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Das ist der Mann, der die ZDF-Doku gefälscht haben soll

Walerij Bobkow spielt in dem aufkommenden Manipulationsskandal rund um die ZDF-Doku "Machtmensch Putin" eine Schlüsselrolle. Es soll der zwielichtige Producer gewesegn sein, der dem Sender einen "gefälschten Separatisten" verkauft hat.

Walerij Bobkow im Donbass: ie Aufnahmen sollen aus dem Rohmaterial des ZDF für die Dokumentation "Machtmensch Putin" stammen

Walerij Bobkow posiert mit einem Maschinengewehr vor der Kamera: Die Aufnahme soll aus dem Rohmaterial des ZDF für die Dokumentation "Machtmensch Putin" stammen und während des Drehs im Donbass entstanden sein

Walerij Bobkow ist seit Jahrzehnten im TV-Geschäft. In Moskau betreibt er ein Filmstudio. Spezialisiert hat er sich auf Dokumentarfilme, über und aus Russland. Auf seiner Website preist er seine Fähigkeit an, "exklusive Bilder in schwerzugänglichen und gefahrenreichen Zonen" beschaffen zu können. Zu seinen namhaften Kunden zählen TV-Sender wie CNN, BBC, Arte - und das ZDF. Doch der letzte Auftrag, den die Mainzer an Bobkow vergeben haben, droht für das Zweite zu einem Desaster auszuarten. Denn bei der Dokumentation "Machtmensch Putin", an der auch Bobkow beteiligt war, soll es zu erheblichen Manipulationen gekommen sein.

Die Vorwürfe, die kurz nach der Ausstrahlung der Dokumentation, vom russischen Fernsehen erhoben wurden, wiegen schwer: Der Mann, den das ZDF als Kronzeugen für den Einsatz russischer Freiwilligenkämpfer in der Ostukraine präsentierte, soll gekauft worden sein. Die Geschichte des Separatistenkämpfers "Igor" sei frei erfunden. "Im Grunde habe ich einfach gelogen und das erzählt, was er mir vorsagte. Er sagte, nach dem Interview würde ich das Geld bekommen", beichtete Jurij Labyskin alias "Igor" im russischen Fernsehen. Die Rede ist von Walerij Bobkow.

Jubelte Walerij Bobkow dem ZDF eine Fälschung unter?

Bobkow ist die Schlüsselfigur in dem aufkommenden Manipulationsskandal. Folgt man der Darstellung Labyskins, war es Bobkow, der ihn in seiner Heimatstadt Kaliningrad aufgestöbert, in den Donbass gebracht und für die Kamera in einen Separatisten verwandelt hat. 50.000 Rubel soll er dem jungen Russen für seine Darstellung bezahlt haben.

Sollten die Vorwürfe stimmen, gibt es mehrere Szenarien, wie es zu der Manipulation gekommen sein könnte: Entweder wusste das ZDF, dass die Geschichte von Labyskin erfunden ist oder Bobkow jubelte dem Sender eine Fälschung unter, ohne dass das Zweite Deutsche Fernsehen die Täuschung bemerkte.

Bobkow hält sich versteckt

Tatsächlich gibt es einige Indizien, die dafür sprechen, dass das ZDF Bobkow auf den Leim gegangen sein könnte. Seit die Vorwürfe laut geworden sind, ist der Producer untergetaucht. Auf Anfragen reagiert er nicht. Auch Anfragen des stern blieben bis Freitag unbeantwortet. Selbst das ZDF erreicht ihn nur sporadisch. "Er hat uns gegenüber die Vorgänge ausführlich per Mail geschildert, leider konnten wir noch nicht direkt mit ihm sprechen, weil Herr Bobkow sich bedroht fühlt", teilte Robert Bachem, Leiter des Programmbereichs "ZDFinfo, Gesellschaft und Leben", dem stern mit.

