Die Luftwaffe verabschiedet ihr Phantom

28. Mai 2013, 12:14 Uhr

Nach 40 Jahren nimmt die Luftwaffe den legendären Kampfjet F-4 Phantom aus dem Dienst. Auf einem Fliegerhorst in Ostfriesland bestaunten bis zu 100.000 Schaulustige das Fliegerspektakel. Von Matthias Brügge

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Er trudelt und trudelt, fast eine Minute lang: Wie ein Ahornsamen im Herbst schraubt er sich runter, in engem Kreis, fast auf der Stelle gleichmäßig drehend. Allerdings ist der "Global Hawk" in dem Youtube-Video etwas größer: rund 35 Meter Spannweite und fast 14 Tonnen Gewicht hatte die größte aller unbemannten US-Drohnen in ihrer ersten Version, die man in dem Video vom März 1999 über einem Testgelände in den USA abstürzen sieht. Neuere Versionen bringen es gar auf 40 Meter Spannweite.

Die Bilder sind spektakulär und wurden offenbar von einem offiziellen Begleitflugzeug aus gefilmt. Die Piloten der Drohne am Boden haben die Kontrolle über das unbemannte Fluggerät verloren, weil die Funkverbindung abbrach und die Elektronik danach fehlerhafte Kommandos ausführte. In einem verzweifelten Versuch, die Maschine leichter zu machen, lassen sie Treibstoff ab, der als weißer Nebel aus den Flügelspitzen austritt. Doch es nützt nichts: Der Absturz ist nicht zu vermeiden.

Abstürze und Bruchlandungen

Die verunglückte Maschine ist einer der ersten Prototypen des "Global Hawk", der als Vorlage für den "Euro Hawk" diente. Der macht zur Zeit in Deutschland Schlagzeilen. Das hätte aber auch schon früher der Fall sein können, denn als das Verteidigungsministerium den überdimensionalen Spionageflieger im Jahr 2007 bestellte, waren bereits drei Maschinen abgestürzt. Eine vierte hatte eine Bruchlandung hingelegt. Das klingt nicht nach einem technischen Glanzstück, eher nach Bruchstück.

Inzwischen verzeichnen die amerikanischen Militärs zwei weitere Abstürze, 2011 und 2012. Bei nur 42 gebauten Maschinen ist der "Global Hawk" damit das am häufigsten abstürzende Flugzeug der US-Streitkräfte. Das hat die Nachrichtenagentur Bloomberg berechnet. In einer Studie ermittelte sie die extreme Zahl von 15,1 Totalschäden je 100.000 Flugstunden - und das ohne feindlichen Beschuss.

Hohe Unfallhäufigkeit

Auch andere große Drohnen des US-Militärs verunglücken demnach häufiger als bemannte Flugzeuge: "Global Hawk", "Predator" und "Reaper" bringen es in den vergangenen 15 Jahren zusammen auf 129 Unfälle, was einer Crash-Rate von 9,31 je 100.000 Flugstunden entspricht. Zum Vergleich: Alle US-Militärflugzeuge liegen bei einer Rate von 3,03. Zivile Passagierflugzeuge haben im Schnitt nur einen Unfall bei fünf Millionen Flügen, was deutlich weniger als 0,02 Unfällen je 100.000 Flugstunden entspricht.

Das lässt die positiven Aussagen von Verteidigungsminister de Maizière zu unbemannten Flugzeugen in neuem Licht erscheinen. 2012 sagte er vor Abgeordneten im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages, der Anteil von Drohnen am Luftverkehr werde sich "zukünftig auf über 50 Prozent" belaufen. Angesichts ihrer Unfallhäufigkeit möchte man sich das nicht vorstellen.

 
 
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