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Noch einmal winken - das war's

Jazz im Garten von Schloss Bellevue, vor der Tür Hunderte, die dem Bundespräsidenten a. D. gerne nochmal die Hand geschüttelt hätten. Ein Abend in Berlin.

Von Lutz Kinkel

Es ist alles gesagt. Es gibt nichts mehr zu tun. So würde es Samuel Bekett formulieren. Horst Köhler sagte: "Zu den Gründen meines Rücktritts habe ich mich bereits geäußert. Dem ist nichts hinzuzufügen. Ich habe die Entscheidung getroffen, die ich für richtig hielt und weiterhin für richtig halte." Drei Minuten sprach er auf dem Empfang auf Schloss Bellevue, seinem letzten an diesem Ort. Dann begann der große Zapfenstreich. Das Finale.

Es war ein wunderschöner Sommerabend in Berlin, der Himmel strahlend blau, Vogelgezwitscher in den Bäumen. Vor Schloss Bellevue hatten sich hunderte Menschen versammelt, sie hofften, Horst Köhler noch einmal die Hand drücken zu können. Die Frage, warum es kein "public viewing" des Zapfenstreichs gäbe, machte die Runde, und sie war ernst gemeint. Doch der "Bürgerpräsident" Köhler war zu dieser Stunde nicht bei den Bürgern. Sondern auf der anderen Seite, im Park des Schlosses, der nicht von der Straße aus einsehbar ist. In der ersten Sitzreihe der Gäste: Kanzlerin Angela Merkel und ihr Ehemann Joachim Sauer, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Außenminister Guido Westerwelle, Altpräsident Richard von Weizsäcker nebst Gattin. Doch damit hatte es sich auch schon mit der politischen Prominenz. Freunde Köhlers waren da, Mitarbeiter des Bundespräsidialamtes und deren Partner.

Der Zapfenstreich - zum dritten Mal

Drei Mal seit Beginn der schwarz-gelben Koalition hat das Stabsmusikkorps der Bundeswehr nun bereits den großen Zapfenstreich vorgetragen. Zunächst beim Abschied des Verteidigungsministers Franz-Josef Jung, dann für den Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhahn, nun für Horst Köhler. In allen Fällen hatten der Abschied etwas mit dem Afghanistan-Einsatz zu tun. Köhler hatte sein Amt aufgegeben, weil er die Kritik an einer Äußerung, die er in einem Interview über den Zusammenhang von Handelswegen und Kriegen gemacht hatte, respektlos fand. Aber das war wohl nur der Auslöser. Köhler hatte sich zunehmend isoliert, seine Botschaften hatten in der Politik kein Gehör mehr gefunden.

Jetzt hörten alle nochmal zu. Leise und andächtig. Das Bundeswehrorchester spielte auf Wunsch Köhlers den "St. Louis Blues March" von Christopher William Handy, ein Stück, das sich anhörte, als wollte der Bundespräsident a. D. noch einmal seinen Eigensinn beweisen: Jazz, vorgetragen von Uniformierten. Hätten sie auch singen müssen, wären ein paar interessante Textzeilen zu hören gewesen. Zum Beispiel diese: "Ich hasse es, die Sonne untergehen zu sehen." Oder diese: "Ich packe meine Koffer und mache mich aus dem Staub."

Wer soll Bundespräsident werden?

Gepackte Koffer

Tatsächlich hat Köhler die Koffer längst gepackt - sein Büro auf Schloss Bellevue ist leer, seine Dienstvilla im feinen Berlin-Dahlem muss er vermutlich räumen. Ihm bleibt der "Ehrensold" von 199.000 Euro pro Jahr, das Anrecht auf ein eigenes Büro, Dienstwagen, Büroleiter und Sekretärin. Seine Mitarbeiter haben es schwerer. Die Sprecherin zum Beispiel, die Köhler eingestellt hatte, hatte ihren Dienst einen Tag nach seinem überraschenden Rücktritt angetreten. Nun hat sie, vorläufig, einen Vertrag für sechs Wochen. Noch ist unklar, ob der kommende Präsident sie übernehmen wird.

Köhler hatte sich am Morgen von seinen Mitarbeitern verabschiedet, ihnen Mut zugesprochen und jeweils ein Foto von sich geschenkt. Immerhin: Die Politik kam nicht ganz so gut weg. Teilnehmer des Empfangs vor dem Zapfenstreich sagten später, Köhler habe Merkel und Westerwelle in seiner Ansprache nicht namentlich begrüßt, sondern nur abstrakt die anwesenden "Verfassungsorgane" willkommen geheißen. Verbürgt ist, dass er den Satz sagte: "Respekt und Wahrhaftigkeit sollten in der Politik unseres Landes einen festen Platz behalten." Das war eine letzte Mahnung, zweifellos.

Auf der Treppe, winkend

Nach dem Zapfenstreich, den Köhler auf einem rot ausgeschlagenen Podest stehend abgenommen hatte - neben ihm Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, Bundesratspräsident Jens Böhrnsen und Generalinspekteur Volker Wieker - ging der Bundespräsident a. D. noch einmal die Treppen zum Schloss hoch. Er blieb kurz stehen, winkte - das war's.

Der Kampf um seine Nachfolge ist bereits voll entbrannt. Und es ist schon abzusehen, dass er wenig mit "Respekt" und "Wahrhaftigkeit" zu tun hat. Aber viel mit der politischen Lage seit dem Tag nach Köhlers Rücktritt.

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