. .
Politik-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt fr ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebcher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persnlich, direkt und eigenstndig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr ber die Recherchespezialisten und ihre Enthllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z

Heilige Schrift

Sortieren nach: Relevanz | Aktualität |

Projekt bei Twitter
Projekt bei Twitter
Die Bibel sucht Follower

Wie bringt man den kompletten Bibeltext bei Twitter unter? Ein Englnder hat sich vorgenommen, die Heilige Schrift in Mini-Portionen zu verffentlichen. Da er fr jede Botschaft nur 140 Zeichen zur Verfgung hat, dauert die Verffentlichung mehrere Jahre.

Nachrichten-Ticker
Grnen-Politiker: Koran-Verteilung ist "Provokation"

Der kirchenpolitische Sprecher der Grnen-Bundestagsfraktion, Josef Winkler, hat die umstrittene Verteilung kostenloser Korane durch Salafisten als "Provokation" kritisiert.

Aktion radikaler Salafisten
Aktion radikaler Salafisten
Politiker stemmen sich gegen Gratis-Koran-Verteilung

Eine Aktion extremistischer Salafisten schreckt die Politik auf: Die muslimische Gruppe will in Fugngerzonen 25 Millionen Koranexemplare verteilen. Die Union will die Aktion stoppen. Doch eine rechtliche Handhabe ist fraglich.

Nachrichten-Ticker
FDP sieht keine Handhabe fr Verbot von Koran-Verteilung

Die FDP sieht keine Handhabe fr ein Verbot der umstrittenen Verteilung von Gratis-Koranen durch Salafisten.

