. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
28. Januar 2008, 06:53 Uhr

Kochen mit 0,1 Prozent

Kaum hatte der Wahlleiter bestätigt, dass die CDU mit 0,1 Prozentpunkten Vorsprung stärkste Kraft bleibt, jubelten sich die Konservativen im Fraktionssaal die Kehlköpfe wund. Das ändert indes nicht die politische Diagnose: Roland Koch wird in die Geschichte eingehen - als bester Wahlkampfhelfer der SPD. Von Lutz Kinkel, Wiesbaden

Das Eregbnis traf Roland Koch sichtlich unvorbereitet© Michael Dalder/Reuters

23 Uhr 20. Gedränge im Keller des Wiesbadener Landtags, die Kameraleute lassen ihre Scheinwerfer aufblitzen. Vorne ein Pult, der Landeswahlleiter soll in wenigen Minuten das amtliche Endergebnis verkünden. An den Wänden flimmern Wahlsendungen über die Flatscreens. Eine letzte Hochrechnung: Die CDU liegt mit 0,1 Prozentpunkten vor der SPD. Ungläubiges Staunen. "Das rettet seinen Arsch", raunt ein Journalist.

Der Wahlleiter tritt ans Pult. Er wolle, um die Neugier zu befriedigen, zunächst zwei Dinge sagen. Erstens: Die hessische CDU bleibe die stärkste Kraft. Zweitens: Die Linkspartei habe den Sprung in den Landtag geschafft. Ein Blick auf die Flatscreens. Live-Schaltung in den Fraktionssaal der CDU, sechs Stockwerke über dem Keller. Jubel, Lachen, Biergläser. Die blauweißen Schilder, die stundenlang unbeachtet in der Ecke lagen, tanzen wieder durch die Luft. "Starkes Hessen. Roland Koch" steht darauf. Oder: "Roland Koch. Wer sonst." Welch eine perfide Wendung. Was für ein lächerlicher, kleiner Triumph.

Brutalstmöglicher Populismus

Roland Koch hatte einen Wahlkampf geführt, der das ganze Land emotional auseinander riss. Er operierte mit Ressentiments gegen Ausländer. Mit dem Schreckgespenst einer kommunistisch inspirierten Rotfront im Landtag. Er scheute auch nicht davor zurück, beides miteinander zu verquirlen: Auf seinen Plakate warnte er vor "Ypsilanti, Al-Wazir und Kommunisten", vor einer fremdartigen, anti-bürgerlichen Unterwanderung. Das war selbst der Bundes-CDU zuviel. Die Parteivorsitzende Angela Merkel stellte sich zwar offiziell hinter Kochs Vorschläge zur Bekämpfung der Ausländerkriminalität. Aber sie vermied tunlichst jede Zuspitzung. CDU-Ministerpräsident Christian Wulff, der parallel in Niedersachsen wahlkämpfte, ließ sich erst gar nicht in Kochs Niederungen herab.

Die Meinungsforscher prophezeiten Koch, dass ihm die Kampagne auf die Füße fallen werde. Denn er hatte die Fachleute und die öffentliche Meinung gegen sich. Kochs Strategie war zu durchsichtig, er selbst zu unglaubwürdig. Die Zeitungen hielten ihm die Versäumnisse seiner eigenen Amtszeit vor: deutlicher Anstieg der Gewaltkriminalität in Hessen, weggekürzte Planstellen bei Polizei und Gerichten, lange Verfahrensdauer bei Gewaltdelikten, zu wenig Plätze im Strafvollzug. Koch galt rasch als skrupelloser Kampagnero.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (10 von 47)
 
ganzbaf (28.01.2008, 23:30 Uhr)
Die Gefahr durch Links...

