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22. Dezember 2008, 13:24 Uhr

TSGs Ausflug ins Nirwana

Die Hessen-SPD kann es nicht lassen, sich bei moderaten Wählern unmöglich zu machen. Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel fordert nun eine Zwangsanleihe für Reiche. Er verschreckt die bürgerliche Klientel, biedert sich der Linkspartei an - und dokumentiert die wirtschaftspolitische Hilflosigkeit der SPD. Von Hans Peter Schütz

Der hessische SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel, gern auch TSG genannt© Thomas Bohlen/Reuters

Man kennt den Trick seit langem: Wenn sich nachrichtenarme Tage nähern, etwa zwischen den Jahren, dürfen die drittklassigen Polit-Kräfte nach vorn an die Mikrophone. Sie jubeln dann raus, was als politisches Ziel zwar keine Realitätschance besitzt, aber immerhin für die schnelle Schlagzeile sorgt. Früher hätte Thorsten Schäfer-Gümbel in dieser politischen Kreisklasse antreten können, nichts wäre weiter geschehen. Dass er dies jetzt jedoch auch in der für ihn gewiss überraschenden Position des hessischen SPD-Spitzenkandidaten tut, ist zwar verständlich, aber ziemlich unklug.

Zwangsabgabe völlig chancenlos

Und viel zu durchsichtig in seiner Zielsetzung: Auch der Fast-noch-immer-Amateur Schäfer-Gümbel muss wissen, dass sein Ruf nach einer Zwangsabgabe für Reiche komplett chancenlos ist. Nie und nimmer wird sich die Große Koalition auch nur mit halben Gedanken auf diesen Vorschlag einlassen. Noch in guter Erinnerung ist bekanntlich, wie massiv sich CDU und vor allem CSU bei der Neuregelung der Erbschaftssteuer gegen eine Steuerbelastung ins Zeug gelegt haben, wie sie in anderen Ländern durchaus üblich ist. Zwar ist die Ausgabe von Staatsobligationen ein durchaus übliches Verfahren der Geldbeschaffung. Aber für einen Zinssatz von 2,5 Prozent über eine Laufzeit von 15 Jahren, würde der Vorschlag des hessischen Genossen allenfalls eine verstärkte Kapitalflucht ins Ausland bewirken.

Aber um eine zusätzlich staatliche Finanzquelle geht es Schäfer-Gümbel gar nicht. Er sucht lediglich nach einem Wahlkampfthema, mit dem er den einzigen denkbaren "Sieg" bei der Hessenwahl im Januar erzielen könnte. Über dreißig Prozent SPD-Stimmen wird er nicht kommen, und das ist dann eine erhebliche Schlappe im Vergleich zu dem 37-Prozent-Wahlergebnis, das Andrea Ypsilanti erzielt hat. Bleibt ihrem Nachfolger der Versuch, wenigstens die Linkspartei wieder aus dem Wiesbadener Landtag zu kegeln. Sehr fraglich ist allerdings, ob das populistische Manöver die Abwanderung der SPD-Wähler stoppen wird. Die Linkspartei tönt mit dem Ruf nach stärkerer Belastung der Reichen schon wesentlich länger herum und auch erheblich lauter. Da kann Jedermann schnell auf den Gedanken kommen, in diesem Fall lieber das Original als den Imitator zu wählen.

Welche Partei entlastet wen?

Wählbarer wird die SPD nicht durch solches Gerede im Kampf gegen die Wirtschaftskrise. Wenn schon müsste sie Vorschläge machen, mit welchen Maßnahmen sie sich für jene Arbeitnehmer einsetzen will, die fleißig ihrem Job nachgehen, aber durch die Politik der Großen Koalition immer stärker über die kalte Steuerprogression abgestraft werden. Das sollte vor allem die Berliner SPD-Spitze bedenken, die bislang nicht in der Lage war, ein Krisenkonzept auf den Tisch zu legen, bei dem Steuersenkungen nicht rundum ausgeschlossen sind.