Sprechblasen
Blog "Sprechblasen"
Fünf Comics zum Papstbesuch

Ganz Deutschland ist im Papst-Fieber. Als Willkommensgruß hier ein paar göttliche Comic-Vorstellungen. Der aktuelle Kirchenfürst Benedikt ist auf Tournee durch seine alte Heimat. Er versucht, seine verlorenen Schafe wieder in die Kirchen zu locken. Als Willkommensgeschenk stelle ich ein paar Comics vor, die sich in irgendeiner Form mit Glauben, Gott und Kirche beschäftigen – und in den meisten Fällen sicher nicht den Segen der Kirche erhalten. Natürlich steht an erster Stelle: Jesus In meiner Kindheit war die Bibel für mich ein tolles Abenteuerbuch. Mein Gott, was haben die Leute vor mehr als 2000 Jahren alles erlebt. Bizarre Storys um Mord und Totschlag, Betrug, Rache und Katastrophen: Als hätten Roland Emmerich, Alfred Hitchcock und Lars von Trier ihre Hände im Spiel gehabt. Während Teil eins ("Das alte Testament") hauptsächlich Angst vor der Gottesgewalt macht, war die Fortsetzung ("Das neue Testament") eher auf auf Nächstenliebe und Verzeihen ausgerichtet. Einer der größten Helden der Geschichte eroberte die Bühnen der Welt: Jesus Christus. Und wie einen Superhelden inszeniert Siku, bekannt für seine Version der Bibel (aber auch für seine Mitarbeit an "Judge Dredd"!) Christus. Er hat aus der Erlösergeschichte einen spannenden Comic gemacht. Und trotz der ungwohnten Umgebung und des an Mangas angelehnten Stil geht Siku sehr sorgfälltig bei der Umesetzung der Vorlage um. Offensichtlich half ihm sein Theologie-Studium bei seiner Arbeit. Siku schafft es, der bekannten Geschichte um Jesus neue Aspekte abzugewinnen. Er nimmt sich die Freiheit, zwischen den überlieferten Passagen immer wieder Gespräche und Situationen einzubinden, die den handelnden Akteuren noch mehr Tiefe verleihen. Resultat: Noch nie hat es so viel Spaß gemacht, die Geschichte von Jesus Christus zu lesen - und dabei noch etwas über Moral, Ethik, Mut und das Leben zu lernen. "Jesus" wird vielleicht keine Pflichtlektüre für den Konfirmantenunterricht, könnte aber die Lust auf die Heilige Schrift neu entfachen. " Jesus " von Siku Ehapa Verlag 19,99 Euro Genesis Einen ganz anderen Weg beschreitet Robert Crumb . Der Guru des Underground-Comics hat sich gleich das ganz große Werk vorgenommen: Die Entstehung der Erde, des Menschen und des ganzen Rest. Allein das Format des fantastischen Buchs wirkt, als müsste der Band in der obersten Schublade von Hotelzimmer-Nachttischen liegen. Auch Crumb gelingt es, dem Alten Testament durch seine Darstellungen neue Facetten abzugewinnen. Der Crumb-typische Strich sorgt für eine ganz besondere Lese-Atmosphäre. Allein die Begleittexte und Sprechblasen sind in einer Form platziert, die ihnen besonderes, fast sakrales Gewicht verleihen. Bei ihm wirken die Vertreibung aus dem Paradies, der Bau der Arche, die Moses-Geschichte so intensiv, dass man sich fast wie ein Zaungast fühlt. Nur auf den ersten Blick wirken seinen Charaktere überzeichnet. Lässt man sich auf seinen Stil ein, haben Joseph, Moses und Co. eine unglaubliche Tiefe erhalten. Und gerade durch den ein wenig schrägen Stil schafft es Crumb, den Staub von der Story zu schütteln und in die heutige Zeit zu transferieren. Und am Ende von "Genesis" ist klar, dass man gerade die größte Geschichte aller Zeiten gelesen hat. " Genesis " von Robert Crumb Carlsen Verlag 29,90 Euro Das Dritte Testament Nach zwei Bänden, die sich sehr treu an den Vorlagen orientiert haben, nun ein Band, der einen ganz anderen Blick auf die Entstehung der Christenheit wirft. Was wäre, wenn es noch ein weiteres Testament gegeben hätte? Alex Alice, Xavier Dorison und Robin Recht haben versucht, der bekannten Geschichte noch ein Kapitel hinzuzufügen. Die Hauptrolle in ihrer Story spielt Julius Publius Vindex, ein Schlächter im Namen Roms. 