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16. Februar 2008, 15:26 Uhr

"Legal, illegal, scheißegal!"

Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Grünen, ging bei Hamburgs Partymachern und Pistengänger auf Stimmenfang. Bei der nächtlichen Club-Tour ließ sie sich von der Punk-Nostalgie forttragen. Politisch setzen die Grünen auf ein Bündnis mit der SPD. Von einer Koalition mit der CDU wollen sie nichts wissen. Von Inga Niermann

Claudia Roth stürzt sich ins Nachtleben© Kai Wilken

Claudia Roth springt aus einem zerbeulten Schulbus. An ihrem Arm hängt "Valery" ein Transvestit, der sie seit ihrer Wahlveranstaltung in dem Hamburger Homosexuellen-Cafe Gnosa auf Schritt und Tritt begleitet. Angeführt von einer Blaskapelle und mit einem Schwung Parteimitglieder im Schlepptau geht es vorbei an großflächigen CDU-Plakaten in Richtung des Livemusik-Clubs Knust. Auf den Club-Bühnen in Hamburgs Szenevierteln ist die Ex-Managerin von Ton Steine Scherben so in ihrem Element, dass es wir ein Privatvergnügen wirkt. Überall wird sie auch freudig begrüßt, und beklatscht, obwohl ihre Besuche nicht angekündigt sind.

"Wir hieven von Beust nicht ins Amt"

Natürlich will sie mehr erreichen, als gute Laune zu verbreiten. Vor allem geht es den Grünen bei dieser Wahlkampfveranstaltung darum, das klassische grüne Profil zu stärken: "Ein schwarz-grünes Bündnis kommt überhaupt nicht in Frage. Das geht emotional überhaupt nicht", stellte sie gegenüber stern.de im Molotow Club auf der Reeperbahn klar. "Das würden unsere Wähler nicht verstehen, das geht emotional überhaupt nicht."

Das haben die Landes-Grünen zwar schon die ganze Zeit gesagt, aber sie müssen dieses Bekenntnis wohl noch oft laut und deutlich wiederholen. Denn als Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU), der auf der Suche nach Mehrheiten öffentlich darüber sinniert hat, er könne sich auch ein Bündnis mit den Grünen vorstellen, hatten einzelne Bundes-Grüne Offenheit signalisiert. Das hat die Partei in Hamburg wahltaktisch erheblich in Bedrängnis gebracht.

Immer wieder werden die CDU-Avancen strikt zurückgewiesen. "Es ist für uns überhaupt nicht denkbar, einen Bürgermeister, der sich vor vier Jahren von Ronald Schill ins Amt hat hieven lassen, jetzt von den Grünen in seine Position gebracht wird", sagt der Hamburger Grünen-Politiker Farid Müller. Von Beust war vor knapp sieben Jahren mit den Stimmen der FDP und der Partei Rechtsstaatliche Offensive mit Roland Schill an der Spitze ins Amt gekommen und hatte Schill 2003 entlassen.

"Aber auch sonst sei ein zusammengehen mit der CDU undenkbar, zu weit lägen die Parteiprogramme auseinander", betont Müller. Und nennt als Beispiel die Hamburger Clubszene: Die Grünen wollten sich stark machen für die Livemusik-Bühnen in der Hansestadt, von denen viele aufgrund behördlicher Auflagen in ihrer Existenz bedroht sind. "Die CDU fördert dagegen nur die Theater und hat kein Geld für die Livemusik-Clubs", kritisierten auch Vertreter des Hamburger Club-Kombinat e.V. Müller, am nächsten Sonntag der GAL-Kandidat für den Wahlkreis Hamburg-Mitte, nickt zustimmend.

Wahlkampf aus dem Schulbus© Kai Wilken

Dröge Themen für Pistengänger

In den Ohren so mancher der eingefleischten Clubgänger klingt das erst einmal gut. Die Themen, die die Politiker aber dann auf den Club-Bühnen ansprechen, können das Blut der Partylöwen aber nicht so Richtung in Wallung bringen: Es geht zum Beispiel um Lärmschutzbedingungen für Livemusik-Clubs, GEMA-Gebühren für Livemusik-Veranstalter oder um kostenfreie Plakatierungsflächen im öffentlichen Raum.

