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9. Oktober 2007, 15:55 Uhr

Wo hat Deutschland Zukunft?

Wie gut sind die deutschen Regionen für die Zukunft in einer Wissensgesellschaft gewappnet? Eine Studie kommt zu einer ernüchternden Erkenntnis: Ostdeutschland ist in punkto Kreativität, Talent und Weltoffenheit ein hoffnungsloser Fall. Wir zeigen die Karten zum Talent-Index.

Weltoffenheit, Talent, Technologie - diese drei Kriterien sind der Treibstoff für die regionale Entwicklung© Colourbox.com

Bildung schafft Wohlstand: Auf diese Kurzformel lassen sich neueste Erkenntnisse über die Einkommensquellen zukünftiger Gesellschaften - und Regionen - bringen. Denn die Zukunftsfähigkeit der Regionen lässt sich nicht nur nach gängigen marktwirtschaftlichen Kennziffern wie Bruttoinlandsprodukt oder Pro-Kopf-Einkommen ermitteln. Auch Kreativität, Talent und Toleranz sind wichtige Maßstäbe für die Wissensgesellschaft der Zukunft. Das Berlin-Institut hat dieses Modell in der Studie "Talente, Technolgie und Toleranz - wo Deutschland Zukunft hat" erstmals auf die 16 deutschen Bundesländer angewendet.

Demnach gedeihen vor allem "kreative" Gesellschaften, weil sie vorhandenes Wissen am besten und schnellsten zu neuen, lukrativen Produkten und Dienstleistungen kombinieren können. Aber auch der Umgang mit Neuem und Fremdem hat laut dem Berlin-Institut einen Einfluss auf die Zukunftsfähigkeit: In einer globalisierten Welt, in der Wanderbewegungen zunehmen, profitieren jene am meisten, die Migranten gegenüber offen sind und sie mitsamt ihrem Wissen möglichst schnell und nutzbringend in die eigene Gesellschaft integrieren.

Dabei herrschen laut der Studie zwischen den deutschen Bundesländern große Unterschiede. Das liegt - besonders bei der Wirtschaftskraft und dem Beschäftigungsangebot - vor allem an den politischen und sozialen Rahmenbedingungen. Berlin hat, gemessen an den Kriterien von Talent, Technologie und Toleranz (TTT), das größte kreative Potenzial aller deutschen Bundesländer. Bedenklich ist die Situation für die neuen Bundesländer.

Ostdeutschen Länder weit abgeschlagen

Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern haben nach den TTT-Kriterien des Berlin-Instituts relativ geringes Potenzial. Vor allem mangelt es an Offenheit gegenüber fremden Einflüssen. Dies aber ist die Voraussetzung für eine Zuwanderung von Qualifizierten, die künftig vermehrt aus dem Ausland kommen werden.

Zuwanderung wiederum wäre dringend geboten, weil Deutschlands Osten aufgrund der massiven Abwanderung vor allem junger Frauen und der sehr niedrigen Kinderzahlen aus eigener demografischer Kraft kaum eine langfristige Überlebenschance hat. Das heutige Wachstum in den neuen Bundesländern beruht im Wesentlichen auf Transferleistungen und ist deshalb kaum nachhaltig. Auch das zeigt die vorliegende Untersuchung.

Berlin gewinnt - mit Schwachpunkten

Berlin hat als Großstadt in Sachen TTT ähnliche Voraussetzungen wie die Hansestadt Hamburg. In diesen beiden Metropolen tummeln sich nach Erkenntnissen des Berlin-Instituts deutschlandweit die meisten Kreativen, und kulturell herrscht die größte Offenheit. Doch während es die Hamburger schaffen, aus ihren Fähigkeiten einen überproportionalen Wohlstand zu erwirtschaften, hinkt die Hauptstadt hinterher: Dort liegt die Arbeitslosigkeit nach wie vor auf hohem Niveau, es werden vergleichsweise wenig neue Stellen geschaffen, und auch die Industrie ziert sich mit Neuansiedlungen, so die Studien-Autoren.

Aus der Analyse der Studienergebnisse wird deutlich, wo die Entwicklungsdefizite der Regionen liegen: Während beispielsweise Berlin kaum Nutzen aus seinen hohen Ausgaben im Forschungs- und Entwicklungsbereich zieht und deshalb seine Ansiedlungspolitik für Wirtschaftsunternehmen verbessern sollte, investiert Hamburg trotz einer guten Standortpolitik zu wenig in Forschung und Technologie. Würde die Hansestadt diese einzige Schwäche beheben, würde sie das bundesweite TTT-Ranking anführen.

Bayern ist nicht weltoffen

Aber auch die wirtschaftlich erfolgreichen Regionen im Süden Deutschlands könnten ihre Attraktivität weiter verbessern. Laut der Studie vor allem Bayern entspricht mit einem vergleichsweise hohen Maß an Vorbehalten gegenüber Fremdem nicht dem Bild einer modernen weltoffenen Technologieregion.