30 Jahre nach der Kreuzigung, lässt er jeden Christus-Anhänger hinrichten, der seinen Weg kreuzt. Doch dann wird er selbst Opfer einer Intriege und muss um sein Leben fürchten. Im Arbeitslager, in dem er gemeinsam mit Christen schuften muss, erfährt er von einer Prophezeihung - und sein Leben ändert sich. Mehr darf an dieser Stelle nicht verraten werden, die Geschichte bietet noch die eine oder andere Überraschung. "Das Dritte Testament" ist eine spannende Story um Glaube, Hoffnung und Vergebung - und sie bietet genügend Action-Elemente, um auch jüngere Leser zu begeistern. " Das Dritte Testament - Julius I " von Alixe Alice, Xavier Dorison und Robin Recht Carlsen Verlag 14,90 Euro Die Abenteuer von Blake und Mortimer - DerFluch der Dreissig Silberlinge Lange, bevor Indiana Jones die Kulturbühne betrat, holten Francis Blake und Professor Mortimer die Archäologie aus der verstaubenten Ecke. Erdacht wurden die ersten Abenteuer von E. P. Jacobs , inzwischen haben sich mehrere andere Autoren und Zeichner an den beiden Comic-Helden versucht. Der neue Band "Der Fluch der dreissig Silberlinge" stammt von Jean Van Hamme, René Sterne und Chantal De Spiegeleer. Und trotz der neuen Besetzung stimmt die Chemie, der Charme bleibt erhalten. Aber zur Story: Wieder einmal versuchen Captain Franics Blake und sein Freund Professor Mortimer einen Urlaub zu planen, als plötzlich ihr Erzfeind Colonel Olrik auftaucht. War wohl nichts mit Ferien. Das Abenteuer führt Mortimer nach Griechenland. Dort trifft er auf Altnazis und erfährt von einer ganz besonderen Reliquie: Angeblich wurde eine der Silbermünzen gefunden, die als Bezahlung von Judas dienten. Das Problem der Münze: Sie bringt seinem Besitzer Pech. Natürlich ist die Story nicht ganz bibelfest. Aber was macht das schon, wenn man so viel Spaß beim Lesen hat. Eine herrliche Geschichte. Hoffentlich erbarmt sich endlich einmal ein Produzent und lässt die Abenteuer von Blake und Mortimer verfilmen. " Die Abenteuer von Blake und Mortimer - Der Fluch der dreissig Silberlinge " Von Jean Van Hamme, René Sterne und Chantal De Spiegeleer Carlsen Verlag 12,00 Euro Ein Vertrag mit Gott Abschließend ein Werk, dass eigentlich keiner großen Vorstellung mehr bedarf. Daher nur so viel: Mit "Ein Vertrag mit Gott" hat der große Will Eisner ein wunderbares Spätwerk geschaffen. Erstmals 1978 erschienen, liegt der Band als erster Teil einer umfangreichen Eisner-Trilogie in ausgewählten Bücherregalen. Es ist die Geschichte eines Mietshauses und Eisner erzählt eine Art Scrooge-Story. In seiner Jugend schließt Frimme Hersch einen Vertrag mit Gott: Wer Gutes tut, wird von Gott belohnt. Zeit seines Lebens ist er nett und hilfsbereit. Doch das Leben betrügt ihn, er verliert Frau und Kind. Natürlich gibt er Gott die Schuld an seiner Situation. Er verändert sich, wird hart zu sich selbst und zu anderen Menschen, schlimmer noch: Er verliert seinen Glauben. Als Besitzer eines Mietshauses nimmt er die Mieter aus, wird immer gieriger, sein Herz verhärtet sich. Dennoch versucht er alles, um einen neuen Vertrag mit Gott zu schließen. Er sucht sich Hilfe bei ein paar Geistlichen und lässt sich einen neuen Vertrag aufsetzen, damit er seinem Leben eine neue Richtung geben kann. Im Gegenzug schenkt er der Gemeinde das Mietshaus. Doch Gott lässt sich nicht betrügen: Hersch stirbt an Herzversagen. Aber das Leben in dem Haus geht weiter - und hier beginnt die eigentliche Geschichte. Man lernt die Bewohner kennen, nimmt an ihrem Leben teil. Es ist ein Panoptikum über den vielbeschriebenen "American way of Life". Einzelschicksale, die zusammengenommen die Seele von Amerika zeigen. "Ein Vertrag mit Gott" ist eines der Bücher, die in keiner Sammlung fehlen dürfen. " Ein Vertrag mit Gott " Will Eisner Carlsen Verlag 36,00 Euro

