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15. November 2007, 15:26 Uhr

Überall regt sich Protest

Bourgeoisie, Kommunismus, Orgasmustheorien: 1968 öffneten sich beinahe täglich neue Welten. stern-Auslandschef Peter Meroth war damals 17 Jahre alt und zieht zum Auftakt der neuen stern-Serie eine persönliche Bilanz. Teil II

Gingen mit ihrem Muff-Spruch in die Geschichte ein: Detlev Albers und Gert Hinnerk Behlmer 1967 und 1997© DB

"Keine Experimente" lautete der Slogan, mit dem Adenauers CDU 1957 die absolute Mehrheit holte. Erhard ging noch einen Schritt weiter. Sein Konzept der "Formierten Gesellschaft", das den Interessengegensatz von Arbeitgebern und Arbeitnehmern überwinden wollte, versprach den Bürgern Wohlstand, wenn sie nur stillhielten im autoritären Staat. Dementsprechend dressierten sie ihre Kinder.

An den Schulen war noch die Prügelstrafe erlaubt. Ein Pfarrer aus Hildesheim, der für seine Schläge berüchtigt war, haute 1966 einem Schüler einen Haselnussstock auf den Kopf, bis das Holz zerbrach. Als die Mutter des Zehnjährigen Anzeige erstattete, drohte der Geistliche, die Taufe des Kindes, mit dem sie demnächst niederkommen würde, zu verweigern. Trotz aller Einsprüche durfte der Prügelpädagoge weiter unterrichten.

Brandts Sohn nackt und mit Eisernem Kreuz

Als der stern berichtete, dass Lars, Sohn von Willy Brandt, bei der Verfilmung des Grass-Buchs "Katz und Maus" nackt mit einem Eisernen Kreuz am Hals auftritt, löste das eine Flut von Leserbriefen aus. "Ein Vater, welcher öffentlich bekennt, dass er es sich in seiner Position nicht leisten kann, seine Söhne zu kommandieren, gehört abgesetzt. Lars, diese Missgeburt an Frivolität, sollte man des Landes verweisen oder wenigstens sterilisieren", schrieb Hans Weber, ein Kaufmann aus Ulm.

In dem Wahn der Ordnung und Unterordnung, in dem Eltern Jeans verboten ("Zieh dir eine anständige Hose an"), Lehrer gegen Make-up vorgingen ("Malstunde ist erst morgen"), war es leicht, den Außenseiter zu geben. Es genügte, eine verwaschene "Levi's" zu tragen, dazu einen Parka, die Uniform der Kriegsgegner, und die Mähne wachsen zu lassen. Ein Mitschüler, gut zehn Jahre jünger, stets beste Noten, sagte mir später, seine Eltern und Großeltern hätten ihn gewarnt, nur ja nicht so zu werden wie ich (Danke, Charly, so haben wir uns das damals gewünscht).

Zu den Schwabinger Studentenkrawallen 1962 kam es, weil ein Pärchen barfuß zum Spiel zweier Gitarristen twistete. Aus dem Widerstand gegen die Festnahme der Straßenmusiker entwickelten sich stundenlange Schlachten, in deren Verlauf die Jugendlichen von der Polizei systematisch zusammengeschlagen wurden.

Aufregung um drei Sexszenen

1964 verursachte der Film "Das Schweigen" mit drei Sexzenen, die -alles züchtig verhüllt - zusammen keine zwei Minuten dauern, einen im Bundestag diskutierten Skandal. Bis 1973 war noch der Kuppeleiparagraph in Kraft. Wer einem unverheirateten Paar Räume zur Verfügung stellte, dem drohte Gefängnis. Das galt auch für Eltern, die ihrer Tochter gestatteten, den Freund über Nacht mitzubringen. Vermieter ließen sich nicht nur den Trauschein vorlegen, sondern kontrollierten auch die Bettlaken. Und dann gingen die Frauen plötzlich ohne Büstenhalter. Überall regte sich Protest.

Manche hatten schon im Oktober 1964 den aufziehenden Sturm gespürt, als Hunderttausende in Rom Palmiro Togliatti zu Grabe trugen, den legendären Parteichef der italienischen Kommunisten. Für andere war das kalifornische Berkeley das Fanal, wo 6000 Studenten nach einem Redeverbot für den radikalen Bürgerrechtler Malcolm X im Dezember die Universität besetzten.