Dennoch - auch in Deutschland sind Talente, Technologie und Toleranz, also alle drei T, Voraussetzungen für Wachstum. Wo sie zusammenkommen, so das Ergebnis der Studie, sammelt sich Humanvermögen, Infrastruktur und Lebensqualität. Diese Mischung ist dann kaum zu schlagen: erstens gut ausgebildete Fachkräfte, vor allem in Zukunftsbranchen wie der Informationstechnologie und den Ingenieurwissenschaften; zweitens eine Forschungslandschaft mit qualitativ hochwertigen Ausbildungsstätten; und drittens Offenheit und Toleranz gegenüber Migranten, Minderheiten und künstlerisch Aktiven. Denn wo diese Eliten leben, denken und arbeiten, entstehen Wohlstand, neue Arbeitsplätze - und ein Umfeld, das weitere Kreative anlockt und zum Bleiben bewegt. Dann klappt's auch mit der Zukunft.

Das Modell der Wissensgesellschaft Wissensgesellschaften erwirtschaften ihren Wohlstand immer weniger aus Rohstoffen und Massenprodukten, sondern stärker aus Know-how und intellektuellen Fähigkeiten. Besonders die Industrienationen begreifen Bildung und Gebildete als ihr wichtigstes Kapital. Nur so, lautet der allgemeine Tenor, könne die Lebensqualität ihrer Gesellschaften mit immer weniger Rohstoffen gewährleistet werden.