Nachrichten-Ticker
Umstrittener US-Pastor nimmt an Koran-Verbrennung in Kirche teil

Der umstrittene US-Pastor Terry Jones hat in Florida einer ffentlichen Koran-Verbrennung beigewohnt.

Prediger Terry Jones und die Verbrennung des Korans
Prediger Terry Jones und die Verbrennung des Korans
Der Gotteskrieger von Kln

Ein Pastor aus den USA hat zur Koranverbrennung am 11. September aufgerufen. Die Reaktionen sind scharf - und passen wunderbar ins Kalkl des christlichen Fundamentalisten.

AlexanderPlatz
Blog "AlexanderPlatz"
Wen darf ich töten?

Das fünfte Gebot lautet: Du sollst nicht töten. Es steht im 2. Buch Mose. Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum wenige Seiten weiter im heiligen Buch von Juden und Christen das Töten fröhliche Urständ feiert und Unschuldige massakriert werden? Meine Antwort darauf ist: weil die Adressaten des Gebots die göttliche Weisung nur auf die Angehörigen ihres Stammes bezogen. Der andere, der Fremde, der darf weiterhin getötet werden. Der Nächste – er lebt nur in meiner Sippe. Das Christentum setzt eins drauf auf das mosaische Gebot. Die Frage des Pharisäers “Wer ist mein Nächster?” beantwortet Jesus mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk, 10,25-37), einem zentralen Element der Lehre des Nazareners, das zur Basiskenntnis über das Christentum gehört, zur Lektüre auch zu empfehlen für Nicht-Christen und Atheisten. Jesus weitet den Kreis über die eigene Sippe hinaus. Der Samariter, das war in den Augen der Juden kein Jude. Die Samariter galten als Ketzer, mit denen man sich nicht abgeben durfte. Er ist es aber, der den verletzten und halb Totgeschlagenen verarztet. Drei Stufen: Stammesbande, Religionsgemeinschaft, Menschheitsfamilie Der neue Weg, wie das Christentum am Anfang in Jerusalem genannt wurde, weitet das Gebot “Du sollst nicht töten” über die Grenze des Stammes. Jesus, so schreibt Paulus, reißt die Trennwand zwischen Juden und Heiden ein. Die Grenze nach außen bildet nun die nicht christliche Welt. Innerhalb der Grenzen sind “alle einer in Christus” (Gal. 3,28). Auch der Islam übersteigt die Grenzen der Stammeswelt in seinem neuen Bekenntnis: Die umma al islamiyya, die Gemeinde der Gläubigen, ist weltumspannend wie das universelle Christentum. Der gemeinsame Glaube bindet die jeweiligen Gruppenangehörigen aneinander. Das Christentum wird Reichskirche, die Völker, die den Islam annehmen, nehmen das Arabische an und damit eine neue, Einheit stiftende Kultur und Lebensweise. Zuerst bindet das Band der Familie, dann das Band der Religion. Das “Alle Menschen werden Brüder”, das Schiller in seiner Ode an die Freude (eigentlich Ode an die Freiheit) formuliert, markiert am treffendsten den dritten Schritt, in dessen Wirkkreis wir uns heute befinden: Es wird das Band der Menschheitsfamilie beschworen. Die dem Menschen von Geburt an zukommende Freiheit ist hier das verbindende Element. Dort, wo sie nicht herrscht, muss sie zur Geltung kommen. Der Gesellschaftsvertrag von Rousseau beginnt mit der Beschreibung des Status quo: Größer als Sippe und Glaube “Der Mensch ist frei geboren und liegt überall in Ketten.” Das Zeitalter der Revolutionen schafft eine säkulare Welt, in der Herrschaft nicht mehr absolut ist und Untergebenheit kein Schicksal