Im Augenblick aber schreibt Goethe wenig. Lieber lädt er ein. Er hält Hof. Führt durch sein Museum, zeigt seine Radierungen, seine Steinsammlung, seinen Zeus und seine Hera. Und dann wird gespeist wie auf dem Olymp. Alles vom Feinsten. Das Geschirr, der Champagner, der Wein, die Krebse und Kapaune, alles kunstvoll dekoriert mit Früchten und Blumen und seltenen Pflanzen. Und die Tafelmusik kommt aus dem Hinterhalt.
Und wo ist Christiane Vulpius? In der Küche. Ist nicht erwünscht. Hat nur die Arbeit. Auch die Jenaer Romantiker, dieses Häuflein großzügig Liebender, wollen nichts mit ihr zu tun haben. Ihr göttlicher Goethe und diese Frau! Warum hat er sich nicht eine schöne Italienerin mitgebracht?
Der Göttliche hält einmal die Woche seine Kränzchen ab. Literarische Liebeszirkel. Bottleparties: Die Herren bringen den Wein mit, die Damen Salate und Gebratenes. Und Goethe stellt zärtliche Paare zusammen. Dann werden Rätsel geraten, und wenn Goethe in Hochstimmung ist, schleppt er seine Farbenlehre an und versucht, sie unter die Leute zu bringen.
Schiller würde am liebsten weggehen, wenn er nur wüsste, wohin. Er versteht auch Goethe nicht mehr. Beklagt sich über ihn bei Wilhelm von Humboldt. Dieses elende Getändel im abgewrackten Weimar! Nur Goethe könnte den Laden aufmischen. Aber nichts passiert, weil er abwechselnd alles treibt, sich auf nichts energisch konzentriert.
Was haben sie nicht alles zusammen erarbeitet. Geduzt haben sie sich nie. Wenn Goethe über Schiller im Tagebuch schreibt, heißt er Hofrat Schiller. Aber zwei Verschworene des Geistes sind sie gewesen. Das Jahrhundert haben sie in die Schranken gefordert und beenden es nun gemeinsam.
Schon zum 29. Dezember 1799 lädt Goethe wie eine Liebende: Sie finden geheizte und erleuchtete Zimmer. Ein Gläschen Punsch soll der warmen Stube zur Hülfe kommen, ein frugales Abendessen steht nachher zu Befehl. Auch Silvester verbringen die Freunde miteinander. Ganz allein. Und Goethe schreibt am 1. Januar 1800, wie froh er gewesen sei, mit Schiller das Jahrhundert zu schließen.