Dass Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier jetzt mit der Idee herumläuft, notfalls müsse ein Konjunkturpaket ohne Steuersenkungen eben gegen den Willen der CSU beschlossen werden, passt zu der bisherigen sozialdemokratischen Ratlosigkeit. Erstens kann die CDU diesen Weg auf keinen Fall mitgehen, weil zwischen CDU und CSU solche Kursmanöver per Fraktionsvertrag verboten sind. Zweitens muss die SPD sich endlich dort wieder wählbarer machen, wo sie dank Gerhard Schröder und Wolfgang Clement lange Zeit ordentlich wählbar war - im bürgerlichen Lager.

Diesem Profilierungsdruck wird man nicht gerecht, wenn man Schäfer-Gümbel einfach drauf los reden lässt. Mit einem Wahlkampf, der laut SPD-Chef Franz Müntefering auf "Vernunft und Argumentation" setzen soll, hat die Zwangsanleihe jedenfalls nichts zu tun. Die Hessen-SPD sollte deshalb endlich mal in ihrer Parteizentrale wenigstens gedankliche Zwangsanleihen zeichnen.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 40)
 
ganzbaf (24.12.2008, 14:47 Uhr)
Maßnahmen zur Re-Umverteilung tun natürlich not

Schon aus dem Gedanken der christlichen Nächstenliebe heraus.
.
Wie jedes Kind weiß, kommen die Völler und Reichen nicht in den Himmel.
Dagegen muß etwas getan werden, Heureka!... ;-Ää
Jens62 (24.12.2008, 11:51 Uhr)
Komisch:
Grundregeln:
1. Wer "arm" ist, trägt hieran nicht ein Fünkchen eigener Verantwortung, nein, höhere Mächte sind schuld
2. wer "reich" ist, hat das Geld gestohlen, von den diebischen Eltern geerbt oder auf sonst wie zweifelhafte Weise ergaunert
Es ist so leicht, die Verantwortung für die eigene, als tragisch empfundene Situation Anderen zuzuschieben. Auf meine christliche und soziale Soldidarität kann zählen, wer unverschuldet in schwierige Situationen gerät & gerade deshalb mit Unterstützung alles unternimmt/versucht da wieder rauszukommen. Wer nur jammert braucht eine Therapie oder einen (bildlichen) Tritt in den Allerwertesten
aeternitas (24.12.2008, 09:36 Uhr)
Objektiv betrachtet
sind 750.000€ Vermögen nicht wenig. Für manche sind große Zahlen ja erschreckend, aber ich versuche es mal:
Wenn ich jeden Monat 500€ zurücklegen könnte, dann bräuchte ich 1500 Monate, um diese Summe zusammenzusparen. Das wären ca. 125 Jahre. Ich könnte aber bestenfalls derzeit 200€ zurücklegen, macht 3750 Monate oder 312,5 Jahre. Viele können trotz harter Arbeit und Doppelschichten NICHTS zurücklegen oder nur Kleckerbeträge, die müssten sparen bis in alle Ewigkeit.
Um zu Lebzeiten (innerhalb von 50 Jahren) eine solche Summe zu ersparen müsste man so viel verdienen, dass jeden Monat ca. 1300€ zurücklegen kann. Ungeachtet zusätzlicher Ausgaben. Ok, manche Leute haben auch eine gute Verzinsung aber es wäre immerhin ein Einstiegsgehalt nötig, das ca. 2500€ netto übrig lässt (Wohnung, Kleidung, Essen etc. will ja auch bezahlt werden).
ODER man wird reich geboren / erbt viel / versagt als reich geborener in führender Position etc.
Westerle.Merkwelle (24.12.2008, 00:34 Uhr)
Das Problem der SPD
Eine seit Jahren praktizierte neoliberale Politik hat die ehemalige Volkspartei SPD in eine katastrophale Lage gebracht:
Anbiederung an CDU und FDP
Verrat der eigenen Wählerschaft
Mitgliederschwund
Wählerschwund
Opportunismus der übelsten Sorte
Glaubwürdigkeitsschwund

