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Ein zufälliger Tod wurde zum Fanal

Der Student Benno Ohnesorg wurde im Juni 1967 von einem Berliner Polizisten erschossen. Sein Tod wurde zum Wendepunkt für die "68er-Generation" und führte zu Studentenprotesten, die die Republik erschütterten.

Einige Jahre ist es jetzt schon her, dass der Berlin-Besuch eines iranischen Staatsoberhauptes zum Auslöser einer ungeahnten innenpolitischen Entwicklung in der Bundesrepublik wurde. Während einer Demonstration gegen Schah Mohammed Resa Pahlewi erschoss am 2. Juni 1967 ein Beamter der Westberliner Polizei den 26-jährigen Studenten Benno Ohnesorg. Der Vorfall sollte zu einem Wendepunkt für viele Menschen werden.

"Jubelperser" und "Zauberflöte"

Der persische Kaiser, seine Frau Farah Diba und ihr Gastgeber, Berlins Regierender Bürgermeister Heinrich Albertz (SPD), saßen zu dieser Zeit in der Deutschen Oper, wo Mozarts "Zauberflöte" gegeben wurde. Draußen veranstalteten die Demonstranten ein Pfeifkonzert. Anhänger des Schahs, später "Jubelperser" genannt, prügelten mit Zaunlatten auf die protestierenden Studenten ein. Auch die Polizei ging mit äußerster Härte vor.

Polizisten drängten die Demonstranten ab. Benno Ohnesorg, Student der Germanistik und Romanistik, jungverheiratet, geriet offenbar zufällig in die Situation, die ihn das Leben kosten sollte. Freunde und Bekannte schilderten ihn laut Medienberichten als einen ruhigen, skeptischen Menschen, nirgendwo organisiert, der zum ersten Mal an einer politischen Demonstration beteiligt war.

Verschiedene Versionen vom Vorgang

Ohnesorg hatte offenbar in einer kritischen Situation vermitteln wollen. Der Pistolenschuss, der ihn in den Kopf traf, wurde von einem Beamten in Zivil, dem Kriminalobermeister Karl-Heinz Kurras, abgegeben. Die Behörden verbreiteten nacheinander verschiedene Versionen von dem Vorgang. Zuerst war von Notwehr die Rede, später von einem Querschläger. Der Beamte wurde bei einem Strafprozess freigesprochen.

In der Folge breitete sich die an Westberliner Hochschulen entstandene Außerparlamentarische Opposition (APO) auch auf Westdeutschland aus. Die Studentenproteste gegen die Verhältnisse in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft und gegen den Vietnamkrieg erschütterten die Bundesrepublik, Unruhen in Frankreich erreichten im Mai 1968 ihren Höhepunkt.

Die Geburt der "68"

Der Begriff der "68er" wurde geboren. Er stand für eine dem Staat skeptisch bis ablehnend gegenüberstehende Generation, von der später ein Teil eher unplanmäßig beim "langen Marsch durch die Institutionen" reüssierte, während andere sich dem Terrorismus verschrieben. Aus der ursprünglichen "Baader-Meinhof-Gruppe" wurde später die Rote-Armee-Fraktion. Eine weitere Terrorgruppe nannte sich "Bewegung 2. Juni", nach dem Todesdatum von Ohnesorg.

Arthur Metzner/DPA
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