besteht darin, dass Artikel 14/15 Grundgesetz vielleicht mal ernst genommen und als probates Werkzeug gegen die grassierende Ungleichverteilung begriffen wird... ;-D
aeternitas (28.01.2008, 23:21 Uhr)
Ich warte immer noch
auf die krassen linksradikalen Forderungen der Linken. Wenn sie so radikal sind wie viele hier sagen, dann muss es doch dafür einen Beleg geben!
Oder ist es radikal, dass:
- Die Menschen für ihre Arbeit ANSTÄNDIG bezahlt werden
- Die Unternehmenssteuer wieder rauf gesetzt wird? Wenn es stimmt, dass eine niedrigere Unternehmenssteuer mehr Arbeitsplätze schafft, wo sind sie denn??? Die Unternehmenssteuer wurde in den letzten Jahren GESENKT, passiert ist NICHTS.
- Die Studiengebühren abgeschafft werden.
- Die Reichen mehr besteuert werden, oder zumindest so, wie im europäischen Durchschnitt unserer Nachbarländer
- Dass ältere Arbeitslose länger ALG bekommen?
Ich warte... nennt mir doch bitte endlich ein paar richtig radikale Sachen, für die die Linke steht. Ex-SED lasse ich nicht durchgehen, da die in fast jeder Partei zu finden sind. Die Partei distanziert sich ausdrücklich von den Verbrechen der DDR. Mehrfach sogar schon vorgekommen.
Also klärt mich auf. Ich will es wissen. Worin besteht die Gefahr der Linken?
erichmonika (28.01.2008, 20:53 Uhr)
Großer Unfug
"Leider kommt auch ein Koch nicht gegen die deutsche linke Medienlandschaft an. Schade er hat sich getraut ein Problem anzusprechen das existiert und ist dafür brutal abgestraft worden." Herr Koch hat sich nicht "getraut" ein Problem anzusprechen, sondern er hat den schrecklichen Vorfall in München ausgenutzt, um gegen Ausländer Stimmung zu machen und damit bei unbedarften Wählern Stimmen zu bekommen. Das ist ihm diesmal wohl nicht so gut gelungen. Aber wer weiß, vielleicht hätte er sonst noch weniger Stimmen erhalten. Im Übrigen: Die Bildzeitung und auchdie anderen Springerpresse haben Herrn Koch massiv unterstützt und fast jeden Tag eine neue Storry zu dem Thema gebracht. Ekelehaft.
Benkku (28.01.2008, 15:32 Uhr)
So wird's jetzt versucht.
Und schon tönt die Multikulti-Connection, das Thema "verfehlte Einwanderungspolitik" gehöre ab sofort der Vergangenheit an, und wir Deutschen sollten "stolz" darauf sein (Seltsam, daß die Deutschen einmal stolz sein dürfen.) Stolz nämlich darauf, daß sie ziemlich beschissen dran sind, die Zeche bezahlen zu müssen. Das sieht den Verursachern ähnlich. Dreist ist's! Es müßte anders lauten: Weitere Verschleppung verschlimmert die Spannung auf unerträgliche Weise. CDU-Fraktions-Vizevorsitzender Bosbach hat sich entsprechend geäußert, Das Thema wird mitnichten unter den Teppich gekehrt.
ramteid (28.01.2008, 14:54 Uhr)
Nicht nachvollziehbar!
Ob nun CDU oder SPD ist sicher aus Sicht dren Wähler nicht egal, aber das eigentlich erschreckende an der Wahl ist, dass die Grünen, trotz Verlusten, wieder dabei sind. Wie naiv sind deren Wähler? Sie müssten auf Grund dessen, ale Mehrkosten die durch diese Partei eingeführt wurden selber tragen. Nur die allerdümmsten Kälber, wählen ihren Henker selber.
ailenrog (28.01.2008, 14:10 Uhr)
Es gibt eindeutig einen Linksruck in Hessen...
- und das ist gut so! Ich kann das Gejaule über "Kommunisten" etc. pp nicht nachvollziehen. Hätte man vor Jahr und Tag nicht die ganzen K-Gruppen und -Parteien verboten, wären die heute noch total zersplittert und die Bourgeoisie müsste nicht um ihre Pfründe zittern. Aber nein, man musste alles Linke verbieten, aber die Rechten durften fein weiter marschieren und agitieren. Selbst dran doof! :-P
Die Grünen waren anfangs auch als Schmuddelkinder verschrieen und keiner wollte mit ihnen. Um was wollen wir wetten, dass die Linke in ein paar Jahren salonfähig ist?
endbenutzer (28.01.2008, 12:26 Uhr)
Ein Schelm...
...wer böses dabei denkt: "...Bei der hessischen Landtagswahl ist es nach Beobachtungen des Chaos Computer Clubs (CCC) zu Problemen und Unregelmäßigkeiten mit Wahlcomputern gekommen. In mindestens einer Gemeinde seien die Computer über Nacht in den Privatwohnungen von Parteimitgliedern gelagert worden, erklärte der CCC..."
Auf der Homepage des CCC ist sogar zu lesen, dass ältere Menschen Probleme im Umgang mit den Wahlomputern hatten und deshab "Hilfestellung" erhielten...
ganzbaf (28.01.2008, 12:09 Uhr)
@inselkarl
Wir bräuchten weder "Persönlichkeiten" noch "Parteisoldaten" noch "Wirrköpfe" in der Politik und auch kein "Mehrheitswahlrecht" (+0,1%, wau!;-)). Wenn, ja, WENN wir eine löbliche VOLKSABSTIMMUNGS-DEMORATIE hätten!
.
Diese gilt es anzustreben. Schnelle, klare Mehrheiten, die von der Bevölkerungsmehrheit getragen und unterstütz werden!
Das ist Zukunft, liebe Freundinnen und Freunde!... :-D
.
sachsenwini (28.01.2008, 12:09 Uhr)
@ Hard-Boiled … Nicht, dass Koch gegen die Jugendkriminalität vorgehen wollte,