oder Wille einer höheren Macht. Aus der Freiheit des Christenmenschen wird die Freiheit des Bürgers. Was bedeutet das für das Gebot “Du sollst nicht töten”? Es gilt heute absolut, unabhängig davon, wie stark der Sippenverbund ist oder wie stark der Glaube. Stimmt das “Seid umschlungen, Millionen”, sind wir uns als Menschen näher gekommen? Zwar ist uns das, was direkt um uns herum passiert, immer noch näher als das Ferne und Fremde. Dennoch spenden wir Rekordsummen nach einem Erdbeben auf Haiti oder einem Tsunami in Südostasien. Die Erderwärmung versetzt uns in Mitteleuropa nicht in Vorfreude, weil wir hier dann bei uns gewachsenen Chianti genießen können, sondern in Sorge, weil wir zur Empathie mit den Menschen in Bangladesch in der Lage sind, denen eine Erwärmung der Atmosphäre apokalyptische Überschwemmungen bringen und ihren Lebensraum nehmen wird. Das Projekt Menschheitsfamilie funktioniert. Das Konzept ist rational, es ist nachvollziehbar. Es lebt für Menschen mit Gemüt besser mit etwas Pathos, kann aber auch für kalkulierende Geister in einem Kosten-Nutzen-Schema mithalten. Der Nächste, das ist jetzt nicht mehr mein Blutsverwandter oder mein Glaubensbruder. Es ist jeder Mensch. Diese Einsicht markiert den Beginn der Moderne. Freiheit gegen Dogma Der Islam ist in diesem Sinne eine vormoderne Religion. Er kennt, in seiner Heiligen Schrift (Schritt zwei), eine gewisse Schutzbedürftigkeit von Juden und Christen an. Er leitet diese aber religiös her (Juden und Christen haben eine Heilige Schrift empfangen). Um unsere Menschenrechtserklärung (Schritt drei) macht die islamische Welt noch einen Bogen. Im Jahr 1985 haben Vertreter von Ländern dieser Hemisphäre in Kairo eine eigene Charta für islamische Menschenrechte verfasst und unterschrieben. Das Wohl und Wehe von Nicht-Muslimen in weiten Teilen der islamischen Welt hängt derzeit noch von der Auslegung des Koran durch den Imam im Dorf, die Religionsgelehrten an der Universität, den Willen der herrschenden Elite ab. Es gibt keine unverbrüchliche, rechtliche Garantie auf ein unversehrtes Leben. Es gibt Voll-Bürger (Muslime) und minderwertige Bürger (Nicht-Muslime). Religiöse Minderheiten leben schlecht unter islamischer Herrschaft, gleich, ob in der Türkei oder in Ägypten oder andernorts. Warum ist das so? Vielleicht, weil Christen und Muslime in der Geschichte ihrer Begegnung nie einander Samariter waren? Gibt es einen Weg für Muslime von Level zwei nach Level drei? Nach dem Dreißigjährigen Krieg schlossen Protestanten und Katholiken Frieden unter der Maßgabe “etsi Deus non daretur” – als ob es Gott nicht gäbe. Das kann der Weg sein. Muslime müssen dann nicht ihren Glauben aufgeben. Sie müssen nur erkennen, dass man mit ihm nicht alle Fragen beantworten und alle Probleme lösen kann. Der Glaube an die Freiheit ist schwieriger als der Glaube an das Dogma. Alexander Görlach ist Herausgeber und Chefredakteur des Debatten-Magazins The European Weitere Beiträge zum Thema: Seyran Ates: Die islamische Welt befindet sich noch im Mittelalter Necla Kelek: Missbrauch in Moscheen Axel Ayyub Köhler: Über Grundwerte kann man nicht abstimmen Rolf Mützenich: Strategie gegen Islamismus Günter Nooke: Exportschlager Menschenrechte Ali Kizilkaya: Nichts außer Palaver

