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13. Februar 2001, 20:01 Uhr

Als in Hamburg die Köpfe rollten

»Aller Welt Feind.und Gottes Freund!« Das war der Schlachtruf des berühmtesten deutschen Seeräubers. Leben und Legende des KLAUS STÖRTEBEKER, der zur Zeit der Hanse die Schiffe reicher Kaufleute ausplünderte und der vor den Toren Hamburgs enthauptet wurde

»Aller Welt Feind.und Gottes Freund!« Das war der Schlachtruf des berühmtesten deutschen Seeräubers. Leben und Legende des KLAUS STÖRTEBEKER, der zur Zeit der Hanse die Schiffe reicher Kaufleute ausplünderte und der vor den Toren Hamburgs enthauptet wurde

Am Mastbaum stand Störtebeker, den Degen in der rechten, die rote Fahne in der linken Hand. Vom Hals tropfte über das schwarze Halstuch Blut... Dröhnend lachte Störtebeker: Dieses Blut ist unsterblich. Ewig wird es in den Venen der Menschheit rasen...» So sieht der Dichter Deutschlands berühmtesten Freibeuter. Und so der Historiker: «Klaus Störtebeker war ein Seeräuberhäuptling, wahrscheinlich aus Wismar gebürtig, der seit 1394 mit Gödeke Michels sein Unwesen trieb und insbesondere den Engländern schädlich war, bis er bei Helgoland von Hamburger Englandsfahrern unter der Anführung der Rathmannen Hermann Langhe und Nikolaus Schoke überwunden, mit seinen Genossen gefangen, nach Hamburg gebracht, und dort gleich nach Feliciani (Okt. 20) auf dem Grasbrook hingerichtet wurde.»

Irgendwo zwischen der dichterischen Fantasie des Literaten Klabund von 1926 und dem historischen Realismus des Hamburger Geschichtsgelehrten Karl Koppmann von 1877 wird sich das Leben des Klaus Störtebeker abgespielt haben. Mal Freiheitskämpfer, mal Salzwassergangster - wie eine Kogge in schwerer See schwankt das Bild des Seeräubers in der Geschichte und in zahllosen Geschichten. »Gottes Freunde und aller Welt Feinde« sei sein Schlachtruf gewesen. Ein todesmutiger Mann, der gegen die Reichen und Mächtigen und für die Armen und Unterdrückten gekämpft hat! Ein Freibeuter, der für Freiheit und gleiche Beute für alle war! So haben die Küstenbewohner ihren Störtebeker am liebsten.

Eines ist jedenfalls sicher: Der Mann hat gelebt. In mittelalterlichen Dokumenten finden sich Hinweise auf einen gewissen Nicolao, Clawes oder Klaus Störtebeker. In Wismar, in London und in Hamburg. Wismar im Jahre 1380. Im Gerichtsprotokoll der Hansestadt, dem »Liber proscriptorum«, wird ein alltäglicher Vorfall festgehalten: Zwei Männer wurden aus der Stadt verbannt, weil sie einen Zechkumpanen vor einer Hafenspelunke übel zugerichtet haben. Der Mann habe mehrere Brüche und zahlreiche Beulen erlitten. Der Name des Opfers: »Nicolao Stortebeker«.

Die Schlägerei ereignet sich zur Blütezeit der Hanse, deren Geschichte Ende des zwölften Jahrhunderts als Verbund deutscher Kaufleute begonnen hat, die im belgischen Brügge, in Nowgorod in Russland und auf der Insel Gotland Kontore eröffnet hatten. Über die Westsee, wie die Nordsee damals hieß, und über die Ostsee transportierten dickbäuchige Koggen wertvolle Waren, Textilien und Gold, Porzellan und Geschmeide, Gewürze und Salz, Wein und Bier. 70 Städte bilden den Kern der Wirtschaftsgemeinschaft. Bremen und Hamburg, die Ostseeanrainer Lübeck, Wismar und Rostock, Stralsund und Danzig gehören dazu, auch Köln, Dortmund und Münster, Stade, Lüneburg und Braunschweig. In den Städten herrschen die Ratsherren und die Kaufleute, die Patrizier, vom gemeinen Volk »Pfeffersäcke« genannt.

Während in den Hansestädten die Reichen immer reicher werden, ballt sich im Schatten der imposanten Rathäuser, Kirchen und Patrizierhäuser Armut und Elend zusammen. Tausende von Leibeigenen strömen vom Land in die Städte. Sie folgen dem Ruf »Stadtluft macht frei«. Doch die meisten finden weder Freiheit noch Arbeit oder Unterkunft. Sie werden zum Lumpenproletariat, ein unterernährtes »Gesindel«, das sich von den Abfällen der Reichen ernährt.

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