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24. Januar 2008, 14:19 Uhr

Als Hitler zum Kanzler ernannt wurde

Am 30. Januar 1933, vor 75 Jahren, ernennt Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Es folgen Fackelzüge durch Berlin. Noch glaubt die konservative Machtelite, die Nazis bändigen zu können. Das ist eine fatale Fehleinschätzung. Es ist der Auftakt zum Holocaust.

Stundenlang marschierten SA-Einheiten am 30. Januar 1933 durch Berlin, wie hier am Brandenburger Tor© AP

Als vor 75 Jahren der Januar 1933 und damit das Schicksalsjahr der Deutschen anbricht, atmet das liberale Bürgertum auf. Das bedrohliche Jahr 1932 ist vorbei. Die Nazis haben mit der Wahl zur stärksten Reichstagsfraktion im vorangegangenen Sommer zwar ihren Höhepunkt erreicht, aber Reichspräsident Paul von Hindenburg hat Adolf Hitler die Kanzlerschaft verweigert. Bei der Neuwahl im Herbst haben sie Stimmen eingebüßt. "Der gewaltige nationalsozialistische Angriff auf den demokratischen Staat ist abgeschlagen", urteilt die renommierte "Frankfurter Zeitung". Vier Wochen später, am 30. Januar 1933, ist Hitler dennoch Kanzler und beginnt sein Schreckensregime. Wie konnte es dazu kommen?

Seit der Gründung 1920 dümpelte die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) mit ihren Antimarxismus und Judenhass bedeutungslos vor sich hin. Ein Umsturzversuch scheiterte 1923 in München kläglich. Bei der Wahl 1928 kam sie nur auf 2,6 Prozent - so viel, wie rechtsextremistische Parteien auch heute manchmal erreichen.

Der SA liefen die Mitglieder davon

Ihr Aufstieg begann mit der Weltwirtschaftskrise. Die Zahl der Arbeitslosen wuchs im Februar 1932 auf 6,1 Millionen, eine Quote von 30 Prozent. Hinzu kam die politische Instabilität: In 14 Jahren Weimarer Republik wechselte die Regierung 20 Mal. Immer mehr Erwerbslose zog es zu den Kommunisten; Arbeiter und Angestellte zu den Nazis. Beide Seiten lieferten sich tödliche Straßenschlachten. Auch Teile des Mittelstands, die eine Bolschewisierung des Landes und sozialen Abstieg fürchteten, wandten sich den Nazis zu. Die Machtelite setzte auf ein Ende der verachteten Parlamentsdemokratie.

Doch Ende 1932 durchschritt die Wirtschaft die Talsohle. Die Arbeitslosenzahl sank wieder. Enttäuscht von Hitlers Weigerung, sich unter einem anderen Kanzler an der Regierung zu beteiligen, wandten sich bei der Wahl im November viele von den Nazis ab. Der SA liefen die Mitglieder davon. Hitler trug sich mit Selbstmordgedanken.

"Und nun, meine Herren, vorwärts mit Gott!"

In dieser Situation Anfang 1933 glaubt die rechte Machtelite, die geschwächten, aber immer noch starken Nazis für sich instrumentalisieren zu können: Sie sollen einem autoritären Regime die Massenbasis verschaffen, aber nicht die alleinige Macht bekommen. Der als Kanzler gescheiterte Konservative Franz von Papen schmiedet deshalb hinter dem Rücken seines Nachfolgers Kurt von Schleicher ein Bündnis mit Hitler. Darin sollen auch die reaktionäre Deutschnationale Volkspartei und die nationalistische Organisation Stahlhelm eingebunden werden. Hindenburg, der Hitler nicht schätzt, billigt das.

Am 28. Januar tritt Schleicher mangels Mehrheit im Reichstag zurück. Zwei Tage später, am Vormittag des 30. Januar, vereidigt Hindenburg die neue Regierung Hitler/von Papen. Von den zunächst neun Kabinettsmitgliedern sind nur drei Nazis: Hitler als Kanzler, Wilhelm Frick und Hermann Göring. Hitler verspricht, die Verfassung zu erhalten. Dann schließt Hindenburg die kurze Zeremonie: "Und nun, meine Herren, vorwärts mit Gott!" Papen wird seine völlige Verkennung des Kräfteverhältnisses später mit der Bemerkung belegen, man habe sich Hitler engagiert und werde ihn bald "so in die Ecke gedrückt (haben), dass er quietscht".