Bobkow soll sich laut dem ZDF vor einer Festnahme durch den russischen Inlandsgeheimdient FSB fürchten. Doch die Frage, wie ein Telefonat mit seinem Auftraggeber das Risiko einer Festnahme erhöhen könnte, bleibt offen. Eine eidesstattliche Erklärung, in der Bobkow dem ZDF versichern sollte, dass sich alles so abgespielt hat, wie in der Dokumentation dargestellt, unterschrieb Bobkow auch nicht. Sein Anwalt habe ihm abgeraten, eine solche Erklärung abzugeben, teilte Bachem mit.

Gute Kontakte zum russischen Militär

Bobkow stammt aus der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe, einst Teil des sowjetischen Imperiums. 1981 erwarb er an dem Gerassimow-Institut für Kinematographie, einer staatlichen Filmhochschule in Moskau, einen Abschluss. Zwischen 1996 und 2006 arbeitete er als Produzent für das ZDF. Seit 2000 leitet er die seit 1986 bestehende Filmproduktionsfirma "Bobkovstudio" in Moskau, das Zweigstellen in Kaliningrad, Sewastopol, Murmansk, Perm und anderen russischen Städten unterhält.

Heute lebt der 59-Jährige in Luxemburg und arbeitet hauptsächlich im Auftrag unterschiedlicher westlicher Fernsehsender. Auch das ZDF zählte in den vergangenen Jahren zu seinen Stammkunden. Dank seines Vaters, der in der russischen Marine einen hohen Rang bekleidet hat, unterhält Bobkow viele Kontakte zum russischen Militär. Für das ZDF verschaffte er mehmals exklusive Drehs, etwa nach dem Untergang des U-Boots Kursk im Jahr 2000. Das ZDF durfte exklusiv auf einem Rettungsschiff filmen.

"Jemand, der für Geld alles tut"

Doch in Moskau ist Bobkow kein unbeschriebenes Blatt. Oft soll er "Exklusiv-Material" aus unbekannten Quellen angeboten haben. Einmal soll er westlichen Fernsehsendern einfache Frauen aus Dagestan als islamistische Gotteskriegerinnen verkauft haben, wie der Moskauer "Spiegel"-Producer Wladimir Pyljow dem Medienmagazin "Journalist" erzählte. Ein anderes Mal soll er eine Schießübung russischer Neonazis inszeniert haben. "Ein Mitarbeiter des ZDF berichtete mir von einem Fall, wo Bobkow dem Mainzer Sender angeboten hatte, bei einer Schießübung russischer Neonazis zu filmen", erzählte der Journalist Moritz Gathmann dem stern. "Als das ZDF zu dem Dreh kam, haben dann die angeblichen Neonazis gefragt, was sie denn zu tun hätten und wo das Geld bleiben würde. Es kam eben raus, dass es keine Neonazis gewesen sind, sondern Bobkow sie für den Dreh engagiert hatte", so Gathmann weiter, der selbst bereits viele Jahre über und aus Russland berichtet.

Warum sollte Bobkow gefälscht haben?

Das Moskauer ZDF-Büro soll seit mindestens zehn Jahren nicht mehr mit Bobkow zusammenarbeiten. Viele würden Bobkow als einen Mann beschreiben, der bereit ist, für Geld alles zu machen, erzählte Gathmann dem stern, der zusammen mit seinem Kollegen Maxim Kireev eine eingehende Recherche zu den Manipulationsvorwürfen betrieben hat. "Alle betätigen zwar, dass er tatsächlich gute Kontakte zu der russischen Armee hat, weil sein Vater bei der russischen Marine ein großes Tier war. Aber genauso betonen alle, dass ihm nicht zu trauen ist", so der Journalist.

Was bleibt, ist jedoch die Frage nach dem Warum. Warum sollte Bobkow jemanden dafür bezahlen, einen Separatisten zu spielen, wo doch tausende Russen tatsächlich in der Ostukraine kämpfen? Diesen Umstand hat der Kreml auch übrigens nie bestritten. "Ich kann mir vorstellen, dass es für Bobkow einfacher war, Labyskin in eine Uniform zu stecken und das erzählen zu lassen, was er haben wollte, als vielleicht jemanden zu suchen, der tatsächlich im Donbass gekämpft hat", vermutet Gathmann.

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