"Die Clubs müssen unterstützt werden, die Dezibelbestimmungen zu erfüllen, trotzdem muss die Musik drinnen laut genug sein können", fordern Roth und Müller, im Knust. In der nächsten Kulturstätte schimpfen sie über die Stellplatzabgabe für Autos, die die Betreiber der Livemusik-Clubs in Hamburg künftig entrichten sollen. "Ich verstehe den CDU-Senat in Mitte nicht. Für die ist Livemusik ein Blinddarm, der entfernt werden muss", kritisiert Müller. "Die Grünen werden die Stellplatzabgabe abschaffen."

Das Publikum applaudiert, nachdem auch der Betreiber der Kulturstätte noch einmal erklärt hat, warum die Stellplatzabgabe für seinen Laden so problematisch ist. So geht es zwar um wichtige Themen für die Clubbesitzer, die Besucher haut das aber trotzdem nicht so recht vom Hocker. Claudia Roth reißt es raus: "Legal, illegal, scheißegal", ruft sie ins Publikum und lässt damit alte Punker-Gefühle aufleben.

Die GAL-Vertreter bleiben aber neben ihrer Bundeschefin etwas blass. Dass die Links-Partei eventuell mit bundespolitisch relevanten Themen wie den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr bei den jungen Hamburger Wählerinnen und Wählern mehr Interesse wecken könnte, sorgt die Parteimitglieder wenig. "Die Linken müssen sich doch erst einmal selbst sortieren, außerdem sind die Linken in Hamburg ein Alt-Herren-Club", sagt ein GALier. Große Zustimmung für schwarz-grüne Koalition Die Hamburger Grünen möchten gerne ihr Wahlergebnis von vor vier Jahren wieder einfahren. Damals bekamen sie 12,3 Prozent. Jüngsten Umfragen zufolge liegt die GAL aber nur bei zehn Prozent oder sogar darunter. Obwohl die Grünen das gerne verhindern würden, sind die Demoskopen nicht mehr davon abzubringen, die Bürger danach zu fragen, was sie von einem schwarz-grünen Bündnis in der Hansestadt halten.

Die Zustimmung ist demnach überraschend hoch. 39 Prozent würden nach einer Forsa-Umfrage für den stern eine engere Zusammenarbeit beider Parteien begrüßen. Unter allen Parteien soll die Zustimmung unter den Grünen-Wählern sogar am größten sein. 59 Prozent würden demnach eine Allianz mit der Union begrüßen. Vielleicht wird die GAL ihre Position nach der Wahl noch einmal überdenken müssen.