Fackelzug durch das Brandenburger Tor

Am Abend ziehen in Berlin gut 20.000 SA-Leute und Stahlhelm- Angehörige in einem stundenlangen Fackelzug durch das Brandenburger Tor und die Wilhelmstraße hinunter. Tausende beobachten den Aufmarsch, an einem Fenster der Reichskanzlei auch Hitler. Beim Rundfunk haben die Nazis eine Live-Berichterstattung durchgesetzt. Der Satiriker Kurt Tucholsky hört am Radio mit und prägt seinen Spruch: "Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte." Für andere ist es nicht mehr als ein weiterer Regierungswechsel. Die Zeitgenossen hätten dem Kabinett "keine lange Zukunft eingeräumt", sagt der Historiker Hans Mommsen.

Wenige Monate später sieht alles anders aus. Der Schwung der neuen Machthaber und die zunehmende Konjunktur gefallen den Menschen. Gegen Kommunisten, Sozialdemokraten und andere Gegner jedoch bricht nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar der bis dahin halbwegs gezügelte Terror von SA und SS vollends los. Am Ende des Jahres sind - selbst nach halbamtlicher Statistik - 100.000 Menschen verhaftet. Die ersten 600, darunter auch Juden, sind ermordet. Zwölf Jahre später werden es Millionen sein.

Christian Andresen/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Franzoesin (30.01.2008, 09:03 Uhr)
Aber auch diese sagte er
Sefton Delmer, der britische Chefpropagandist während des Zweiten Weltkrieges wußte, wiee man die Deutschen durch ,die noch heute aktive, Propaganda zerstört - aber er war auch ehrlich.
So sagte er in seinem Buch "Die Deutschen und ich",- Hamburg 1961, S.
288
"Man mag heute darüber sagen, was man will: Deutschland war im Jahre 1936 ein blühendes, glückliches Land. Auf seinem Antlitz lag das Strahlen einer verliebten Frau. Und die Deutschen waren verliebt - verliebt in Hitler... Und sie hatten allen Grund zur Dankbarkeit. Hitler hatte die Arbeitslosigkeit bezwungen und ihnen eine neue wirtschaftliche Blüte gebracht. Er hatte den Deutschen ein neues Bewußtsein ihrer nationalen Kraft und ihrer nationalen Aufgabe vermittelt."
Franzoesin (30.01.2008, 08:41 Uhr)
Die Sieger haben ihr Ziel erreicht
Sefton Delmer, ehemaliger britischer Chefpropagandist sagte nach der Kapitulation 1945 zu dem deutschen Völkerrechtler Prof. Grimm:
"Mit Greuelpropaganda haben wir den Krieg gewonnen ...Und nun fangen wir erst richtig damit an! Wir werden diese Greuelpropaganda fortsetzen, wir werden sie steigern bis sie selber ( die Deutschen )so durch- einander geraten sein werden, daß sie nicht mehr wissen, was sie tun. Wenn das erreicht ist, wenn sie beginnen, ihr eigenes Nest zu beschmutzen, und das nicht etwa zähneknirschend, sondern in eilfertiger Bereitschaft, den Siegern gefällig zu sein, dann erst ist der Sieg vollständig. Endgültig ist er nie. Die Umerziehung bedarf sorgfältiger, unentwegter Pflege wie englischer Rasen. Nur ein Augenblick der Nachlässigkeit, und das Unkraut bricht durch, jenes unausrottbare Unkraut der geschicht- lichen Wahrheit."
Zur Info: " Die Propaganda der Alliierten wird durch den Überlei- tungsvertrag Art. 7.1 als OFFENSICHTLICHE TATSACHEN vom "deutschen' Strafrecht geschützt.
iovialis (30.01.2008, 06:24 Uhr)
Ich kann nix dafür, Deutscher zu sein
Es ist nicht zu leugnen, daß im Namen des Deutschen Volkes Verbrechen begangen wurden und daß man nicht Stolz sein kann, Deutscher zu sein. Aber ich kann auch nichts dafür, Deutscher zu sein. Außerdem habe ich mit den Verbrechen jener Zeit nichts zu tun.
Ich habe kein Problem damit, nicht zu vergessen. Doch dann sollte man auch die DDR-Vergangenheit entsprechend servieren. Die Linke (nachfolge der SED) würde sich wahrscheinlich beschweren, wenn man dauernd auf dem herumreitet, was da gelaufen ist - wir leben 2008 in einem vereinten Europa und so etwas könne sich nicht wiederholen.
Ich schäme mich nicht Deutscher zu sein, bin aber nicht stolz darauf, sondern froh. Man hat es in vielen Ländern als Deutscher einfacher.
Wenn das, was damals war, nicht vorwerfend präsentiert wird, sondern als geschichtliche Tatsache, die man nicht vergessen darf, ist es in Ordnung. Aber allein die Menge der Präsentationen erweckt den Eindruck, daß die Deutschen eine Art "Neurose" haben, weil das Volk ein traumatisches Erlebnis in seiner "Kindheit" hatte.
gmathol (30.01.2008, 04:02 Uhr)
Wir sollten nicht vergessen...
...das es konservative und sozialdemokratische Feiglinge gewesen sind die "Reichskanzler" Hitler an die Macht brachten.
Parellelen zu den heutigen Ereignissen? Ja, eine westliche Politikermeute folgt einem kriegs luesternen US Diktator. Oh ja, da ist ja noch die Meinungsfreiheit! Hmm, vielleicht in Europa aber nicht in den USA wo die Presse extrem angepasst sich nicht mehr traut oder gesteuert ueber tatsaechliche Ereignisse ungeschminkt zu berichten.
Auch hier die negativen Sprachformeln die uns Deutschen so lieb geworden sind: das ist sozialistisch, das ist politisch inkorrekt etc..
Die SPD hat damals den Kriegskrediten zugestimmt, die gleiche SPD hat die Einsaetze im Kosovo und Afghanistan ermoeglicht, natuerlich aus reinen "menschlichen" Erwaegungen. Voelkermord ist nun menschlich, wenn die richtigen Parteien sprich Laender ihn begehen.
Demagogisch? Langsam hab ich die Faxen dicke!
ganzbaf (29.01.2008, 23:48 Uhr)
Es gibt Parallelen zu den Weimarer Zeiten

