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"Entscheiden, wie wir den Krieg führen"

Nach stern.de-Informationen hat der Bundespräsident der "Bild"-Zeitung gedroht - er hat aber auch um Verschiebung gebeten. Es war ein verstörender Anruf.

Von Frank Thomsen

  Internet-Scherz über Wulffs-Mailbox-Nachricht: stern.de liegen Informationen vor, was Wulff auf der Mailbox vom "Bild"-Chef hinterlassen hatte

Internet-Scherz über Wulffs-Mailbox-Nachricht: stern.de liegen Informationen vor, was Wulff auf der Mailbox vom "Bild"-Chef hinterlassen hatte

Die Mailbox des Chefredakteurs der "Bild"-Zeitung enthält ein Staatsgeheimnis: Was hat der Bundespräsident am frühen Abend des 12. Dezember draufgesprochen? Stimmt Christian Wulffs Version, es sei ihm darum gegangen, "der Bild-Zeitung meine Sicht darzulegen, bevor sie über eine Veröffentlichung entscheidet"? Oder stimmt, was verschiedene Medien aus dem Gespräch zitiert haben - wonach Wulff dem Springer-Verlag handfest droht und die Berichterstattung verhindern will?

Die Antwort fällt nach stern.de-Informationen einfach aus: Beides ist richtig - was es für Wulff nicht besser macht.

Wulffs Anruf beim Chef des Boulevardblattes, das ihn und vor allem seine Frau früher so hofiert hatte, dauert nach stern.de-Informationen länger als eine Minute. Wulff spricht eher kühl als aufgebracht. Es beginnt, wie schon bekannt, mit der kuriosen Einleitung, er, Wulff, befinde sich gerade "auf dem Weg zum Emir". Er sei stark eingespannt auf seiner Reise durch die Golfstaaten, habe täglich von acht bis elf Uhr Termine.

Wulff spricht von sich in der 3. Person

Und tatsächlich, Wulff fragt im Laufe der Bandansage, ob die "Bild" mit der Veröffentlichung nicht warten könne, "bis das Staatsoberhaupt von der Auslandsreise" zurück sei. Der Präsident spricht hier über sich selbst in der 3. Person.

Allerdings: Dabei belässt es Wulff nicht. Er schlägt vor, dass man sich direkt nach seiner Rückkehr zusammensetzen könne, und dann lädt er verbal durch: "Dann können wir entscheiden, wie wir Krieg führen wollen." Er droht mit Strafantrag, seine Anwälte seien "bereits beauftragt". Er werde am Mittwochmorgen - also zwei Tage nach dem Anruf, dann wieder in Berlin - mit seiner Frau eine Pressekonferenz geben, dort werde es um die Methoden der "Bild"-Zeitung gehen. Wie bekannt, fallen dann noch die Worte "Rubikon überschritten" und "endgültiger Bruch mit dem Springer-Verlag".

Wulff selbst hat diese Passagen der Bandansage nicht bestätigt, sich aber so dazu geäußert: "Meine Nachricht ... war ein schwerer Fehler." Die Worte seien "in einer außergewöhnlich emotional angespannten Situation" gefallen.

Ein Anruf für das Haus der Geschichte

Wulff hatte nicht nur beim "Bild"-Chef angerufen, sondern auch mit dem Chef des Springer-Verlags, Mathias Döpfner, telefoniert. Nach stern.de-Informationen liegt dagegen, anders als bisher berichtet, sein Versuch einer Kontaktaufnahme mit der Verlagseignerin Friede Springer schon länger zurück und stand nicht im Zusammenhang mit der Kreditaffäre.

Die Mailbox-Affäre bleibt für Wulff unangenehm und politisch ein Skandal. Auch der zeitliche Kontext legt nahe, dass der Anruf so etwas wie Wulffs Ultima ratio war: Am Sonntag, 11. Dezember, hatte "Bild" ihn mit Fragen zu seinem Hauskredit konfrontiert. Er hatte um einen Tag Aufschub gebeten und diesen erhalten. Am Montag beantwortete Wulffs Sprecher dann zunächst die Fragen, wenig später ließ Wulff die Fragen zurückziehen und wählte die Handynummer des "Bild"-Chefredakteurs.

Es ist ein Anruf fürs Haus der Geschichte: Noch nie hat sich ein Bundespräsident so sehr blamiert und am Grundrecht der Pressefreiheit genagt. Und noch nie stand der Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, zu deren Methoden es zählt, Menschen hoch und Menschen runter zu schreiben, so sehr als Opfer da.

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