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Die heilige Marina

Piratin Marina Weisband hatte sich aus der Politik zurückgezogen. Nun ist sie wieder da. Mit einem Buch unter dem Arm. Und ist gefragt wie nie zuvor. Warum?

Von Laura Himmelreich

  Piratin Marina Weisband ist sauer, weil ihre Verwandtschaft aus der Ukraine kein Visum bekomme hat, um pünktlich zu ihrer Hochzeit zu erscheinen.

Piratin Marina Weisband ist sauer, weil ihre Verwandtschaft aus der Ukraine kein Visum bekomme hat, um pünktlich zu ihrer Hochzeit zu erscheinen.

Es ist die wilde Mischung, die sie interessant macht. Sie zeichnet verspielte Bilder von Rittern und Burgfräulein, kann aber auch Java programmieren. Sie diskutiert souverän in Talkshows, doch wenn man sie trifft, spielt sie schüchtern mit der Tisch-Deko. Sie ist chronisch krank und tanzt trotzdem jeden Dienstag bis spät in die Nacht Tango. Aber diese Widersprüche erklären nicht, warum Marina Weisband derzeit bis zu zehn Stunden am Tag Interviews gibt, noch nachts Fotoshootings macht und die Lanz-Illner-Beckmann-Runde dreht. Es liegt auch nicht nur daran, dass sie politische Geschäftsführerin der Piratenpartei war, weg war und jetzt wieder auftaucht, um ihr neues Buch vorzustellen. Denn das Buch ist wenig überraschend. Weisband bekommt die Aufmerksamkeit, weil sie in einem Moment zurück auf die Bühne stürmt, in dem die Piraten am Boden liegen. Aus den Kämpfern für Bürgerbeteiligung und Transparenz, ist ein Haufen von Streithähnen geworden. Weisband verkörpert noch immer die Ideen, mit denen die Partei angetreten ist. Ihr Comeback zeigt, wie sehr die Piraten an ihren eigenen Ansprüchen gescheitert sind.

Utopie einer basisdemokratischen Gesellschaft

Ihr Buch ist eine Mischung aus Autobiografie und Anleitung für eine Liquid Democracy. Weisband entwirft die Utopie einer Welt, in der jeder Bürger im Netz über jedes Thema abstimmen kann. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegen Welten. Denn bislang sind nicht einmal die Piraten dazu fähig, ihr Programm so zu beschließen, dass sich alle Parteimitglieder einbringen können. Auf ihren Parteitagen können die Piraten nur über einen Bruchteil der vorgeschlagenen Ideen entscheiden. Weisband schreibt auf ihrem Blog, die Partei hätte versprochen, alle könnten mitmachen: "Wir haben gelogen."

Ihr Buch "Wir nennen es Politik" appelliert an eine simple Tugend: Respekt. Weisband fordert von Politikern, dass sie lernen, den Bürgern zuhören. Im Gegenzug sollen die Bürger daran denken, dass Politiker nur auch Menschen sind. Doch bislang ist es nicht einmal den Piraten gelungen, ihre eigenen Parteifreunde zu respektieren. Stattdessen twittern sie jeden Gedankenfurz. Reihenweise bricht ihr Führungspersonal unter der Dauerbeschimpfung zusammen.

Höflich, auch wenn andere schreien

Weisband sagt, sie musste härter werden in dem Jahr als politische Geschäftsführerin: "Die Menschen stürzen sich auf Repräsentanten wie wilde Tiere." Sie lässt nun eine Freundin ihren Email-Eingang checken und die Hasspost löschen. Sie wappnete sich vor Kritik der Piraten an ihrem Buch und verzichtete auf einen Teil ihres Honorars, damit ihr Buch als elektronische Version kopiert werden darf. Sie schützt sich und sagt trotzdem: "Ich bin noch immer nicht abgehärtet genug, um dauerhaft in der Öffentlichkeit zu stehen." Ihr Körper mache ein politisches Amt nicht mit. Welche Krankheit sie hat, verrät sie nicht.

Die meisten Piraten können ihren Rückzug nachvollziehen: "Sie macht das genau richtig", sagt sagt der Shitstorm-geprüfte politische Geschäftsführer Johannes Ponader. Laura Dornheim meint: "Momentan habe ich das Gefühl, die Piraten haben Marina nicht verdient." Ihre Parteifreunde sagen, Weisband habe schon alleine deswegen fast einen "Heiligenstatus", weil sie immer höflich antwortet, selbst wenn andere sie anschreien.

Partei ist nicht zwingend das Vehikel

Die Probleme der Partei sitzen so tief, dass es keinen Unterschied macht, ob Weisband im Vorstand sitzt oder Bücher schreibt. Die Heilige geht jetzt erst einmal mit ihrem Buch auf Lesetour und lernt für ihren Uni-Abschluss in Psychologie. Später will sie für die Bundeszentrale für politische Bildung arbeiten. Es ist Marina Weisbands Weg, die Ideale der Piraten weiter zu leben. Selbst wenn die Partei zugrunde geht.

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