16. Dezember 2008, 09:00 Uhr

Mittelstand verweigert Jobgarantie

Der Vorschlag entzweit die Wirtschaft: Beim Expertengipfel im Kanzleramt entstand die Idee, dass die Dax-Unternehmen im Jahr 2009 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten sollten. Ein Vorbild für die gesamte Wirtschaft? Mitnichten: Der deutsche Mittelstand will dabei nicht mitspielen.

Mittelständische Unternehmen stellen etwa 70 Prozent aller deutschen Arbeitsplätze

Der deutsche Mittelstand lehnt einen pauschalen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen im Rezessionsjahr 2009 ab. "Lippenbekenntnisse helfen niemandem", sagte der Präsident des Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, dem "Münchner Merkur". Er sei jedoch davon überzeugt, dass die mittelständischen Unternehmen "auch 2009 trotz schwierigster Rahmenbedingungen ihrer beschäftigungspolitischen Verantwortung gerecht werden".

"Der Mittelstand macht keine großen Worte, sondern er handelt", sagte Ohoven. "Die Klein- und Mittelbetriebe stellen verlässlich 70 Prozent aller Arbeitsplätze in unserem Land."

Der Präsident des Verbandes der Familienunternehmer (ASU), Patrick Adenauer, sagte der "Bild"-Zeitung: "Ich halte es für sehr schwierig, in wirtschaftlich so turbulenten Zeiten Arbeitsplatzgarantien auszusprechen." Niemand könne wissen, wie sich die Lage 2009 entwickeln werde. Die beste Arbeitsplatzgarantie sei es, "wenn die Kunden für Nachfrage sorgen und unsere Produkte und Dienstleistungen kaufen".

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall warnte ebenfalls vor überzogenen Erwartungen an Arbeitsplatzzusagen der Wirtschaft. "Eine Garantie, dass es keine Entlassungen geben wird, kann die Wirtschaft insgesamt nicht abgeben", sagte Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Ulrich Brocker der "Frankfurter Rundschau". Allerdings werde jeder einzelne Betrieb alles tun, um so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten.

Hundt bekräftigt Beschäftigungs-Moratorium

Demgegenüber hat Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt die Bereitschaft der Wirtschaft für ein Beschäftigungs-Moratorium bekräftigt. "Ich bin zuversichtlich, dass Dax-Unternehmen bereit und in der Lage sein werden, eine Zusage zu geben, in der Krise auf betriebsbedingte Beendigungskündigungen möglichst zu verzichten", sagte Hundt dem "Handelsblatt".

Bei dem Krisentreffen im Kanzleramt am Sonntag hatten Wirtschaftsvertreter eine Art Selbstverpflichtung der Industrie vorgeschlagen, trotz der 2009 erwarteten Rezession auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Dabei soll auch eine Änderung des bereits verlängerten Kurzarbeitergeldes zur Sprache gekommen sein.

Kanzlerin Angela Merkel hatte angekündigt, noch im Januar die Chefs der 30 größten Dax-Konzerne einzuladen und sie auf eine Jobgarantie im Rezessionsjahr 2009 einzuschwören.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Nursery (16.12.2008, 18:07 Uhr)
Kaffekränzchen
Wieder einmal ein Kaffeekränzchen um den Menschen draußen Handlung unter Beweis zu stellen.Es ist schon fast unerträglich in was für Kurzer Zeit"Sprechblasen" produziert werden.Merkel und Co. ist einfach nur Unfähig.
Corazito3333 (16.12.2008, 15:30 Uhr)
Leere Versprechungen...
Irgendwas müssen die Konzern-Manger ja versprechen für die Millionen und Milliarden die in ihre Taschen wandern, denn der Arbeiter kriegt sie nicht - dafür kriegt der eine Arbeisplatzgarantie und wenns nicht klappt müssen halt wieder Millies an Steuergeldern rüberwachsen. Der Mittelstand verspricht nix.... der kriegt ja auch nix, drum verpricht er nix. Und wir haben die neue Sklaverei, die Lohnsklaven der Zeitarbeitsfirmen - vielleicht geben ja Zeitarbeitsfirmen auch Garantien, wenn man denen Millionen gibt???!!! Und was würde passieren, keine Milliaren mehr an die Manager und dafür Abfindungen an die "Arbeitslosen" - vielleicht wäre das billiger und würde neue Perspektiven eröffnen, ne schlechte Idee, die können mit Geld nicht umgehen, die würden nur alles in den Konsum stecken und danach fallen sie dem Staat zur Last - aber der Konsum wäre angekurbelt!!!!!!!!!!
Benkku (16.12.2008, 12:52 Uhr)
Verbietet die Leih- und Zeitarbeitsfirmen!
Volkswagen braucht momentan keinen zu entlassen. Das besorgt die Zeitarbeitsfirma. Es soll sich dabei um 400 Sklavenarbeitskräfte handeln.
Burner (16.12.2008, 12:47 Uhr)
Realität vs. Schönmalerei
Der Mittelstand ist wenigstens ehrlich, oder glaubt jemand, dass sich die Manger von Großkonzernen noch an ihr Versprechen erinnern, wenn sie aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen sind Menschen zu entlassen?! In der jetzigen wirtschaftlichen Lage kann niemand eine Garantie geben, wer daran glaubt leidet unter akutem Realitätsverlust.
hannes_schinder (16.12.2008, 11:26 Uhr)
Der Mittelstand
kann gar keine Jobgarantie abgeben, das ist der totale Schwachsinn, gefragt sind die Absahner in der Großindustrie und die Zocker an dcer Börse.
Buureremmel (16.12.2008, 11:01 Uhr)
Es ehrt den Mittelstand,
dass er sich weigert, der Politik billige, wertlose Parolen zu liefern, die diese dann dem Mob als Placebo an Stelle eigener Taten verabreichen kann.
sportartmakler (16.12.2008, 10:59 Uhr)
jobgarantie gibts beim beamten und sonst nirgends
diese sinnlos aktion unserer frontfrau, viel schauspielerisches gewese für nichts. sie möcht die dax-unternehmen einschwören - na dann gehts ja vorwärts
p_hakel (16.12.2008, 10:15 Uhr)
Große Sprüche
kosten wirklich nix, zumal unsere Politiker alle 2 Stunden ein "reset" im Hirn durchführen. Frei nach dem Motto: "Was stört mich mein Geschwätz von gestern" Übrigens: Waldorfschüler würden statt Reden einen Ausdruckstanz veranstalten und regieren würden die auch nicht..... Abern ein sooo großer Unterschied zu unserer SED Regierung ist das derzeit auch nicht
ArthurMueller (16.12.2008, 09:58 Uhr)
Die Arbeitsplatzgarantie kostet doch nix...
insofern die Arbeitnehmer nicht auch noch ihre Arbeit entlohnt haben wollen...so ein Schmarrn!!! Sind denn die politiker total aua??? Werden wir von einem Heer von Walddorfschule-Absolventen regiert?
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