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Symbol für den Häuserkampf

Hausbesetzungen, Straßenschlachten, Regierungskrisen: Die kämpferischen Bewohner der Hamburger Hafenstraße standen jahrelang im Blickpunkt der Nation. Erst nach zwölfjähriger Besetzungszeit konnte der Streit befriedet werden.

Straßenschlachten, brennende Barrikaden, Regierungskrisen und endlose gerichtliche Auseinandersetzungen machten die Hamburger Hafenstraße in den 80er und 90er Jahren zu einem Symbol für den Häuserkampf in Deutschland. "Die Hafenstraße war ein Jahrzehnt lang eine Wunde in der Stadt", erinnert sich der damalige Hamburger Bürgermeister, Klaus von Dohnanyi (SPD).

Es fing 1981 an mit der Besetzung maroder Altbauten am Hafenrand im Stadtteil St. Pauli. Ein jahrelanger Kampf gegen Abriss und Räumung begann. Bis Herbst 1986 gab es immer wieder Krawalle rund um die Häuser. Im November 1987 sollte ein "Verein Hafenstraße" als juristischer Partner mit dem Senat einen Pachtvertrag abschließen. Nach mehreren gescheiterten Schlichtungsversuchen wurde der Straßenzug zur Festung ausgebaut. Dohnanyi stellte ein Ultimatum für den Abbau von Barrikaden innerhalb von 24 Stunden und band seine politische Zukunft an die Durchsetzung der Verträge.

"Die Barrikaden sind weg"

Rund 5000 Polizisten standen bereit zum Sturm auf die Gebäude. "Es war eine gefährliche Situation, tragische Unfälle waren nicht auszuschließen, die Auseinandersetzung hätte sogar Leben kosten können", erinnert sich der SPD-Politiker. Kurz vor Ende der Frist sei dann die Nachricht ins Rathaus gekommen: "Sie haben es gemacht, die Barrikaden sind weg." Dass Dohnanyi ein halbes Jahr später das Handtuch warf, habe nichts mit neuen schweren Krawallen um die Hafenstraße zu tun gehabt: "Ich wollte sowieso zurücktreten."

Erst Mitte der 90er Jahre wurde es ruhiger. Stadtrundfahrtbusse hielten zwar noch zum Fotostopp vor den Häusern mit den markanten bunten Fassaden, die Aufnahmen hatten aber nichts mehr zu tun mit den Bildern, die die Besucher der Hansestadt einst auf ihren heimischen Fernsehschirmen gesehen haben. Im Dezember 1995 spricht sich der Senat für den Verkauf der zwölf Häuser für rund zwei Millionen Mark an die Genossenschaft "Alternativen am Elbufer" aus. Im Juni 1996 besiegeln Vertreter von Stadt und Genossenschaft den Vertrag.

Ruhe am Hafenrand

Seitdem ist es ruhig geworden am Hafenrand, die Genossenschaft verwaltet die Häuser in aller Stille. Laut wird es nur noch wegen der umfangreichen Baumaßnahmen. Acht der Altbauten sind komplett saniert, zwei weitere Häuser zu etwa zwei Dritteln. Bis Frühjahr 2005 soll auch der letzte Bau saniert sein. Von den Gesamtkosten von mehr als 9 Millionen Euro steuert die Behörde 3,85 Millionen bei. Die Genossenschaft bringt 1,3 Millionen auf. Die komplette "Innendekoration" erledigen die Bewohner selbst auf eigene Kosten.

Mitte der 80er Jahre lebten laut Dohnanyi in der Hafenstraße "hauptsächlich spät geborene 68er, die meinten, ihre Vorstellungen von Freiheit und Recht dort verwirklichen zu müssen". Nun sind es etwa 120 Menschen aller Altersstufen - "vom Kleinkind bis zur 90-Jährigen", sagt Helma Krstanoski von der Baubehörde.

Bunte Fensterrahmen statt Solidaritätsparolen

"Es gibt viele Kinder, nur noch wenige größere Wohngemeinschaften und Probleme wie in jedem Mietshaus, in dem gebaut wird", berichtet ein Sprecher der Bewohner. Diese würden immer noch im Gesamtplenum besprochen. Die "Hafenstraßler" haben laut Behörde in der Regel ein geringes Einkommen. "Die Fluktuation der Mieterschaft ist eher gering", sagt Krstanoski. Wo einst Solidaritätsparolen für den "bewaffneten Kampf" in Kurdistan oder Mittelamerika an die Fassade gemalt wurden, wird heute allenfalls der Fensterrahmen bunt gestrichen.

Friedhelm Schachtschneider/DPA
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