelow hat seiner Partei derweil zu einem Kandidaten-Verzicht geraten. Am Donnerstag noch wäre es richtig gewesen, die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld aufzustellen, sagte Ramelow der "Mitteldeutschen Zeitung" für ihre Online-Ausgabe. Das hätte parallel zur Gedenkstunde für die Opfer des rechtsextremistischen Terrors das richtige Signal sein können. Doch der Zeitpunkt sei verpasst worden.

Nun müsste die Partei respektablen Kandidaten einen Korb geben, wenn sie sich für einen Kandidaten entscheide, sagte Ramelow. "Wenn ich zu entscheiden hätte, dann würde ich sagen, wir nehmen an der Abstimmung nicht teil und versammeln uns stattdessen vor dem Reichstag."

Von Merkel ausgeschlossen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die Linke von der Suche nach einem Konsens-Kandidaten ausgeschlossen. Daraufhin hatte sich die Partei in der vergangenen Woche entschieden, einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken. In einer Spitzenrunde am vergangenen Donnerstag hatte sie sich aber noch nicht auf einen Vorschlag einigen können.

Die 73-Jährige Klarsfeld war von Parteichefin Gesine Lötzsch ins Gespräch gebracht worden. Berühmt wurde die in Paris lebende Deutsch-Französin durch eine Ohrfeige. 1968 schlug sie Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger auf einem CDU-Parteitag wegen seiner NSDAP-Vergangenheit ins Gesicht und beschimpfte ihn als Nazi. Später bemühte sie sich zusammen mit ihrem Mann Serge Klarsfeld um die Auslieferung von Nazi-Verbrechern wie den ehemaligen Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie.

mlr/DPA/AFP/DPA
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