31. August 2012, 16:13 Uhr

KZ-Gedenkstätte Buchenwald soll Weltkulturerbe werden

Auf der nächsten Kultusministerkonferenz will Thüringen einen Antrag stellen, die KZ-Gedenkstätte Buchenwald in die Unesco-Welterbeliste aufzunehmen.

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In der KZ-Gedenkstätte Buchenwald finden täglich Führungen für die Besucher statt©

Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald soll Weltkulturerbe werden. Das ehemalige Lagergelände des Konzentrationslagers Buchenwald solle "als elementares Zeugnis der nationalsozialistischen Verbrechen und der Geschichte des 20. Jahrhunderts" in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen werden, wie Thüringens Kulturminister Christoph Matschie (SPD) am Freitag in Weimar erklärte. Der Freistaat Thüringen wird einen entsprechenden Antrag bei der Kultusministerkonferenz stellen. Diese entscheidet dann über die Liste, die Deutschland bei der UN-Kulturorganisation einreicht.

Nachdem die mit den Namen Goethe, Schiller und Herder verbundenen Stätten der Weimarer Klassik bereits zum Weltkulturerbe gehörten, will Thüringen laut Matschie mit Buchenwald nun die Gesamtbedeutung des Doppelortes Weimar-Buchenwald herausstellen: "Auf der einen Seite der Geist deutscher Dichter und Denker, auf der anderen Seite der Nationalsozialismus als dunkelstes Kapitel deutscher Geschichte." So gegensätzlich beide Epochen seien, so untrennbar seien sie in Weimar und Buchenwald miteinander verbunden.

Der Stiftungsrat der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora hatte den Antrag auf Aufnahme in die Welterbeliste zuvor im Juni befürwortet. Der Präsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, Bertrand Herz, wertete die Nominierung als "eine Würdigung der geleisteten Erinnerungsarbeit". Ziel sei es, "Buchenwaldgedächtnis für alle Zeiten zu sichern". Das Komitee organisiert bis heute unter anderem Gedenkveranstaltungen.

Bislang gehört die Gedenkstätte Auschwitz als einziges ehemaliges deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager bereits seit 1979 zum Weltkulturerbe.

Jedes Bundesland darf zwei Aufnahmeanträge stellen

Buchenwald gehörte zu den größten Konzentrationslagern auf deutschem Boden. Zwischen 1937 und 1945 wurden in dem Lager in Thüringen und seinen 136 Außenlagern rund 250.000 Menschen aus ganz Europa gefangen gehalten, von denen schätzungsweise 56.000 starben. Sie verhungerten, mussten sich zu Tode arbeiten, starben bei medizinischen Experimenten oder wurden hingerichtet. Nur 21.000 Häftlinge hatten am 11. April 1945 ihre Befreiung erlebt.

Zu den Überlebenden des KZ-Buchenwald gehörten unter anderem die Nobelpreisträger Elie Wiesel und Imre Kertész und der spanische Schriftsteller Jorge Semprún. Teile des Lagers wurden nach dem Krieg bis 1959 von der sowjetischen Besatzungsmacht als Internierungslager genutzt.

Neben der Gedenkstätte Buchenwald bewirbt sich Thüringen auch mit dem jüdischen mittelalterlichen Erbe in Erfurt um Aufnahme in das Unesco-Weltkulturerbe. Die Länder hatten vereinbart, dass für die neue Liste ab 2017 bis zu zwei neue Anträge je Bundesland gestellt werden können.

kgi/AFP/DPA
 
 
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