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Über Pegida lachen? Unbedingt!

Der TV-Auftritt von Kathrin Oertel sorgt im Netz für Spott: Das Äußere der Pegida-Sprecherin inspiriert zu wenig charmanten Vergleichen. Ein Video zeigt, wie man sich in ein "Pegida-Girl" verwandelt.

  Blondiert, gezupft, gebräunt: Wegen ihrer Ähnlichkeit zu Reality-Star Daniela Katzenberger (links) wird Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel derzeit zur Zielscheibe für Spott und Hohn im Netz.

Blondiert, gezupft, gebräunt: Wegen ihrer Ähnlichkeit zu Reality-Star Daniela Katzenberger (links) wird Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel derzeit zur Zielscheibe für Spott und Hohn im Netz.

Sie präsentierte sich als "ganz normale Frau aus dem Volk": Am Sonntagabend war Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel bei Günther Jauch zu Gast. Wie zu erwarten war, schlug ihr Auftritt hohe Wellen. Doch nicht nur über die Aussagen der dreifachen Mutter und freiberuflichen Wirtschaftsberatin wurde im Netz heftig diskutiert und gestritten – Oertel liefert mit ihrem Aussehen eine Steilvorlage für allerlei kuriose Vergleiche.

Die Haare streng zurückgebunden, die Augenbrauen künstlich nachgezogen: Oertel, offenbar gern in strengem Schwarz gekleidet, stach deutlich aus der Talkrunde heraus. Eine Anleitung zum "Look" der Pegida-Sprecherin ist nun auf Youtube zu finden: "Mit ein paar einfachen Tricks seid ihr der Star auf der nächsten Montagsdemo!", heißt es da in einem Video, das sich in seinem Stil ganz an sogenannten Make-up-Tutorials orientiert.

"Der Trend geht zum Augenbrauen-Tattoo"

Moderatorin Toyah Diebel führt Schritt für Schritt vor, wie die Verwandlung zum "Pegida-Girl" funktioniert – und kommentiert das Ganze mit deutlichen Seitenhieben auf Kathrin Oertel. "Bindet die Haare streng zurück, damit zeigt ihr, wie ordnungsliebend ihr seid," sagt Diebel etwa. Der Trend gehe in Richtung Augenbrauen-Tattoo, erklärt sie. Und für männliche Interessierte an dem "Pegida-Look" hat sie auch einen Tipp parat: "Boys dürfen den Scheitel gern auf der Seite tragen."

Mit dieser Schminkanleitung der etwas anderen Art hat Diebel offenbar einen Nerv getroffen, das Video wird in sozialen Netzwerken eifrig verbreitet. Dabei ist das böse Make-up-Tutorial nicht die einzige satirische Reaktion auf den TV-Auftritt von Kathrin Oertel. Auf Twitter besonders beliebt ist auch der Vergleich Oertels zu TV-Sternchen Daniela Katzenberger. Hauptindiz für die optische Ähnlichkeit: Die ausdrucksstarken "Stirnaugenbrauen" des Reality-Stars, die ein paar Zentimeter zu hoch tätowiert wurden.

Uncharmante Vergleiche auf Twitter

Auch zu anderen Berühmtheiten, die nicht eben für eine natürliche Ausstrahlung bekannt sind, werden Vergleiche gezogen:

Darf man über Pegida lachen?

Eine Frage, die sich bei allem Humor stellt: Darf man über eine Verteterin der rechtspopulistischen Pegida-Bewegung überhaupt lachen? Eines ist sicher: Witze über das Äußere einer Person sind beleidigend, selten originell und entsprechen auch keinem guten Ton. Auf diese Art des Netzhumors, der sich allein auf Äußerlichkeiten bezieht, trifft das sicherlich zu. Den Auftritt Oertels ausschließlich ins Lächerliche zu ziehen, wäre falsch: Pegida und alles, wofür die die Bewegung steht, muss ernst genommen werden. Zumal jede Verunglimpfung Oertels die Vorurteile der Pegida-Anhänger gegenüber ihren Kritikern weiter befeuert.

Doch eine Betrachtung ganz ohne Humor wäre ebenso fahrlässig. Denn der "ganz normalen" Frau Oertel gelang es bei ihrem ersten TV-Auftritt, der zaghaften Moderation Günther Jauchs sei Dank, sich als hilfloses Opfer zu stilisieren. Sie gab sich gefasst und emotionslos, hielt sich stets ans Manuskript und blieb allzu oft unwidersprochen. Mit ihrer Weigerung, einen Dialog mit Politik und Medien einzugehen, wollen die Pegida-Organisatoren einen Mythos erschaffen.

Satire ist seit Beginn der Proteste gegen Pegida ein wichtiges Mittel der Kritik, auf den Gegendemonstrationen ebenso wie im Netz. Lachen über die Pegida hebt die Bewegung aus der Sphäre des Bösen, es entdämonisiert die "patriotischen Europäer" und stellt sich gegen ihre versuchte Selbstinszenzierung als Opfer.

Annika Lasarzik
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