. .
Geschichte & Historie
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
19. Februar 2001, 00:11 Uhr

Mit Schiller über den Regenbogen

Der zehn Jahre jüngere Friedrich von Schiller zeigt Goethe den Weg zu neuen Ufern. Wie ein Liebespaar leben die zwei und fordern ihr Jahrhundert in die Schranken.

Der zehn Jahre jüngere Friedrich von Schiller zeigt Goethe den Weg zu neuen Ufern. Wie ein Liebespaar leben die zwei und fordern ihr Jahrhundert in die Schranken. Als der Freund stirbt, wird der Olympier wieder träge und huldigt einem neuen Gott: Napoleon

Es ist Hochsommer. Es ist warm. Goethe und Schiller gehen durchs abendliche Jena. Laufen über den Marktplatz, vorbei an der Wasserpumpe, am Brunnen, so, hier im letzten Haus wohnt Schiller. Goethe hat Lust, weiterzureden. Das Gespräch lockt ihn. Er sagt, er möchte von seinen Erfahrungen erzählen. Und ist schon bei seinem Lieblingsthema, der Metamorphose der Pflanzen. Auf Sizilien hat er doch die Urpflanze gesucht. Alles ist Blatt. Sein Credo. Im Vortrag, den sie gerade in der 'Naturforschenden Gesellschaft' gehört haben, stimmte doch alles wieder nicht.

Schiller meldet aber auch bei Goethe Zweifel an: Das ist keine Erfahrung, sagt er kopfschüttelnd, das ist eine Idee. Also das kann Goethe nun ganz schlecht vertragen. Kann mir sehr lieb sein, sagt er knapp, daß ich Ideen habe, ohne es zu wissen, und sie sogar mit Augen sehe. Aber Schiller kritisiert so charmant, so klug und diplomatisch, dass Goethe am Ende ihrer ersten Begegnung eingefangen ist. Und so ist denn dieser 20. Juli 1794 der Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft.

Dabei fand Schiller Goethe bis dahin ganz schrecklich. Und dieses blöde Weimar auch. Er hat ja sieben Jahre dort gelebt. Am Anfang noch voller Hoffnungen auf die Riesen vom Musenhof. Aber was fand er? Lauter Leute in Schneckenhäusern. Kamen nicht mal raus, um sich zu sonnen. Die ganze Stadt - eine Sekte. Und Goethe mittendrin als Guru. Lauter Philosophenverächter und übertriebene Naturverehrer. In Weimar, schreibt Schiller, sucht man lieber Kräuter oder treibt Mineralogie.

Geradezu kleinkariert ist das für den Dichter der 'Räuber', des 'Fiesko', des 'Don Carlos'. Und wie unpolitisch Goethes Stücke sind. Wie der seinen Egmont rummachen läßt mit Klärchen. Unmöglich findet Schiller das. Es geht doch um den Freiheitskampf der Niederländer. Handeln soll der Held, nicht tändeln. Und jede Warnung schlägt der in den Wind. Nein, guter Graf Egmont, schreibt Schiller über Goethes lahmen Helden, wenn es Euch zu beschwerlich ist, über Rettung nachzudenken, dann ist es richtig, wenn sich die Schlinge über Euch zusammenzieht. Wir sind nicht gewohnt, unser Mitleid zu verschenken.

  zurück
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12