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15. Februar 2001, 14:46 Uhr

Ein Kniefall für den Frieden

Wie die Regierung Willy Brandts die Entspannung zwischen den Supermächten für eine neue Ost- und Deutschlandpolitik nutzte

Wie die Regierung Willy Brandts die Entspannung zwischen den Supermächten für eine neue Ost- und Deutschlandpolitik nutzte

Das Bild in den Geschichtsbüchern zeigt den historischen Moment nur unvollständig, zeigt nicht die Sekunde der Ungewißheit, das Erschrecken der ahnungslosen Begleiter. Wo ist er? Ist was passiert? Ist er gestürzt? Was sie dann sehen, trifft sie wie ein Schock. Willy Brandt kniet. Er hat die Kranzschleife zurechtgezogen, hat einen Augenblick verharrt in protokollarischer Pose - und ist auf die Knie gefallen, ungestützt, die Hände übereinander. Er kniet wohl eine halbe Minute auf dem nassen Granit. Der Ruck, mit dem er aufsteht, ist so heftig, als gelte es Fesseln zu sprengen. Die Anstrengung läßt der Maske, in die Brandt sein Gesicht zwingt, keine Chance. Die Miene, die darunter sekundenlang sichtbar wird, ist die Miene eines Bekenners. Das war am 7. Dezember 1970im Jahr Willy Brandts. Sein Bild, das Bild des knienden Kanzlers im alten Warschauer Ghetto, wurde zum Symbol des Wandels, zum Ausdruck einer neuen Qualität der Politik. Einer, der zweimal vergebens versucht hatte, in freien Wahlen die Zustimmung einer breiten Mehrheit seines Volkes zu seiner Person und zu seinem Lebensweg zu gewinnen, ein unehelicher Sozi und Emigrant, bekannte sich hier zu einer Schuld, an der er selber nicht zu tragen hatte, und bat um eine Vergebung, deren er selber nicht bedurfte.

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