19. Februar 2001, 00:11 Uhr

Mit Schiller über den Regenbogen

Goethe ist nun also verheiratet. Ein Schock im Schock des Kriegs. Am Tag der Hochzeit schreibt Charlotte von Stein: Während der Plünderung hat er sich mit seiner Mätresse öffentlich in der Kirche trauen lassen. Und sie hechelt alles mit ihrer Freundin Charlotte, Schillers Witwe, durch. Und in der 'Allgemeinen Zeitung' steht: Göthe ließ sich unter dem Kanonendonner mit seiner ... Haushälterin ... trauen.

18 Jahre leben die zwei nun zusammen, und noch immer sind die Gemüter in Aufruhr. Aber Goethe ist da stoisch. Bereits einen Tag nach der Eheschließung führt er Christiane - die in seinem Tagebuch nun meine Frau heißt - in die Gesellschaft ein, bei Johanna Schopenhauer. Und die schreibt an ihren Sohn Arthur: Ich denke, wenn Goethe ihr seinen Namen gibt, können wir ihr wohl eine Tasse Tee geben.

Zwei Jahre nach der Hochzeit, am 2. Oktober 1808, hat Goethe eines seiner größten Erlebnisse: Er trifft Napoleon. Der Mann der Tat empfängt den Mann der Feder.

Das ist in Erfurt. Napoleon will dort mit Zar Alexander I. die Welt aufteilen und ordentlich feiern. Aus Pariser Schlössern sind Mobiliar und Teppiche, Geschirr und Bilder angeschleppt worden. Luxus im Stil des neuen Empire. Und Goethe wird zur Audienz befohlen. Zum Lever.

Ein Lever ist kein Tete-a-tete, sondern ein ziemliches Durcheinander. Goethe wird eingelassen. Er sieht gut aus im Frack. Sehr stattlich. Er ist noch braun vom Sommer. Die Haare sind sorgfältig gebrannt. Er macht Eindruck. Bleibt aber in schicklicher Entfernung.

Vous etes un homme!, sagt Napoleon in seiner Entourage von Würdenträgern und Domestiken. Der Kaiser sitzt und frühstückt. Goethe steht. Napoleon ist vierzig und ein bisschen fett. Die knappe Uniform sitzt wie eine Pelle. Er fragt militärisch knapp: Wie alt? 60. Ihr habt euch gut erhalten. Familie? Kinder? Den Zaren schon gesehen? Nein, sagt Goethe und hofft schon. Da sagt Napoleon: Schreiben Sie über unser Treffen hier. Und widmen Sie ihm den Bericht.

Wie bitte? Er ist doch kein Auftragsschreiber. Also so etwas, sagt Goethe entschuldigend, habe er noch nie gemacht. Talleyrand kommt, tuschelt mit Napoleon und geht. Ein General bringt Neuigkeiten aus Polen. Goethe steht da und wartet.

 
 
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