spi
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
xrmb (10.10.2007, 03:59 Uhr)
Karten komplette falsch?
Karte 1: Ostdeutschland hoffnungslos hinten. Aha. Alle bis auf Sachsen-Anhalt sind besser als NRW. Sachsen (angeblich gerade mal besser als Saarland) ist besser als jedes West-BL (aussern Hamburg).
Ich vermute das ich mir das lesen des Artikels sparen kann?
nilux (09.10.2007, 23:35 Uhr)
Die "Kreativen" ?
Ist es Zufall, dass nach einer Studie des Berlin-Instituts die Stadt Berlin als Match-Winner dasteht, obwohl sie, laut der Studie, ihr Potenzial eigentlich gar nicht nutzt? Ist das Modell, wonach die Anzahl der "Kreativen" für die Zukunftsfähigkeit einer Region ausschlaggebend ist, wirklich anwendbar, wenn dieser ein Heer von absolut Ungebildeten gegenübersteht?
Es ist schon merkwürdig: Die Ballungszentren werden als die Zukunftsregionen gefeiert, deren eigentliche Probleme aber gar nicht betrachtet. Eine vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit, die gescheiterte Integration von Immigranten, die geringe Wirtschaftkraft und eine desolate Finanzsituation einer Stadt wie Berlin sprechen eine andere Sprache. Es ist aber die Sprache der Realität. Die Anzahl von Hochqualifizierten (oder "Kreativen") als Gradmesser für die Entwicklungsfähigkeit einer Region heranzuziehen ist absurd. Das gesamte Bildungsniveau ist entscheidend.
Letzte Woche noch stellte Familienministerin von der Leyen im Familienatlas' 2007 dem Osten Deutschlands, aber auch einigen Teile in Norddeutschland Bestnoten im Bezug zum Lebenswert von Familien aus. Komischerweise steht dies der Studie vom Berlin-Institut diametral gegenüber.
Die Studie hat Schwächen, ist insgesamt aber ohnehin nutzlos !
QFThunk (09.10.2007, 22:57 Uhr)
Ich muß gleich würgen!
Wieder eine dieser "intelligenten" Studien....
Berlin hat die größten Wachstumschancen - logisch, ein Steher, der zu gehen beginnt, hat anteilig eine höhere Beschleunigung, als ein Läufer, der zum Sprint ansetzt. Oh du großes Potential!
DER OSTEN IST NICHT KREATIV! Stimmt - da hausen ja nur Alte, Asoziale, Hauptschulabgänger, Ausländerverprügler, ....
Der Osten ist nicht weltoffen: "Vor allem mangelt es an Offenheit gegenüber fremden Einflüssen. Dies aber ist die Voraussetzung für eine Zuwanderung von Qualifizierten, die künftig vermehrt aus dem Ausland kommen werden." Ich kann es verstehen, wenn die Leute IN GANZ DEUTSCHLAND Angst davor haben, daß auch hochqualifizierte Arbeitsplätze durch Billigarbeiter aus dem Ausland verschwinden! Mir geht es doch genauso! Anfangs wurden im Bausektor die Löhne gedrückt, dann in der Industrie (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,509990,00.html), jetzt träumt
die deutsche Wirtschaft vom Ukrainischen Ingeneur, der für 1500 € Brutto im Ländle schaffen geht.
Seit Jahren haben Wissenschaftler gepredigt, daß die Industrie ausbilden soll. Jetzt sind die Folgen erkennbar: sogenannter Fachkräftemangel (ich stelle keinen Vorsatz in den Raum!).
Anstatt auf die Arbeitämter zuzugehen und für die Qualifikation von Arbeitslosen zu sorgen, drängt die deutsche Wirtschaft auf die Einwanderung von Billigarbeitern. Das ist der falsche Weg. Und wenn dieser Weg weiter beschritten wird, nimmt es mit unserem Land ein böses Ende!
-QFT-
r-t-ficial (09.10.2007, 22:23 Uhr)
Wieder eine sinnlose Studie...
Kaum eine Woche nach Frau von der Leyens Versuch, die neuen Bundesländer als potentiell blühende Landschaften und zukünftiger Krippenplatz junger Familien zu verkaufen, wird eine neue Studie veröffentlicht, die aufrütteln soll: Berlin die Hauptstadt der Toleranz und Völkerverständigung versus Rest-Ostdeutschland, hoffnungslos und unbelehrbar - so polar sieht das Schicksal des Informationsstandorts Deutschland aus. Wenn das nicht mal ein zufälliges zeitliches Aufeinandertreffen ist!
Das westliche Anhängsel bleibt in beiden Dokumenten Nebenschauplatz: etablierte Infrastruktur, die inzwischen eine mehr oder minder angestaubte Kruste besitzt und der Fingerzeig, dass nur Streben nach Verbesserung den Absturz verhindert ist wahrlich nichts Neues, ebenso dass unsere Bayern gern ihr eigenes Süppchen kochen würden...mit all den daraus resultierenden Vor- und Nachteilen.
Eine Studie mehr die das Geld nicht wert ist, dass in sie gesteckt wurde.
Nach all den Analysen und Evaluationen aus den vergangenen Jahrzehnte seit der Wiedervereinigung wäre es wünschenswert, wenn sich unser unüberschaubar gewordener Pool an weisen Instituten und Stiftungen aller "unabhängiger" Couleurs so langsam dazu bequemen würden, ein ebenso breites Spekrum an Lösungsansätzen zu präsentieren. Die Frage OB wir ein Problem mit der Entwicklung unseres Landes haben, ist geklärt. WER dafür verantwortlich ist bleibt Ansichtssache. Doch WIE wir die bestehenden (und kommenden) Aufgaben lösen?...Stille im politischen Blätterwald.
Centa1999 (09.10.2007, 22:23 Uhr)
Wissen schafft Wohlstand
Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel „Bildung schafft Wohlstand“ sowie „Modell der Wissensgesellschaften“ gelesen.
Um diese Bildung zu vervielfältigen und möglichst alle daran teilhaben zu lassen, gehört immer mehr Schulung und Aufklärung im Sinne einer breit gefächerten Allgemeinbildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen dazu. Unser bisheriges Bildungssystem tut da noch sehr wenig, um in Verbindung von Talenten, Bildung und Kreativität also dem Umsetzen der Talente plus des erlernten Wissens Wohlstand zu schaffen. Unsere Regierung hat noch zu viele „Fußangeln“ sowie Reglementierungen, um die freie Entfaltung solcher kreativer Talente mit ständig sich fortsetzender Bildung und Weiterbildung diese neue Wohlstandsgesellschaft schaffen zu können. Wenn durch Fort- und Weiterbildung sowie Förderung der Talente auf sämtlichen sich ja ergänzenden Gebieten neue wirtschaftliche Verbindungen entstehen könnten, wäre die jetzt noch immer größer werdende Armut zu besiegen. Auch die Solidärität könnte sich so wieder im sozialen Leben entwickeln und Gemeinsamkeiten statt Konkurrenzen zu schaffen. Auch durch Migration von Menschen anderer Kulturen sowie durch Austausch von geistigen und kulturellen Gütern kann unser Wissen erweitert werden sowie ein besseres Verständnis für diese noch „fremden“ Kulturen entstehen. Betonköpfe habe mit ihrer Intoleranz jedoch wenig bis keinen Platz in einer solchen offenen Wissensgesellschaft.
Mette Kramer
Roy05441 (09.10.2007, 16:55 Uhr)
Wo hat Deutschland bei dießer Politik...
Zukunft? Frag ich mich verzückt!
Zerstritten von Oben bis Unten!
Kein Konzept für kontinuierliche Ausbildung gefunden! z.Bsp. den Hauptschul-Abschluss er schafft, wird von Verbänden kaputt er gemacht! Da hat die gesamte Industrie verschlafen, ein Verband ist das Eine, die anderen Affen!
So zeugen die deutschen Menschen keine Kinder, weil sie nicht wissen, wie kuhzünftige Politiker in die eigenen Hosen denn pissen!
So wie es aussieht wollen sämtliche Parteien, dass alle Deutschen Familien sich kinderlos kasteien, um kritiklos ihre eigenen Konten zu weihen!
Ein ganzes Volk tritt ein in's Zöllibat, nicht einer der heutigen Trottel einen Nachfolger hat!
 
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