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Ahnungslos auf allen Feldern

Fast hätte die "Alternative für Deutschland" im Eiltempo den Einzug in den Bundestag geschafft. Der Erfolg der populistischen Euro-Kritiker ist alarmierend - vor allem mit Blick auf die Europa-Wahl.

Ein Kommentar von Andreas Petzold

  Professor mit absurden Aussagen: AfD-Spitzenkandidat Bernd Lucke

Professor mit absurden Aussagen: AfD-Spitzenkandidat Bernd Lucke

Ja, das ist ein Rekord: Am 6. Februar 2013 wurde die AfD gegründet, acht Monate später kratzt sie bei einer Bundestagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde. Wie schön, dass Demokratie so prompt funktioniert. Andererseits: Es ist irritierend, dass eine Partei mit einer einzigen populistischen Kernaussage hunderttausende Stimmen von FDP, Linke und CDU abzieht und auch noch Nichtwähler in Scharen aktiviert. Die Parolen hinter diesem ungewöhnlichen Sog konnten gar nicht simpel genug sein ("Ha, He, Ho, der Euro ist ko", schön auch das Transparent auf einer AfD-Demo "Wer heute den Euro rettet, pfändet morgen Ihr Konto").

Mit der Absurdität ihrer Aussagen schien die Glaubwürdigkeit der Anti-Euro-Partei zu wachsen, was auch daran liegt, dass die AfD von einem Professor geleitet wird, Bernd Lucke heißt der Mann bekanntlich. Der weiße Kragen der Wissenschaft führte offensichtlich dazu, dass mancher Deutscher nicht mehr hinterfragt hat, was ihm da auf den Marktplätzen untergejubelt wurde: Einen Nord-Euro soll es geben, ohne die Schwächlinge aus dem Süden, ohne Griechen, Italiener, Spanier und gerne auch ohne Franzosen. Die Rückkehr zur D-Mark dürfe keine Tabu sein, heißt es bei der AfD. Dass damit der Euroraum, das Wirtschaftswachstum, die gesamte Stabilität in den 17 Euroländern gesprengt wird und die Idee Europas gleich mit, wurde den Wählern als notwendige Renationalisierung verkauft. Aber selbst in der konservativen Bundesbank schlägt man die Hände vors Gesicht, sobald AfD-Thesen aufkommen.

Lucke und seine Truppe haben sich mit brutalstmöglichen Vereinfachungen die Komplexität der Staatsschuldenkrise zu Nutzen gemacht. Die Lustlosigkeit der Wähler, sich umfassend in den Medien darüber zu informieren, hätte beinahe dazu geführt, dass der Steuerzahler eine chaotische Bundestagstruppe alimentiert, die auf nahezu allen Politikfeldern ahnungslos ist. Als ob eine Bezirksmannschaft plötzlich Champions League spielt. Was beispielsweise im Wahlkampf unterging: In der Außenpolitik möchte sich die AfD an Bismarck orientieren. Allen Ernstes wird der Rückversicherungsvertrag mit Russland, von Bismarck 1887 vereinbart, als erstrebenswert erachtet.

Vielfach wird die AfD rechts außen verortet. Immerhin so weit, dass sich die NPD genötigt sah darauf hinzuweisen, man möge doch bitte nicht AfD, sondern "das Original" wählen. Die Tonalität und das Selbstbewusstsein des Vorsitzenden Lucke vermitteln einen leichten Anflug von Größenwahn. Man habe die Demokratie "ertüchtigt". Und: "Wir sind eine Volkspartei", protzte er noch am Wahlabend in die Mikrofone.

Die AfD wird gehört werden

Die Bundesrepublik hält die AfD aus, fraglos. In der Regel schwitzt die Demokratie solche Ein-Themen-Parteien bald wieder aus, weil sich die Wähler dann doch besinnen und merken, dass sie mit ihrer Stimme nur protestiert aber nichts bewirkt haben. Im Fall der AfD ist allerdings eines anders: Sie wird bei jeder Landtagswahl und vor allem bei der Europawahl 2014 munter gegen die Euro-Rettung polemisieren und damit eines der wichtigsten Themen der kommenden Jahre am Wickel haben. Das wird gehört werden, das führt bestenfalls zu kontroversen Debatten. Vielleicht verstehen die AfD-Wähler dann, was sie mit ihrem Programm anrichten würden, falls es Realität werden sollte.

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