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Die Frau, die irgendwie ein bisschen das deutsche Internet erfand

Mit einem Wahlplakat sorgt Michaela Merz von der Alternative für Deutschland für Aufsehen. Darauf feiert sie sich als "Mitgründerin des deutschen Internets". Vielleicht ein bisschen hoch gegriffen.

Von Daniel Bakir

  Mehr Kompetenz kann man auf einem Plakat nicht verkaufen

Mehr Kompetenz kann man auf einem Plakat nicht verkaufen

  • Daniel Bakir

Auf Wahlplakaten stellen sich Politiker gerne von ihrer besten Seite dar. Gewinnendes Lächeln, kompetent wirkender, aber nichtssagender Spruch, fertig ist die Wahlwerbung. Michaela Merz, Netzpolitikerin der Alternative für Deutschland (AfD), wollte sich mit solcher Inhaltsleere nicht zufrieden geben. Das Plakatmotiv, das die Datenschutzexpertin der Anti-Euro-Partei auf ihrer Facebookseite gepostet hat, ist aber möglicherweise doch etwas zu ambitioniert geraten.

Darauf heißt es: "Ich wollte nur daran erinnern, dass die ausländischen Dienste keine Sommerpause machen und weiter deutsche Bürger und Unternehmen ausspionieren. Auch jetzt in diesem Moment." Ein datenschutzpolitisches Statement. So weit, so gut. Doch offensichtlich befürchtete Merz, dass sie trotz ihres Postens im Bundesvorstand der AfD nicht überzeugend genug wirkt. Um ihre Kompetenz zu unterstreichen ergänzte sie daher: "Michaela Merz - Mitgründerin des deutschen Internet". Moment mal. Gründerin des Internets? Des deutschen Internets? Das WWW hat der britische Informatiker Tim Berners-Lee erfunden, das kann schon mal nicht gemeint sein. Was soll also das deutsche Internet sein?

Verweis auf Wikipedia

Das Plakat hilft weiter: Für alle diejenigen, die nicht glauben wollen, dass die 53-Jährige tatsächlich das Internet erfunden hat, findet sich am unteren Rand des Plakats der Hinweis auf die Wikipedia-Seite von Michaela Merz. Auf die eigene Wikipedia-Seite als Quelle zu verweisen, ist nicht unbedingt der Inbegriff von Seriosität. Aber immerhin kommt man hier dem Rätsel um die Erfindung des deutschen Internets etwas näher.

Michaela Merz ist laut ihres Wikipedia-Eintrages eine "Software-Entwicklerin, Netzpionierin und Unternehmerin". Sie hat in den Neunzigern - das bestätigen auch andere Quellen - den Onlinedienst germany.net gegründet, der auch unter dem Begriff Deutsche Datenautobahn bekannt wurde. Es handelte sich dabei weniger um das "deutsche Internet" als um eine frühe Alternative zu Internetanbietern wie T-Online und AOL.

Hämische Kommentare

Die leichte Anmaßung hat Michaela Merz ein paar hämische Kommentare im Netz eingebracht. "Wir erinnern uns an 1991: Michaela Merz schließt das deutsche Internet an. Dann Eröffnungsfeierlichkeiten mit Kanzler Kohl und Feuerwerk", schreibt etwa Twitter-Nutzer Florian Brill*. Auch auf Merz' Facebookseite gibt es ein paar böse Bemerkungen.

Der Häme zum Trotz: Auch wenn sie nicht wirklich das Internet erfunden hat, Netzkompetenz besitzt Michaela Merz. Nach dem Verkauf ihres "deutschen Internets" war sie weiter unternehmerisch in der IT-Branche aktiv. Derzeit leitet sie die Firma Hermetos Datendienste im thüringischen Eisenach. Für die FDP sollte sie ein Pendant zum internen Kommunikationstool der Piraten "Liquid Feedback" programmieren, verließ aber Anfang Juli die Partei und wechselte zur AfD. Nach eigenen Angaben lebt sie derzeit auf einer Ranch in Houston, Texas.

*Anmerkung: Florian Brill macht Wahlkampf für Merz' Ex-Partei, die FDP.

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