Goethe ist nun ein Gott, dem Opfergaben gereicht werden: Münzen, Kaviar und Mädchenherzen. Sein Geist pendelt von Griechenland zum Morgenland, zum östlichen Diwan.

Ein Geschrei bricht los. Christiane von Goethe brüllt. Bettine von Arnim keift zurück. Die Damen geraten sich in die Haare. Frisuren lösen sich. Eine Brille fliegt durch die Luft. Dann rauscht Goethes Frau empört und gerupft aus der Zeichenschule, und Achim von Arnims Frau tastet heulend nach ihrer Brille. Die Besucher laufen zu ihr. Was um Himmels willen ist passiert, Bettine? Sie schreit hysterisch: Eine tollgewordene Blutwurst hat mich gebissen.
Der Klatsch flutet nur so durch Weimar. Die ganze Stadt ist in Aufruhr, schreibt Schillers Witwe. Und der Märchenerzähler Wilhelm Grimm wettert: Die Vulpius ist eine gemeine Person. Frau von Arnim hat ihr eine Ehre angetan, dass sie überhaupt mit ihr gesprochen!
Was war passiert? In der Weimarer Zeichenschule ist eine Ausstellung eröffnet worden. Klassische Kunst. So ganz olympisch in Goethes Sinne. Die junge Erzromantikerin Bettine scheint das ziemlich abstrus zu finden. Wird wohl in Christianes Gegenwart abfällige Bemerkungen gemacht haben. Und dann gibt ein Wort das andere. Und es fällt wohl die Behauptung, Christiane treibe Hurerey mit Schauspielern. Da fliegt dann die Brille.
Christiane berichtet Goethe, was vorgefallen. Und der verbietet Bettine für alle Zukunft sein Haus. Das sitzt! Denn Bettine von Arnim ist doch - und das schon, als sie noch unverheiratet ist und Brentano heißt - also Bettine ist schwer verliebt in den Riesen von Weimar.
Was hat sie nicht alles angestellt, um an ihn ranzukommen. Hat sogar seine Mutter in Frankfurt ausgequetscht. Und die hat ihr alles über den Hätschelhans erzählt. Alles über dessen frühe Jahre. Goethe hat sich das von ihr wieder erzählen lassen. Er wird es gut gebrauchen können für die ersten Kapitel von 'Dichtung und Wahrheit'.