Man sieht; der Scherbenhaufen der SPD in Hessen ist von langer Hand geplant.
Da kann Schäfer-Gümbel verlangen was er will. Die einen wollen es nicht und die, die es wollen, wählen lieber das Original: Die Linke.
Was bin ich froh, nicht mehr Mitglied dieser geschröderten Truppe zu sein.
keinheiliger (23.12.2008, 06:02 Uhr)
Es ist
grossenteils nur platt und fruchtlos, wie diese Aeusserung TSGs von diesem grossartigen Journalisten kommentiert wird. Zunaechst, es ist Wahlkampf in Hessen und da wird halt geklotzt, das ist schon mal richtig erkannt. Gratulation.
Auf der anderen Seite, finde ich den Vorschlag so schlecht nicht, haette er ihn denn besser verpackt, sprich benannt und nur weil er nicht durchsetzbar sein wird, wovon man ausgehen kann, haette er das nicht sagen sollen? ??
Nein, ich nenne das eine Position beziehen.
Ausserdem, was waere so schlecht daran eine, finanziell noch nutzbare Pflichtabgabe einzufuehren, die dem Staat hilft und den/die Vermoegenden nicht einmal grossartig belastet. Bei einer Steuererhoehung waere die Kohle futsch.
Aber auch kein Wort davon, dass sich in der Tat einiges aendern muss, denn unsere Finanzeliten haben den Staat in eine derartige Zwickmuehle gebracht, dass der sich dringend nach neuen Einnahmen umschauen muss und das moeglichst schnell.
Ist ihnen das zumindest klar?
Da scheinen ihnen aber auch keine Ideen zu kommen, ausser wenig wortgewand
auf diesen Vorschlag einzudreschen mit der Absicht entsprechende Claqueure, wie man lesen darf mit Erfolg, zu berieseln. Ziemlich duenn, Herr Schuetz.
Das Problem ist, die Politik moechte gerne moeglichst so weitermachen wie bisher, denn bis vor ein paar Monaten sah es doch vermeintlich praechtig aus im deutschen Haushalt.
Aber seit ein paar Wochen, kann man an Steinbruecks Visage die Wut ablesen, die er auf die Herren Banker hat, welche ihn um sein Lebenswerk gebracht haben.
Nur, wo soll die frische Kohle aber herkommen???
Die da oben wollen nicht und koennen kaum besser stoehnen, in der Mitte gehts kaum noch, da hat man schon zugelangt, und die untere Etage ist schon ein Zuschussgeschaeft.
Gute Ausgangsposition, oder Herr Schuetz??
Ihr Artikel taugt kaum fuer eine konservative Schuelerzeitung. MfG
dreicon (23.12.2008, 00:40 Uhr)
Ökonomisches Kuriosum
Alle Medien schmückten sich aus gegebenem Anlaß in den letzten Tagen mit Altkanzler Schmidt. Auch wenn er aus einer gewissen Betriebsblindheit - seine ökonomische Bildung stammt ja aus der Hochzeit der globalen Wirtschaftsversklavung nach amerikanischem Wunsche, nicht mehr herauskommt, hat er doch bereits vor 5 Jahren das ständige Bedrucken von Papier als Geld, virtuellem Geld, also Schein- oder Spielgeld erkannt und benannt. Der erlebte Aktionismus erweckt im Beobachter den Eindruck, hier soll ein Ertrinkender durch ständiges Nachschütten von Wasser in rauhen Mengen gerettet werden. Wenn das mal der Ökonomieweißheit letzter Schluß ist.
dreicon (23.12.2008, 00:20 Uhr)
Gegen die STERNZensur zum 3.
Sehr geehrter Herr Schütz