Die politische Zertrittenheit, die mangelnde Solidarität und der grundsätzliche Mangel und Bereitschaft bei den Überbegüterten die angehäuften Vermögen angemessen in die Gesellschaft zu resozialisieren!
Nein, es muß immer mehr und NOCH viel mehr werden...
.
Nicht von ungefähr haben daher die Gründerväter/Mütter unseres Grundgesetzes die "sozialistischen" Artikel 14/15GG nicht vergessen!
Dumm nur, wenn Politik trotz dringlicher Lage keinerlei Anzeichen zum Gebrauch dieser äußerst weisen Werkzeugen machen wollen.
))-:
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Typisch "konservennaiv"?... ;-P
H.Heine (29.01.2008, 23:30 Uhr)
Unsere Geschichte
Es begann alles mit extremen Forderungen und rassistischem Populismus. Darauf sind die Menschen aus ihrer Notsituation heraus "reingefallen", obwohl Vielen auch der offensichtliche Terror nur recht und billig war. Man darf den Blick in die Vergangenheit nicht scheuen, um für die Zukunft zu lernen. Auch bei unserer Vergangenheit.
All jene, die es nicht mehr sehen oder hören können, sollten sich schämen. Der Tod von zig Millionen Menschen sollte nie vergessen werden, auch oder vor allem weil die Deutschen das zu verantworten haben.
a.wiechmann (29.01.2008, 23:14 Uhr)
@ MRP66
Nicht nur das, auch der anscheinend arbeitslose Oberlehrer "ganzbaf" ist wieder von der Partie... Meine also, dass das hier eh langweilig wird und geh gleichfalls in die Heia.
Grüße an den rest der Welt, Annette.
MRP66 (29.01.2008, 22:51 Uhr)
Gähn!
Schon wieder das alte Nazizeugs, was warscheinlich wieder mit Grausen folgt ist der Holcaust oben, unten und dann noch mal von vorne. Ist das eigentlich nicht dem Spiegel sein Dauerthema?
Guten Nacht!
ganzbaf (29.01.2008, 22:14 Uhr)
Konservennaive, bürgerliche...

Politiker und Parteien waren ursächlich an der Übertragung der Macht an Hitler beteiligt!
Und zwar durch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler (erfolgte durch Hindenburg), durch die Beteiligung an der von Hitler geführten Regierung (pateilose Politiker wie von Papen und rechtskonservarive Parteien benennen), durch die Verordnungen des Reichspräsidenten und durch die Zustimmung zum 4. Ermächtigungsgesetz im Reichstag 1933.
.
Die löblichen Linken sind eben doch die besseren Gutmenschen.
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Naiv sind allein die Bürgerlichen, die sogenannten... ;-Pp
Clibanarius (29.01.2008, 21:04 Uhr)
Dann wasch mal halt deine Ohren...
...und arbeite wider deinem orthographischen Gestammel.
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