AlexanderPlatz
Blog "AlexanderPlatz"
Die feste Burg

Aus den rheinhessischen Weiten erhebt sich der Dom zu Worms. Hier zog 1521 vom Norden her, am Rhein entlang, Martin Luther in die Stadt, um vor dem Kaiser und den Großen des Reiches seinen neuen Blick auf die alte Lehre zu verteidigen. Ob ihn dabei ein Gefühl von Angst beschlichen haben mag? Um die Unsicherheit zu vertreiben und sein Vertrauen auf Gott zu untermauern hat er, so sagt es die Tradition, die Silhouette von Worms im Blick, das Lied "Ein feste Burg ist unser Gott" gedichtet. Dabei hatte er die Schriftworte des 46. Psalms im Ohr. Der Choral ist in den knapp 500 Jahren, seit er zum ersten Mal auf einem Pferdefuhrwerk auf dem Weg nach Worms erklungen ist, zu einem festen Bestandteil lutherischen Selbstverständnisses geworden. Luthers auf dem Reichstag zu Worms gesprochenes großes Wort „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen“ ist heute am Fuße der Statue des größten Reformationsdenkmals der Welt im Stadtzentrum eingelassen. Der große Wittenberger Professor hält in seiner linken Hand die Heilige Schrift und blickt in Richtung des Domes St. Peter und Paul, der, in allen Wirren der nachreformatorischen Geschichte immer ein katholisches Gotteshaus geblieben ist, sieht man von einigen wenigen Wochen ab, in denen die durchziehenden Schweden in der Kirche gemäß der neuen Lehre ihren Gottesdienst gefeiert haben. 490 Jahre sind seit dem Thesenanschlag Luthers an der Schlosskirche zu Wittenberg vergangen. Der in lateinischer Sprache verfasste Text beginnt mit dem Hinweis, dass das Leben der Christenmenschen von Buße geprägt sei. Der Einzelne büßt vor Gott, zwischen ihn und seinen Schöpfer tritt keine weitere Instanz. Die Grundlage des neuen Kirchen- und Menschenbildes von Martin Luther wird in diesem Satz erstmals beschrieben. 490 Jahre sind eine lange Zeit, genügend Zeit, um in einer eigenen Tradition zu stehen. Sola scriptura , allein die Schrift, war der Hinweis Luthers, neben dem Wort der Offenbarung keine in der Zeit entstandene und durch den Begriff der Tradition kanonisierte Wahrheit mehr anzuerkennen. 490 Jahre sind eine lange Zeit, Tradition zu begreifen. Die wortwörtliche Bibelauslegung Luthers war in der damaligen Zeit eine Kulturrevolution, die das denkende (bekennende, bereuende) Subjekt in den Mittelpunkt stellte und den Kern der Theologie wieder neu in ihrem Ursprung, der für den Glauben grundlegenden Schrift, verortete. Diese Auslegung verfängt heute nicht mehr. Ihr hatfet nichts befreiendes mehr an, sie wirkt eher fundamentalistisch und dogmatisch. Auch für manche Theologen der Kirchen, die aus der Reformation hervorgegangen sind, besteht heute viel mehr ein eigener Reiz darin, in der Vielzahl der Liturgien und Bekenntnisse, sprich der Traditionen, die Teile eines großen Ganzen, der universalen Kirche Jesu Christi, zu begreifen. Die Tradition wird zur Chiffre des gelebten Glaubens in der Zeit. In ihr erhält sich das ewig gültige, in seiner Bedeutung unwandelbare Wort, nicht andersherum. Das ist dem Verständnis der katholischen Kirche sehr ähnlich, die sich selbst als universal versteht und unter ihrem Dach verschiedene Riten kennt und zulässt. Die lateinische Liturgie, von der wir im Westen so viel hören und die den Christen in der Alten Welt in den Kirchen des Orients den Beinamen "die Lateiner" eingebracht hat, ist nur eine unter ihnen und nicht allein seligmachend. Die Kirche, ihre Tradition, so das katholische Verständnis, macht das göttliche Wort, Christus, in der Welt sichtbar. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Berliner Bischof Wolfgang Huber, betont, dass seine Kirche nicht erst in der Reformation entstanden ist, sondern das Erbe der 1500 Jahre Kirchengeschichte zuvor auch in sich trage. Die Tradition, die gesamtkirchliche Tradition, bekommt durch eine solche Äußerung ein neues Gewicht und eine neue Bedeutung im reformatorischen Selbstverständnis. Für die Lutherfeierlichkeiten im Jahr 2017, zum Jubiläum von 500 Jahren Thesenanschlag zu Wittenberg, wünscht sich Bischof Huber, die Christen aller Konfession in Deutschland, dem Land, in dem die Glaubensspaltung des Abendlandes stattgefunden hat, mögen