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Wie Islamisten Minderjährige in den Dschihad locken

Islamistische Gruppen werben vor allem junge Menschen an. Dabei nimmt der Anteil junger Frauen stetig zu. Auch die 15-Jährige, die einen Polizisten in Hannover mit einem Messer attackierte, könnte im syrischen Grenzgebiet gewesen sein.

Schülerin mit Kopftuch

Eine Schülerin mit Kopftuch in einem Klassenraum: Oft verbreitet sich islamistische Propaganda bereits auf dem Schulhof.

Nach der Messerattacke einer 15-Jährigen auf einen Polizisten in Hannover prüft die Polizei einen islamistischen Hintergrund. Geklärt wird auch, ob die junge Deutsch-Marokkanerin sich zuvor im türkisch-syrischen Grenzgebiet aufgehalten hat und tatsächlich radikale Sympathien hegt. Sollte sich der Verdacht bestätigen, passt dies in das Bild einer islamistischen Radikalisierung, die vor allem junge Menschen und einen wachsenden Anteil Frauen betrifft.

Wer geht der Propaganda des Islamischen Staates und anderer radikaler islamistischer Gruppen auf dem Leim?

Die niedersächsische Präventionsstelle, an die sich Angehörige radikalisierter junger Leute richten können, zieht nach einem knappen Jahr folgende Bilanz: Bei 38 Prozent der Beratungsfälle ging es um Jugendliche unter 18, beim Rest um junge Leute zwischen 18 und 24 Jahren. 72 Prozent der Betroffenen waren Männer, 28 Prozent Frauen. Bei dem weiblichen Anteil sei ein Anstieg zu beobachten, was auch dem vom Bundeskriminalamt festgestellten Trend entspreche.

Die 15-Jährige ist noch Schülerin, wo beginnt die Propaganda?

Über soziale Medien reicht die Propaganda bis auf den Schulhof. Im niederrheinischen Dinslaken brach 2013 eine ganze Schülertruppe nach Syrien auf.

Was lockt junge Leute zu den Extremisten?

Der Osnabrücker Islamwissenschaftler Michael Kiefer erklärt, dass es oft um die Anerkennung und Aufnahme in eine Gemeinschaft geht, die gerade junge Leute anlockt, die sich in der Gesellschaft ausgeschlossen oder gescheitert fühlen. Die Ideologie des IS biete bei der Suche nach Orientierung ein komplettes Wertesystem mit klaren Strukturen nach einem strikten Schwarz-Weiß-Schema von Geboten und Verboten. Das vermittelte Gefühl sei, zu einer Avantgarde zu gehören. Zudem kultiviere der Islamische Staat in seiner Videopropaganda eine Form der Hypermännlichkeit, die starke, schwarz gekleidete und gut aussehende Kämpfer mit martialischen Waffen zeige. Dies spreche junge Männer an und locke verstärkt auch junge Frauen, die diese Kämpfer heiraten wollten.

amt/DPA
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