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13. März 2010, 11:04 Uhr

"Er hat seine Sache erstklassig gemacht"

Er ist der Kanzler der Einheit, aber für viele auch ein konservatives Feindbild: Helmut Kohl. Demnächst wird der Pfälzer 80 Jahre alt. Gegner und Freunde sprechen in einem Sonderheft des stern über den Politiker und den Menschen Kohl - zum Beispiel Helmut Schmidt und Michail Gorbatschow.

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Kohl-Gegner trifft Kohl-Freund: Helmut Schmidt (r.) und Michail Gorbatschow im Oktober 1997© Teutopress

Helmut Kohl wird 80: Am 3. April feiert der Altkanzler Geburtstag. In einem Sonderheft des stern erinnern sich alte Weggefährten, aber auch politische Gegner an ihre gemeinsame Zeit mit dem "Kanzler der Einheit".

Beispielsweise sein Vorgänger Helmut Schmidt. Er erkennt an, dass Kohl im Herbst 1989 "zu großer Form aufgelaufen" sei. In einer Situation, in der erstmals seit 1948/1949 die Zusammenführung der beiden deutschen Nachkriegsstaaten denkbar wurde, habe Kohl "Mut und Intuition" bewiesen. "Er hat seine Sache erstklassig gemacht. Großes Lob von meiner Seite", sagte der Hamburger in der stern-EDITION "Helmut Kohl".

Trotz des Lobes spart der Altkanzler aus Hamburg aber auch nicht an Kritik an seinem Nachfolger aus der Pfalz. Schmidt: "Von März 1983 – da ist er gewählt worden – bis in das Jahr 1989 hinein war er kein herausragender Regierungschef." Hätte es 1988, ein Jahr vor dem Fall der Mauer, Bundestagswahlen gegeben, so hätte es Kohl nach Schmidts Einschätzung schwer gehabt, wiedergewählt zu werden.

Schmidt über Kohls wirtschaftliche Fehler

Auch nach der gelungenen politischen Vereinigung sei Kohl "eine Kette von Fehlern" unterlaufen. Schmidt sagte, es wäre besser gewesen, die D-Mark statt eins zu eins nur drei zu eins umzutauschen, weil dann die DDR-Wirtschaft wettbewerbsfähiger gewesen wäre. Ein "unglaublicher Fehler" sei auch die Treuhandgesellschaft gewesen, "die meinte, was Zukunft zu haben schien, an den Meistbietenden versteigern zu sollen und die anderen dichtzumachen". Schmidt: "So sind viele Fehler zusammengekommen, die dazu führen, dass auch heute noch der Lebensstandard in der ehemaligen DDR unter dem im Westen liegt und dass die Arbeitslosigkeit dort höher ist als in Westdeutschland."

"Etwas kleinlich" nannte Schmidt die Entscheidung des Kanzleramtes, Kohl im vergangenen November kein Bundeswehrflugzeug zur Verfügung zu stellen, um ihn zu den Einheitsfeiern nach Berlin zu holen. Auf die Frage, was er an Stelle von Kohl getan hätte, sagte der auch im Rollstuhl sitzende Schmidt: "Ich wäre mit der Eisenbahn hingefahren."

Ein anderer Wegbereiter der deutschen Einheit, Michail Gorbatschow, erinnert sich an seine Anfangszeit mit Kohl - und die war nicht immer sonnig. "Weil er heute mein Freund ist, kann ich es ja offen sagen: Es war ein schwerer Anfang", sagte der frühere sowjetische Präsident in der stern-EDITION.

In den ersten Jahren seiner Kanzlerschaft sei Kohl, der am 3. April 80 Jahre alt wird, für die sowjetische Führung "ein Mann der USA" gewesen. "Wenn wir uns mit Vertretern der Bundesrepublik trafen, schien es manchmal, als hörten wir nur Übersetzungen aus dem Englischen", so Gorbatschow in dem Interview. Er habe damals zu einem Trick gegriffen und bei seinen Europareisen bewusst einen Bogen um die Bundesrepublik gemacht. So habe es ausgesehen, als bewege sich Deutschland am Rand der Weltpolitik. Gorbatschow: "Und das hat die Deutschen nervös gemacht".

"Gorbi" und Kohl: Zwei schlechte Hellseher

Geändert habe sich das Verhältnis erst bei seinem ersten persönlichen Zusammentreffen mit Kohl im Oktober 1988 in Moskau. Der Friedensnobelpreisträger in der stern-EDITION: "Er war ganz offen, aufrichtig. Damals spürte ich, dass man diesem Mann vertrauen könnte."

Die beiden seien jedoch "ziemlich schlechte Hellseher" gewesen. Noch vier Monate vor dem Fall der Mauer hätten sie in Bonn die Frage der deutschen Wiedervereinigung zu einer Angelegenheit für das 21. Jahrhundert erklärt. Doch dann habe die Geschichte an Fahrt aufgenommen.