Von Inga Niermann
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
RainerBruns (18.02.2008, 17:08 Uhr)
Dillethantischer Journalismus
Als Eigentümer des original amerikanischen Schulbusses kann ich mich nur dem vorherigen Kommentar anschließen, dass die Journalistin offensichtlich nicht dabei gewesen ist.
Anderenfalls hätte sie bemerkt, dass unser amerikanischer Schulbus keinerlei Beulen hat, im Gegenteil, sehr gepflegt und tadellos ist.
Leider aber wird um des Populismus Willen hier wieder einmal mit Klischees gearbeitet, in der Hoffnung, so einen interessanteren Artikel zu präsentieren. Leider aber wieder einmal auf Kosten der so arg gebeutelten Omnibusbranche.
Ich weise hierauf nur deshalb so deutlich hin, weil genauso fahrlässig, oberflächlich und ungenau der gesamte Rest des Artikels ist. Ich, der ich ebenfalls mit dabei gewesen bin, kann auch nur zu dem Schluss kommen, dass diese Journalistin gar nicht mit dabei gewesen sein kann.
Also, liebe Leser, lasst Euch nicht veräppeln. Lest seriösere Zeitungen, wenn es die denn überhaupt gibt.
Rainer J. Bruns, Alternativ Bus Reisen GmbH, Hamburg.
gecko63 (18.02.2008, 12:24 Uhr)
Die Aktion war eine NULLnummer
Wer immer diesen Stern Artikel geschrieben hat, er war wohl nicht dabei. Ich allerdings schon, denn ich hatte das KNUST an diesem Abend gemietet und war entsetzt über diese Aktion!
Was für eine billige Masche ist das bitte, auf diesem Wege Publikum zu "highjacken" um Wahlkampf zu betreiben. Und wie unhöflich und ignorant ist es bitte, einfach mit einer Blaskapelle in ein LAUFENDES Konzert einzufallen? Im Gegensatz zu der hier beschriebenen Stimmung, kam Frau Roth nicht gut weg. Sie stammelte fahriges Zeug und wurde auch nicht beklatscht. Stattdessen überall genervte und bestenfalls noch amüsierte Gesichter.
Lustig bzw. tragisch ist vor allem der Infrmationsgrad von Frau Roth, sonst hätte sie vielleicht bedacht, dass ausgerechnet das KNUST seinerzeit unter einer ROTEN Regierung abgeholzt wurde, weil die Sprinkenhof AG das alte Kontorhaus wegen angeblicher Fundamentschwäche abreißen und durch ein Bürohaus ersetzen ließ. Alle Pächter und Mieter wurden vor die Tür gesetzt und
die Stadt hat das KNUST hängen lassen... wie gesagt. Die Regierung zu dieser Zeit: Tiefrot!! Also, alles die Gleiche Schose....
Turmfalke (17.02.2008, 13:49 Uhr)
@clemens
Keine eigene Meinung, andere nur beleidigen und dann von null Hirn sprechen - lol -
Genau das Wählerklientel von Roth, passt schon !
Dirk_37 (17.02.2008, 11:43 Uhr)
Bei Roth sehe ich rot!
Guter Vorschlag mit der Ernennung zur Gammelfleisch-Beauftragten. So alt wie die aussieht würde sie ja auch gleich zum Namen passen. Liebe Claudia: wir alle wissen wie unglaublich cool und eloquent du sein willst, bitte mache was du willst aber verschone uns Normalsterbliche mit deinem Anlitz und noch mehr mit deinem wirren Weltbild. Such dir ein Land, in dem türkisch als feste zweite Amtssprache manifestiert ist, konsumieren von Drogen als völlig in Ordnung gesehen wird und jeder nur maximal 15h pro Woche arbeiten muss, um wirklich gut leben zu können! Wenn du dieses traumland gefunden hast darfst du uns gerne verraten, wo es ist. In diesem Falle würde ich sogar deine Hackfresse ertragen können, mfG Dirk
unheilig (17.02.2008, 11:36 Uhr)
ps
das heist generation nicht gereration,clemens1964,wer ist hier nun die null hirn generation?
unheilig (17.02.2008, 11:33 Uhr)
@Clemens1964
hast auch eine eigene meinung,oder kommentierst nur andere kommentare?
rkl-ihap (17.02.2008, 10:25 Uhr)
Amerikanischer Schulbus, wie ökologisch!
Ich möchte doch gerne mal de CO2 dieses amerikanischen "ökologischen" Werbefahrzeuges erfahren!
Hätte es nicht auch ein deutsches Fabrikat mit einem geringeren Abgaswert getan?
Benkku (17.02.2008, 10:13 Uhr)
hirn gereration?
Einfach abschreckend das Frauenzimmer. Man sollte sie zur Bundes-Gammelfleisch-Beauftragten ernennen.
Clemens1964 (17.02.2008, 06:33 Uhr)
Turmfalke
sie sind die Personifizierung der null hirn gereration.
Turmfalke (16.02.2008, 21:03 Uhr)
Frau Roth
ist die Personifizierung der Null Bock Generation.
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