Die 68er bei stern.de

Die 68er bei stern.de Ab Donnerstag startet der stern die neue Serie "Die 68er - Wie eine Generation die Welt veränderte". In acht Teilen entwirft der stern das Porträt einer bewegenden Zeit: von Vietnam und Protest, von Autoritäten und Partys, von Rebellion und Befreiung.
stern.de und stern-shortlist begleiten die Serie mit Wissentests, Fotostrecken, Porträts, Interviews und shortlist-Listen. Auch Sie als Leser laden wir ein, daran teilzunehmen: Haben Sie die Zeit miterlebt? Dann schicken Sie uns Ihre Erlebnisse und Erinnerungen, Fotos und Videos. Schreiben Sie uns ihre Meinung zu der Zeit des Umbruchs.
an aktion@stern.de
stern.de wird Ihre Beiträge und Bilder sammeln und zum Abschluss veröffentlichen.

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KOMMENTARE (6 von 6)
 
Punito (16.11.2007, 14:14 Uhr)
@Kinski

Gäbe es die 68er nicht , würden
unsere Kinder vielleicht Seite an Seite mit den U.S.A: in Bagdat gefallen sein
LOVE&PEACE
belzebub99 (15.11.2007, 19:43 Uhr)
Dieser Artikel ist
superschwach!
Guter Mann, das war wohl nix.
Kann es sein, daß Sie eigentlich von 1967 sind?
Hannes73 (15.11.2007, 18:50 Uhr)
Sie dressierten keine Kinder !
Wörtlich im Artikel schreib der Autor:
Dementsprechend dressierten sie ihre Kinder.
Antwort:
Es hat keine Eltern während der Adenauer und Erhard-Ära gegeben, die ihre Kinder im Sinne eines autoritären Staates dressiert hätten. Was sollen also diese emotionalen Äußerungen heute noch bewirken, immer noch nicht Freiheiten genug?
Heute sind die Kinder -dank der 68er Ideologien- so erzogen, dass sie aufgrund der schulischen Leistungen (siehe PISA) wohl kaum in der Lage sein werden, demnächst diesen technologisch so hoch entwickleten Staat noch auf Linie halten zu können.
Weiter schreibt der Autor:
Wie der Berliner Senat den Schah von Persien hofiert, diesen "Schlächter auf dem Pfauenthron".
Antwort:
Was haben wir denn heute im Iran? Ist es ein Fortschritt, wenn die Menschen vom Regen in die Traufe kommen? Die weltweite demokratische Entwicklung war ein langer Prozess und ist leider immer noch nicht zu Ende. Diese immer noch anhaltende demokratischer Entwicklung ist aber nicht den 68ern als Erfolg zuzuschreiben.
Weiter schreibt der Autor:
In den 70ern fällt die Prügelstrafe an den Schulen.
Antwort:
Und das soll ein Erfolg der 68er sein? Was war denn in den Ländern, die keine 68er-Bewegung hatten. Da müsste es demnach ja heute noch die Prügelstrafe geben. Oder hätten nur wir ohne die 68er heute noch geprügelt?
Die ganze Logik in diesem Artikel ist nicht nachvollziehbar. Die Entwicklung in Richtung Freiheit und Humanität ist europaweit verlaufen, sie wäre bei uns auch ohne die 68er gekommen.
Was uns geschadet hat, das waren diese extremen Ausschläge in der deutschen Entwicklung dank der 68er, und von diesen Ausschlägen (sogar Morde waren darunter) sind andere Länder ohne eine solche Bewegung verschont geblieben.
ganzbaf (15.11.2007, 18:33 Uhr)
Typen wie Kinski...
raffen es einfach nicht:
Die Mächtigen vor "68" wie heute sind nach wie vor díe gleichen - und nicht irgendwelche ominösen 68er...
Wenn schon, dann haben und hatten wir zu wenig "68"... (*;
Kinski (15.11.2007, 18:16 Uhr)
68er
Die 68er haben Europa das Genick gebrochen ! Man sehe sich nur mal in Europa um. Geisteskrankheit trifft es wohl eher. Welchen Schaden diese Idiologie täglich anrichtet kann man sehr gut in Europäischen Großstädten beobachten. Paris, Amsterdam, Malmö und Berlin z.B. wären Städte in denen man Nachts noch unterwegs sein könnte ohne Beleidigt und bedroht zu werden.
Hoffentlich sind die bald alle ausgestorben denn Extremist bleibt Extremist !
ganzbaf (15.11.2007, 18:01 Uhr)
Kurz gesagt...
..ohne 68 würden in Bayern heute noch die Hexe verbrannt ;-P
#
Allerdings hat sich im wesentlichen Macht/Wirtschaftsgefüge seit dem leide nichts grundsätzlich geändert.
In den wirklichen politischen Spizenpositionen machen nach wie vor Juristen, Kaufmänner und ähnliche stuiete Dummköpfe breit. Da kann das ja alles nichts werden.. ;-D
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