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6. März 2008, 14:00 Uhr

Bürger auf den Barrikaden

Die Grünen und die CDU sondieren in Hamburg den politischen Tabubruch: ein schwarz-grünes Bündnis auf Länderebene. Möglich ist das auch, weil die Grünen und Schwarzen vielfach einen gleichen sozialen Hintergrund haben. stern.de hat einen grünen Landesvorstand genau untersucht: heute und vor 21 Jahren. Fazit: Die Grünen waren schon immer bürgerlich. Von Axel Hildebrand

Die Anhänger der Grünen sind, in weiten Teilen, Kinder des Bürgertums. In ihren Anfängen, vor 30 Jahren, rebellieren sie gegen eine Politik, die die Umwelt missachtet. Zwar sind sie noch heute gegen eine solche Politik. Doch das Rebellische ist verschwunden. Sie sind Teil des Establishments geworden.

Bei den Grünen der ersten Stunde findet man wenige Arbeiterkinder, das ordentliche Studium an der Universität prägt die Biografien. Die Grünen sind in Baden-Württemberg weder heute noch vor 21 Jahren, als dieses Bild entstand, den sogenannten bildungsfernen Schichten entsprungen. Ganz ähnlich wie das Gros der CDU-Funktionäre. Auch sie haben in der Regel studiert und entstammen bürgerlichen Familien. Das erleichtert das Zugehen aufeinander. Denn an den Biografien der Menschen lässt sich ablesen, ob sie zueinander passen. Und ob Schwarz und Grün heute eine Koalition eingehen können.

Waldsterben und Tschernobyl

Die Grünen besetzen damals - ganz anders als die CDU und SPD - neue Themen in der Öffentlichkeit. Als das Foto im Mai 1987 entstand, schien die Welt durch massives Waldsterben und die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl aus den Fugen zu geraten. Verunsicherte Baden-Württemberger bestürmten die Grünen. "Wie können wir uns vor den Wolken aus Tschernobyl schützen?" fragten sie, denn die Grünen, so die landläufige Meinung, seien doch in Fragen der Atomkraft kompetent. Schon damals existierten Berührungspunkte mit der CDU. Ganz im Kleinen, kaum bekannt. "Zu der Zeit gab es in der baden-württembergischen CDU Einzelne, die wie wir einen Atomausstieg wollten", sagt Birgit Voigt (Bildmitte). Sie hatte schon damals keine Angst vor den Schwarzen.

21 Jahre später: keine Hunde und Strickpullover

Fast 21 Jahre später sind die Grünen eine etablierte Partei geworden. Durch das Bild läuft kein Hund mehr, die Männer tragen Jacketts und keine Strickpullover. Zwei Personen auf dem Bild, die 87-jährige Irmgard Zecher und die Europaparlamentarierin Heide Rühle, sind auf beiden Bildern zu sehen. Sie stehen für eine Kontinuität, die bei den anderen Personen auf dem Bild nicht auf den ersten Blick sichtbar ist. Die meisten Mitglieder des Landesvorstands haben studiert und entstammen bürgerlichen Elternhäusern. Architekten, Wirtschaftsinformatiker und Kunstgeschichtler: Die Anhänger der Grünen entstammen auch heutzutage nur selten der klassischen Arbeiterfamilie.

Mit gut 6.500 Mitgliedern gehören die Grünen in Baden-Württemberg zu den größten Landesverbänden in Deutschland. Der Landesvorstand besteht aus 16 Personen und wird jeweils für zwei Jahre gewählt. Im baden-württembergischen Landtag stellt die Partei siebzehn Abgeordnete und ist die drittstärkste Fraktion.

Der Katholizismus verbindet

Die Grünen im Ländle stehen der CDU inhaltlich näher als in Hamburg oder Berlin. Der Katholizismus verbindet und beide sind für eine "nachhaltige" Haushalts- und Umweltpolitik. Der CDU-Landesvorsitzende Günther Oettinger und der grüne Fraktionsvorsitzende Winfried Kretschmann, ganz rechts im Bild, kennen und schätzen sich seit Jahren.

Von Axel Hildebrand
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Dr.Mabuse (07.03.2008, 08:04 Uhr)
...wer oder was sind die "Grünen"
ich denke, in wenigen Jahren werden die "Grünen" neben der FDP in der politschen Bedeutungslosigkeit verschwunden sein. Wer so gegen seine Prinzipien und programme handelt, verliert seine politische Identität
Bunsenbrenner (07.03.2008, 01:03 Uhr)
Wo ist das Problem?
Es handelt sich in beiden Fällen um demokratische Parteien, insofern sollte eine mögliche Koalition nix allzu Absurdes sein. Die Grünen sind nicht die Linkspartei und es gibt auch keinen Bruch des Wahlversprechens. Gutmenschen können die Grünen besser auf Bundesebene spielen. (Was ist daran pazifistisch, wenn man zusieht, wie Menschen vertrieben und abgeschlachtet werden?) Ich würde ja mal die Kirche im Dorf lassen; die Demokratie lebt eben auch von Kompromissen, also warum sollen sich nicht CDU und Grüne zusammenraufen?
Pengolodh (06.03.2008, 22:06 Uhr)
Verräter? Nein, nicht wirklich...
Ich glaube nicht, daß sie je etwas verraten haben, woran sie aufrichtig geglaubt haben. Ja, ich weiß, das ist ziemlich zynisch. Aber was soll ich sagen? Ich bin lieber ehrlich. Als sie sich für den Kosovo-Krieg entschieden haben, haben sie die angebliche moralische Überlegenheit Europas über die USA aufgekündigt. Wissentlich, stimmt's, Herr Fischer?
tagora-sagittara (06.03.2008, 21:30 Uhr)
Zumindest in meinen Augen...
ist das Thema GRÜNE durch. In meinen Augen die Veräter des einfachen Volkes durch die Machtsucht derer in ihren Reihen, die mit den Volksverätern der bekannten Pateien das Bett geteilt haben.
Glaubwürdigkeit gleich NULL!
Pengolodh (06.03.2008, 20:38 Uhr)
Ich lach mich kaputt
NATÜRLICH waren die Grünen schon immer eine bürgerlich-ökologische Partei, wer das jetzt erst merkt, sollte sich wenigstens nicht allzuviel darauf einbilden! Spätestens seit ihrem "Ja" zu Kriegseinsätzen der Bundeswehr (und zum Kosovo-Krieg) war das ja selbst für Leute mit Blindenhund nur noch schwer zu verdrängen.
Dewerth (06.03.2008, 18:02 Uhr)
Ja und? 2.Teil:
Die Mitglieder der RAF waren ebenfalls in weiten Teilen Mitglieder des Bürgertums. Was soll das eigentlich beweisen!?
wintersaint (06.03.2008, 16:49 Uhr)
Ja und?
Man kann die Ähnlichkeiten auch herbeireden. In der Linkspartei sind auch genug Studierte. Das die beiden Gruppen sich sympathisch sind ist doch vollkommen wurst. Hier geht es doch um das Programm und das könnte unterschiedlicher nicht sein. Aber sicher, wenn man Macht will findet man immer Verbindendes. Wenn man meine Stimme will sollte man das aber bleiben lassen.
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