zu einer gemeinsamen Deutung der Umstände, die zu dieser Reformation geführt haben, kommen. Die Geschichte der Spaltung soll gedeutet werden, ein für alle mal, um im Blick nach vorne die Gemeinsamkeiten des christlichen Glaubens, auf einem Kontinent, der schon lange nicht mehr das christliche Abendland ist, herauszustellen und zu sichern. Diese Deutung wird kanonisiert werden und selbst einen Teil der Tradition beider Kirchen in Deutschland werden, wenn es denn so kommt, wie Bischof Huber es sich wünscht. Um die Reste des christlichen Abendlands zu retten, bedarf es des Rückgriffs auf die Tradition der christlichen Kultur. Sie wird die Bedeutung der Schrift erklären helfen – auch in der evangelischen Kirche. Die Bibel ist nicht mehr in der Weise die norma normans , die unhinterfragbare Instanz, die sie zu Luthers Zeiten war. Die sichtbare Tradition des Glaubens, seine Kirchen, Klöster und Kathedralen, seine Chormusik und Literatur allerdings werden ebenso wie die Ethik und das Menschenbild des Christentums sehr wohl wahrgenommen und neu rezipiert. Was wären die Deutschen ohne die Bibelübersetzung Luthers, ohne die Kompositionen Bachs und die Dichtungen Paul Gerhardts? Von dieser evangelischen, lutherischen oder reformatorischen Tradition haben auch die Katholiken profitiert. Wer dafür einen Beweis sucht, der möge einmal eine Messe in Deutschland mit Orgelklang und Gemeindegesang vergleichen mit einer schmucklosen Feier in Italien, in der, wie zu Luthers Zeiten, vobiscums und aeternums lieblos genuschelt werden, als hätte es die großen Liturgiereformen in der Papstkirche in der Zwischenzeit nie gegeben. Der Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" ist im katholischen Gebet- und Gesangbuch nicht aufgenommen. Er hat bei den Katholiken schlicht und ergreifend keine Tradition. Die diesem Liede zugrunde liegende Rechtfertigungsvorstellung des Menschen allein aus Glauben und durch Gottes Gnade, das haben die Kirchen bereits im Zuge der gemeinsamen Vergangenheitsbewältigung in einer Erklärung im Jahr 1997 festgestellt, wird sowohl von Katholiken als auch Protestanten geteilt. Wenn Katholiken und Protestanten aus Anlass des Gedenkjahres 2017 zu einer gemeinsamen Deutung der Vergangenheit gelangen, kommen sie hoffentlich auch zu einer gemeinsamen Strategie und Bestimmung, wie diese Religion, gleich welcher Konfession, die Menschen in Deutschland in den kommenden Jahren erreichen möchte. Im Kernland der Reformation, den neuen Bundesländern, gehören nur noch rund 15 Prozent der evangelischen Kirche an, fünf Prozent sind Katholiken. Ob der Gott der Christen „das Feld behält“, wie Luther in seinem Choral dichtet, ist längst noch nicht ausgemacht. Dieser Text ist zuerst erschienen auf www.cicero.de/alexanderplatz.php Mehr über den Autor erfahren Sie unter www.a-goerlach.com Weitere Texte zum Thema auf www.cicero.de: Interview mit Bischof Wolfgang Huber: http://www.cicero.de/97.php?ress_id=4&item=2597 Das Leiden macht den Unterschied von Klaus Berger http://www.cicero.de/97.php?item=2480&ress_id=10 Gott ist wieder da von Wolfram Weimer http://www.cicero.de/97.php?item=1316&ress_id=4

Vatikan
Vatikan
Lesestunde mit Papst Benedikt XVI.

Vorleser von Gottes Gnaden: Papst Benedikt XVI. wird persnlich dafr sorgen, dass die Bibel gelesen wird - indem er die Heilige Schrift im italienischen Fernsehen vor einem Millionenpublikum vortrgt.

Suche als Feed abonnieren

Hinter diesem Link steckt ein RSS-Feed, über den Sie bequem in ihrem Newsreader informiert werden, wann immer ein neuer Artikel auf stern.de zu Ihrem Suchbegriff erscheint.

Was sind RSS-Feeds?
 
VIEW Fotocommunity
Bilder zum Thema "Heilige Schrift"
 
 
 
 
Sie haben eine Frage zum Thema "Heilige Schrift"?

Dann stellen Sie sie in unserer Wissenscommunity "Noch Fragen".

Noch 70 Zeichen
 
 
 
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt fr ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebcher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persnlich, direkt und eigenstndig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr ber die Recherchespezialisten und ihre Enthllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...