hat ihn Stimmen gekostet, die Wähler haben vielmehr gemerkt, dass er maßlos übertreibt und es selbst damit nie ernst meinte.
Roland Koch hat in seinen Regierungsjahren seit 1999 gerade das Gegenteil getan, wogegen er im Wahlkampf zu Felde gezogen ist.
Er kürzte Gelder für die Prävention und für die Aufklärung von Straftaten, unter seiner Regie wurden Jugendhäuser geschlossen und Polizisten entlassen. So etwas merkt sich der Wähler.
R.B. (28.01.2008, 12:01 Uhr)
Sie Reden sich noch die Niederlagen schön, das ist Politik
Am 1.10.07 war unser Roland noch bei fast 44%, dann, nach Einführung des Nichtraucherschutzgesetzes ging es nur noch Bergab, verdientermaßen.Bin selbst Gastwirt und spüre die folgen dieses Gesetzes am eigenen Umsatz.
Und mit seiner rechten Polemik hat er sich endgültig den Rest gegeben. Politik am Bürger vorbei, Herr Koch, zahlt sich nicht in Wählerstimmen aus. Sie sagen doch immer, dass Sie das Ohr beim Bürger haben, sie sollten auch mal zuhören was das Volk zu sagen hat. Es ist nicht so dumm, wie Sie es gern hätten.
Ich hoffe dass Sie in Zukunft die Zeit haben fürs Volk, wenn Sie sich wieder hinten anstellen müssen. Versuchen Sie´s mal mit einer feinen Zigarre, aber nicht erwischen lassen...
Siehe Helmut und Loki.
MEHR ZUM ARTIKEL
Landtagswahl in Hessen Koch kriecht an Ypsilanti vorbei

Roland Kochs CDU hat die SPD Andrea Ypsilantis doch noch denkbar knapp geschlagen. Aber was nun? Große Koalition? Ampel? Jamaika? Oder gar: Rot-Rot-Grün? Weil die Linkspartei den Einzug in den Landtag geschafft hat, sind allerlei bunte Koalitionen denkbar - jede wird jedoch von mindestens einem möglichen Partner ausgeschlossen. mehr...

Wahlabend in Wiesbaden "So sehen Loser aus"

Der Wiesbadener Landtag ist im Belagerungszustand: 800 Journalisten haben sich akkreditieren lassen, denn die Wahl könnte die alte CDU-Welt auf den Kopf stellen. stern.de hat den Einschlag der ersten Prognosen beobachtet. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe