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Der schleichende Tod der Familie Kohl

Eine alte Hannelore-Kohl-Biografie wird neu aufgelegt, aber mit einem 27-seitigen Vorwort, das Zündstoff birgt. Sohn Peter kritisiert darin harsch den Einfluss von Kohls aktueller Frau Maike.

Von Hans Peter Schütz

  Kontrolle des Umfelds: Maike Richter-Kohl und Altkanzler Helmut Kohl im August 2012

Kontrolle des Umfelds: Maike Richter-Kohl und Altkanzler Helmut Kohl im August 2012

Die Biografie "Hannelore Kohl - ihr Leben", geschrieben von Peter Kohl und der Journalistin Dona Kujacinski, hat sich glänzend verkauft, nach Angaben des Droemer-Knaur-Verlags 230.000 Mal. Auch zehn Jahre später lohnt es sich sehr, die Neuauflage des Buchs zu lesen. Denn darin findet sich ein neues 27-seitiges Vorwort, das Peter Kohl, der jüngere der beiden Söhne Helmut Kohls, geschrieben hat. Es schildert den bitteren Weg, "den schleichenden Tod unserer Familie", wie Peter Kohl klagt.

Und beschreibt vor allem, welche Rolle dabei Maike Richter spielte, die heutige Frau des Altkanzlers. Peter Kohls bitteres Fazit: Es liefen Dinge, "fast immer unter Beteiligung von Maike Richter, die zu einer weiteren Entfremdung zwischen meinem Vater und mir bzw. meinem Vater und uns führten".

Rauswurf von Ecki

Zum Beispiel: Am 23. Februar 2008 wurde Peter spätabends von Maike Richter aus London angerufen und informiert, dass sich sein Vater bei einem Sturz schwer am Kopf verletzt habe. Maike Richter sagte, so steht es im Buch: "Er wird gerade operiert, ich weiß nicht, ob er die Nacht überleben wird." Warum hat sie ihn nach einem so schweren Schlaganfall erst so spät informiert? Peter sagt, er sei immer sehr gut erreichbar gewesen. Gefunden worden war Kohl schon am Morgen – nicht von Maike, sondern von seinem langjährigen Fahrer "Ecki", der ihr angeblich vorgeschlagen hatte, sofort die beiden Söhne anzurufen. Doch nichts sei geschehen, obwohl Kohl erkennbar in Lebensgefahr schwebte.

Oder: Nachdem Maike Richter am 8. Mai 2008 Helmut Kohl geheiratet hatte, habe sie damit begonnen, das Umfeld von Helmut Kohl einzuhegen. Alte Weggefährten mussten gehen. Zum Beispiel Ecki Seeber, der fast 50 Jahre Fahrer, Helfer und Leibwächter von Kohl war. Er musste die Schlüssel für Kohls Haus und Auto abgeben. "Ecki Seeber wurde nicht mehr vorgelassen", schreibt Peter Kohl. Nicht einmal Tschüss habe er Kohl sagen dürfen. "Der Trend des Ausgrenzens hält bis zum heutigen Tag an. Unsere familiären Kontakte wurden ab der Hochzeit immer mehr erschwert, bis sie irgendwann ganz unmöglich wurden." Seebers Rauswurf ist für Peter Kohl bis heute unverständlich. "Bei Seeber habe ich als Kind etwas erfahren, was es so nur sehr selten gibt: Unbedingte Treue und Loyalität."

Frühzeitige Beziehung

Kohls Sohn äußert sich auch zum Beginn der Beziehung zwischen Kohl und Maike Richter. Als Kohl den 75. Geburtstag feierte, habe sein Bruder etwas erfahren, "was ich gar nicht wissen wollte". Die Information war: "Ein engster Vertrauter unseres Vaters – jedoch kein Angestellter oder Beamter – datiert den Beginn der Beziehung mit Maike Richter auf die zweite Hälfte der 90er Jahre." Damals lebte die Ehefrau des Kanzlers, Hannelore Kohl, noch.

Nach ihrem Tode geschah etwas, was eine positive Beziehung zwischen den beiden Kohl-Söhnen Walter und Peter und der Frau an der Seite ihres Vaters vollends unmöglich machte. Bei einem Abendessen beim Bundespräsidenten im Schloss Bellevue, so berichtet es Peter Kohl im neuen Vorwort des Buches, habe sich Maike Richter nicht zusammen mit Helmut Kohl und den Kindern fotografieren lassen, sondern sei schnell zur Seite gerückt. Auch Helmut Kohl habe keinen Wert auf ein gemeinsames Bild gelegt. Den Grund glaubt Sohn Peter heute zu wissen: "Maike trug vermutlich anlässlich des Abendessens Sachen unserer Mutter, unter anderem Teile ihres Hochzeitschmucks, den sie bereits 1960 getragen hatte."

Wohnung wie ein Museum

Ihre Kontrolle über das Umfeld Helmut Kohls führte nach Darstellung Peters auch dazu, dass die Kinder nicht zur Hochzeit im Jahr 2008 in London eingeladen waren. Den Bericht über die Heirat entdeckte Peter zufällig auf bild.de im Mai 2008. Darin hieß es, er und sein Bruder hätten nicht zur Hochzeit kommen wollen. Dabei sei ihnen der Hochzeitstermin nie mitgeteilt worden. Peter Kohl: "Diese Form der Berichterstattung über einen sehr intimen Anlass hatte es bei den Kohls noch nie gegeben und wäre zu Lebzeiten meiner Mutter völlig indiskutabel gewesen." Und der Sohn fügte mit Blick auf den Vater traurig an: "Ich kann nicht glauben, dass er es so gewollt hat."

Noch ein anderes Ereignis scheint Peter Kohl berichtenswert. Er erinnert sich daran, wie er, nachdem ihm der Vater Anfang 2004 eröffnet hatte, dass er eine neue Lebenspartnerin gefunden habe, zum ersten Mal in Maike Richters Berliner Wohnung vorbei gekommen wäre. Er war perplex: "Ich war in eine Art privates Helmut-Kohl-Museum geraten." Wohin er geblickt habe, hätten Kohl-Fotographien gehangen, unter Glas sogar ein gerahmter Brief Kohls. "Das Ganze sah nach jahrzehntelanger, akribischer Sammelleidenschaft zum Zwecke der Heldenverehrung aus, wie man es vielleicht auch von Berichten über Stalker kennt."

Zerwürfnis mit Heribert Schwan

Was war aus der Sicht des Sohnes das Lebensziel seiner Stiefmutter? Peter Kohl: "Es drängte sich der Eindruck auf, es ginge ihr darum, alle Verbindungen oder Erinnerungen an Hannelore Kohl, ihre Kinder und Enkel möglichst zu kappen bzw. auszulöschen." Und: "Ich war einer der Bösen, dem der Zugang zu seinem Vater nach und nach verwehrt wurde."

In diese Interpretation passt auch die Tatsache, dass 2009 die bis dahin fast zehnjährige Zusammenarbeit zwischen den Journalisten Heribert Schwan und Helmut Kohl beendet wurde, indem "Maike Richter ihn abrupt vor die Tür gesetzt hat".

Dass der Familienfriede bald zurückkehren kann, ist kaum vorstellbar. Das Berliner Büro von Helmut Kohl, lehnte es auf Anfrage von stern.de ab, darüber zu sprechen, ob sie das neue Vorwort von Sohn Peter überhaupt kennen. Es erklärte jedoch, man werde sich zu dieser Frage noch melden und Stellung beziehen.

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