Wenn jemandem billige Tricks vorgeworfen werden können, dann wohl Ihnen. Und klug kann man Ihren verunglückten Erguss wohl überhaupt nicht nennen. Wo bitte ist denn Ihre politische Aussage? Daß Sie kein Freund der SPD sind, ist ja Ihr gutes Recht, woher aber nehmen Sie die Chuzpe anzunehmen, dies würde irgendeinen Leser interessieren? Wo waren Sie denn mit Ihrem Eintritt gegen Zwangsanleihen, als die angeblich moderaten Wähler zwangsweise zu Beistandszahlungen an die Hochfinanz verdonnert wurde? Es liegt an Ihnen, Ihresgleichen und Ihrer Hofberichterstattung für Schwarz, Gelb und "Neoliberal" also für das Kapital, daß unser Volk nach wie vor systematisch verdummt wird und immer noch glaubt, Liberale und Kapitale würden auch nur eine Glitzekleinigkeit für die Gesellschaft insgesamt, ohne eigene Profitaussicht tun.
Oder wie hieß es in einem Cartoon: "Die Reichen teilen neuerdings mit uns, vorerst allerdings nur die Verluste".
Seltsam ist auch von Ihnen wieder verwendetes, bis zum Erbrechen zu vernehmendes Totschlagargument, es handele sich um Populismus, sobald es gegen die Absahner zugunsten der Allgemeinheit geht.
Sie sollten es sich in Ihr nicht vorhandenes geistiges Stammbuch schreiben: Niemand hat heute ein wirkliches Konzept gegen die Systemkrise, warum sollte es dann die SPD haben? Damit es die bekannten geistigen Tiefflieger zerfleddern? Solange man nicht fähig ist, das Scheitern des kapitalistischen Systems zu erkennen, und nicht willens ist, dies anzuerkennen, wird man keine "nachhaltige Lösung" der Krise nennen können.
Es wird wohl darauf hinauslaufen, daß eine "zweite Aufklärung" die Nachfolger des "von Gott eingesetzten Adels" den Geldadel hinwegfegt. Wenn das gelungen ist, und ich befürchte das wir Deutschen hierbei wieder die Letzten sein werden, wird Platz sein, wirkliche Demokratie und volkswirtschaftliches Handeln einzurichten.
SethusCalvisius (23.12.2008, 00:03 Uhr)
Artikel??
Das ist ja wohl kein Artikel, sondern ein absolut subjektiver Kommentar von Herrn Schütz. Wenn oben Kommentar drüber stände, würde ich ja keine objektive Darstellung erwarten.
Wenn man hier schon die Überschrift sieht, braucht man den einseitigen "Artikel" ja gar nicht mehr zu lesen.
Als Kommentar eines politischen Gegner von TSG wäre der Beitrag in Ordnung, mit Journalismus hat das aber nichts mehr zu tun.
Glück für Herrn Schütz, dass sein Niveau hier von einigen Kommentatoren noch locker unterboten wird. :-)
cobdet (22.12.2008, 21:32 Uhr)
@manesse
Ihre Wortwahl hatte sich schon mal von der eines vegefranz unterschieden. Aber scheinbar scheint mit der "Linkenphobie" gleich das Niveau zu sinken. Schade bei ihnen. Aber wen der Hass zerfrisst dem setzt auch der Verstand aus. Das einzige was ich ihnen noch zu Gute halte das sie die Vergleiche aus der Tierwelt unterlassen wenigstens ein kleiner Unterschied zu unserem "Möchtegern-Blockwart"
manesse (22.12.2008, 20:29 Uhr)
Nichts Neues
unter der Sonne. Wer die hessische Politik beobachtet, weiß, dass dieser Typ, dessen Namen ich mir nicht merken kann und will, zur linksradikalen Führungsclique der Ypsilanti gehört. Seine Vorschläge liegen ganz auf der Linie, die die große Vorsitzende und ihr Politbüro vorgegeben hat. Der Typ ist doch bloß ein doppelnamiger Strohmann des um diese Ypsilanti sich scharenden Sozi-Bonzenhaufen.
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