Den einstigen DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker nannte Gorbatschow einen "guten Deutschen": "Er hatte gegen den Faschismus gekämpft. Und viel getan für die Gründung der DDR". Sein Fehler sei allerdings gewesen, dass er bis zuletzt behauptete, er brauche keine Perestrojka, das Schlagwort, unter dem Gorbatschow den Wandel der Sowjetunion und des gesamten Ostblocks einleitete.

Lesen Sie die Interviews und vieles mehr über Helmut Kohl...

Lesen Sie die Interviews und vieles mehr über Helmut Kohl... ...in der neuen stern-Edition "Helmut Kohl. Der Kanzler der Einheit wird 80". Von Montag an für 7,50 Euro im Handel.

 
 
KOMMENTARE (10 von 46)
 
jetrabbit (15.03.2010, 19:16 Uhr)
was kohl wirklich auszeichnet
ist die umstellung von DM auf euro. hier wurde das volkskapital innerhalb von 2 jahren auf 50% reduziert. das hat ausser kohl nur noch die merkel geschafft. aber wenn der stern das anders sieht ist es auch gut. das hätte ich vom stern als konservatives medium auch nicht anderes erwartet.
vegefranz (15.03.2010, 14:49 Uhr)
mit Kohl begann der wirtschaftliche Abstieg des Landes

darüberhinaus:

als in der Berufsschule das Fach "politischer Anstand" unterrichtet wurde, hat er sich die Ohren zugehalten.

Offenbach (15.03.2010, 09:21 Uhr)
Er war besser als macn Andere
Kohl hat sicherlich Fehler gemacht, wie andere Menschen auch, er war in meinen Augen neben Schmidt, einer der besten Kanzler. Wenn ich mir dagegen Schröder anschaue wird mir heute noch übel. Eins noch: Hinterher ist es immer leicht Kritik zu üben.
Petedom (15.03.2010, 07:33 Uhr)
im Fach Wirtschaft Note 4 bis 5
was sehr schlecht lief:
- fehlende Euro Regeln bei Euro-Staaten
mit Problemen .
- falsche Euro-Relation 2 DM = 1 Euro
( Folge preistreiberei in D )
- den Leuten versprechen " der Euro ist
sicher " ( Originalton )
- weiterhin s. kritik v. Helmut Schmidt
- Vorruhestandsregelungen in den
90 er Jahren
( ihm fehlte die Kenntnis der Unter-
nehmerpsyche )
Skillet4 (15.03.2010, 03:12 Uhr)
Ist es denn die Möglichkeit?
Guten Morgen auch.
@Tempelhofer (14.03.2010, 14:02 Uhr):
Auch *Wir* wählen die Freiheit!
Stellen Sie sich das mal vor!
jackmuellergmx (15.03.2010, 01:58 Uhr)
armer stern
dümmer gehts nimmer!!!
LaoLu (15.03.2010, 00:06 Uhr)
Otto, verkniep di dat
de is dat nich wert!
LaoLu (15.03.2010, 00:04 Uhr)
Sie haben recht, Sethus,
und damit ist dieser Artikel ein gutes Beispiel dafür, was "die Presse" aus "der Wahrheit" machen kann.

Helmut Schmidt hat sich auf ein knappes Jahr der unendlichen Regierungszeit Kohls bezogen-

"die Presse" macht daraus ein
Er hat seine Sache ERSTKLASSIG gemacht
OttoB (14.03.2010, 21:26 Uhr)
Jetzt darf ich mich nicht mal
gegen den Berufsschreiber Tempelhofer verteiligen, das ist vieleicht eine Zensur hier!!!!!
Ja und noch mal Ja ich komme aus dem Volk.
1950 als ich in HH zur Schle ging war es noch möglich etwas zu lernen und etwas zu werden.
Das hat das Volk möglich gemacht.
W.Brand war ein Bundeskanzler für das Volk nicht Kohl und Schröder.
Ich darf ja nicht schreiben das es früher bei den Unternehmern gerechter zu geht als bei einigen ihrer Söhne heute.
Ja Herr Tempelhofer hat recht das ich aus dem Volk komme und das Volk mir meinen Aufstieg mit meinem Fleiß geschenkt hat.
Meine Mutter war eine Putzfrau (früher keine Sklavin) und mein Vater gefallen.
tbird (14.03.2010, 21:14 Uhr)
80-90 is doch egal....
stern.de unterzeile im wortlaut:

Lesen Sie die Interviews und vieles mehr über Helmut Kohl... ...in der neuen stern-Edition "Helmut Kohl. Der Kanzler der Einheit wird 90". Von Montag an für 7,50 Euro im Handel.
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