HOME

Hitlers "Steigbügelhalter"

Der "Herr über Presse und Film", wie Alfred Hugenberg im demokratischen Blätterwald der Weimarer Republik genannt wurde, war der erste Medienmogul Deutschlands. Sein Presseimperium machte die Nazis populär.

Ohne ihn wären die Nazis nicht an die Macht gekommen: Alfred Hugenberg, dessen Todestag sich am 12. März 2001 zum 50. Mal jährte, ist in die Geschichte als "Steigbügelhalter" Hitlers eingegangen.

Der "Silberfuchs" und "Herr über Presse und Film", wie er im demokratischen Blätterwald der Weimarer Republik genannt wurde, war der erste Medienmogul Deutschlands. Sein Presseimperium machte die Nazis populär. Mehr noch: Hugenberg reichte als Vorsitzender der erzreaktionären Deutschnationalen Volkspartei Hitler am 30. Januar 1933 die Hand zur Koalition, denn allein hätte es der NSDAP nach dem Wahlergebnis nicht zur Regierungsübernahme gereicht.

Seinen Zeitgenossen galt Hugenberg lange Zeit als "der Mann im Dunkeln", wie die liberale "Vossische Zeitung" 1926 schrieb. Der am 18. Juni 1865 in Hannover geborene Hugenberg kam aus protestantischem Hause. Nach seinem juristischen und nationalökonomischen Studium machte er zunächst als preußischer Beamter Karriere, bis er 1909 an die Spitze der Krupp AG berufen wurde. Fest überzeugt davon, dass sich Deutschland außenpolitisch einen "Platz an der Sonne" erkämpfen und innenpolitisch vor dem "Schwatzbuden-Parlamentarismus" bewahrt werden müsse, sammelte er schon während des Kaiserreichs bei der Industrie Gelder in Millionenhöhe. Diese Spenden und Darlehen nutzte er, um nach und nach einen gigantischen Medientrust aufzubauen. Er sollte die öffentliche Meinung im Sinne der Hugenbergschen Weltanschauung beeinflussen, die er mit der Führungsriege der Schwerindustrie teilte.

Als Kernstück des Konzerns kaufte Hugenberg 1916 den Scherl-Verlag. In ihm erschienen neben drei Berliner Tageszeitungen rund ein Dutzend Zeitschriften, darunter die renommierte "Gartenlaube". Hinzu kam die zweitgrößte Nachrichtenagentur des Deutschen Reichs, die Telegraphen-Union, auf deren Dienste rund die Hälfte der deutschen Zeitungen abonniert war. Eigens geschaffene Zeitungsbanken gaben Not leidenden Blättern Kredite, und eine andere Konzerngesellschaft, die "ALA", vermittelte Anzeigen.

Speziell für die Provinzpresse gab es so genannte Materngesellschaften, die Hunderte von Zeitungen mit vorgedruckten Kommentaren und Berichten belieferte. Als Hugenberg 1928 schließlich die größte Filmgesellschaft der Weimarer Republik, die Ufa, erwarb, war der Konzern nicht nur der größte, sondern auch der modernste Medientrust der Republik.

Vorsitzender der DNVP

Im selben Jahr wurde der Medienmanager, der zum 1. Januar 1919 seinen Abschied bei Krupp genommen hatte, um sich Politik und Presse zu widmen, Vorsitzender der DNVP. Schon lange hatte der als Reichstagsabgeordneter schweigsame Hugenberg die Geschicke der Partei im Hintergrund mitbestimmt. Die Spendengelder aus der Industrie, mit denen die Kandidatenaufstellung bei der DNVP und auch bei der rechtsliberalen DVP Gustav Stresemanns beeinflusst werden sollte, liefen über ihn.

So erfolgreich Hugenberg politisch hinter den Kulissen die Fäden zog, so wenig war der dickbäuchige reaktionäre Geheimrat geeignet, Wählermassen auf sich einzuschwören. Theodor Wolff nannte ihn im "Berliner Tageblatt" einen "Führer wie ihn missgünstige Menschen ihren schlimmsten Feinden gönnen".

Zum Biedermann Hugenberg gesellte sich 1929 der Brandstifter Adolf Hitler im Reichsausschuss für das Volksbegehren gegen den Young-Plan: Alle Minister, die den aus der Kriegsniederlage resultierenden Reparationsplan des Amerikaners Owen Young unterzeichneten, sollten mit Zuchthaus bestraft werden. Das Volksbegehren scheiterte zwar, aber im Zuge der Medienkampagne des Hugenberg-Konzerns war die NSDAP bis in den letzten Winkel Deutschlands bekannt geworden. 1931 wiederholte sich dasselbe Spiel noch einmal, als die so genannte Harzburger Front - DNVP, NSDAP, Teile der DVP, Vertreter der Großindustrie und der Großagrarier - zum Sturz der Regierung des Zentrum-Kanzlers Heinrich Brüning aufrief.

1933 endlich an der Macht, drängte Hitler seinen Bündnispartner umgehend ins Abseits. Hugenberg musste als Wirtschaftsminister nach wenigen Monaten seinen Hut nehmen. Sein Konzern ging in die Regie von Propagandaminister Joseph Goebbels über. Nach dem Krieg erstritt Hugenberg eine millionenschwere Entschädigung. Bei seinem Entnazifizierungsverfahren wurde er nur als Mitläufer eingestuft. 1951 starb Hugenberg im Alter von 85 Jahren.

"Entpolitisierung der Öffentlichkeit besorgniserregend"

Kann man die Medienmacht heutiger Konzerne von Bertelsmann und Springer mit dem Einfluss Hugenbergs vergleichen? "Berlin ist nicht Weimar", sagt der Dortmunder Zeitungswissenschaftler und Historiker Professor Hans Bohrmann. Besorgniserregend sei allerdings die "Entpolitisierung der Öffentlichkeit" durch das Privatfernsehen. Dort würden wie bei Hugenberg "Träume und Unterhaltung" verkauft. Es fehle aber die klare weltanschauliche Ausrichtung.

Heidrun Holzbach/DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren