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8. Mai 2008, 14:46 Uhr

Wie Laura Bushs Vater in Halle kämpfte

Millionen alliierte Soldaten kehrten nach der Zerschlagung des Hitler-Regimes nach Hause zurück. Über ihre grausigen Erlebnisse in Deutschland konnten viele nicht sprechen. Einer von ihnen war Sergant Technical Harold Bruce Welch - der Vater der First Lady der USA, Laura Bush. Von Nico Wingert

Ihr Vater schwieg: Laura Bush, First Lady Amerikas© Ron Edmonds/AP

Es waren die "National Days of Remembrance 2005", als Laura Bush, First Lady der USA, erstmals öffentlich über die Kriegserlebnisse ihres Vaters sprach. Dass er in der 104. Infanteriedivision der US-Army gedient habe und an der Befreiung des berüchtigten KZ "Dora" in Nordhausen beteiligt gewesen sei. Als Kind habe sie manchmal ihren Vater über diese Zeit befragt, aber er wollte nicht darüber reden. "Ich denke", so resümierte Laura Bush in ihrer Rede, "er konnte es nicht ertragen, seinem Kind zu sagen, dass es so viel Böses da draußen in der Welt gibt."

Was Laura Bushs Vater Harold Bruce Welch in Deutschland erlebte, lässt sich inzwischen aus Quellen rekonstruieren. Welch gehörte dem Stoßtrupp der 104. Division an, den sogenannten Timberwolf. Gemeinsam mit der 3. Amored Division erreichten sie das Konzentrationslager "Dora" in Nordhausen am 11. April - und fanden rund 5000 Sterbende und Leichen vor. Rund zwei Meilen nordwestlich des KZs entdeckte Welchs Division die unterirdische, streng geheime Produktionsstätte der Fernlenkrakete "Aggregat 4 (A4)", besser bekannt unter dem Propaganda-Namen "V2". Fast 60.000 Häftlinge hatten hier unter unmenschlichen Bedingungen für die faschistische Kriegsproduktion geschuftet.

"Elend überall"

Zwischen dem 13. und 14. April stieß die 104. Division zum KZ Wansleben vor. Die Wanslebener Milchverkäuferin Herta Römhild, die ebenfalls am 14. April im Lager war, notierte in einem Augenzeugenbericht: "Auf den Pritschen liegen skelettähnliche Wesen - Menschen, die keine Menschen mehr waren. Der Nebenmann wusste vom anderen nicht, ob dieser noch lebte. Lebende und Tote - alles durcheinander. Von den oberen Pritschen drang durch die Bretterritzen der Kot auf die unten Liegenden. Sie merkten es nicht. Machtlos, sich zu rühren. Entweder hatten sie Ruhr, Typhus oder Lungentuberkulose […] Eine unerträgliche Luft herrschte im Raum. Ein grauenvolles Bild. Elend, Elend überall, wohin man blickte." Harold Welch und seinen Kameraden blieben nur wenige Stunden im KZ Wansleben. Sie mussten die kranken Häftlinge versorgen und - so geht es aus den amerikanischen Armeearchiven hervor - den Angriff auf die zehngrößte Stadt Deutschlands vorbereiten: Halle (Saale).

Eroberung Halles

Der Befehlshaber der 104. Division, General Terry Allen, plante, Halle möglichst kampflos zu erobern. Die Bevölkerung wurde mit Flugblättern aufgerufen, sich zu ergeben. Zugleich ließ Allen einen Stoßtrupp unter der Führung von Colonel Gerald Kellegher bilden. Mit dabei: Harold Welch. In den Morgenstunden erreichte der Stoßtrupp den nördlichen Teil Halles. Fünf Tage später, am 19. April, war die Operation beendet und Halle von Nazis befreit. Größere militärische Zerstörungen blieben aus. Nur die im Nordosten der Stadt ansässigen "Siebels-Flugzeugwerke" waren mehrfach bombardiert worden und befanden sich nun in einem ruinösen Zustand. Wie Zeitzeugen berichten, reagierte die Bevölkerung auf die Amerikaner freundlich. Die Alliierten verteilten Süßigkeiten und Kaugummi, auch Essenskonserven und Zigaretten. Später rückten die Russen in das Gebiet ein, die Amerikaner zogen weiter nach Westen.

Pflicht zur Verschwiegenheit

Von all diesen Ereignissen in Deutschland hat Harold Bruce Welch seiner Tochter Laura offenbar nichts erzählt. Er starb 82-jährig an Alzheimer am 19. April 1995. Nach dem Krieg war er als Geschäftsmann tätig gewesen. Welch erlebte es auch nicht mehr mit, wie seine Einheit, die Timberwolf, den Titel einer "Befreiungsarmee" 1998 in den USA erhielt. Sechs Jahre später wurde seine Tochter First Lady der USA. Aus diesem Anlass veröffentlichte CNN am 8. April 2001 ein Dossier über Laura Bush. In einem Nebensatz wird erwähnt, dass Lauras Vater nach dem Krieg auch einer der führenden Köpfe des "Republican National Commitee" und des amerikanischen Geheimdienstes CIA war. Verschwiegenheit gehörte in dieser Position zu seinen Dienstpflichten.

Von Nico Wingert
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
ecomoc4u (12.05.2008, 12:29 Uhr)
Gut und Böse.
Das gute was der Vater von Mrs. Busch bewirkt hat, ist durch ihren eigenen Ehemann tausendfach wieder kaputt gemacht worden.
.
Das ist also keine Entschuldigung für das grandiose Versagen ihres Ehemannes.
Punito (10.05.2008, 18:22 Uhr)
Seltsame Ansichten....

Den Amerikanern die Ausrottung von Indianerstämmen zum Vorwurf zu machen,
wenn Soldaten das Grauen der Naziverbrechen persönlich kennenlernen durften .
Die Opfer der Nazidiktatur lassen sich nach über 60 Jahren nicht einfach vergessen machen .
Dieses Erbe bleibt bis in alle Ewigkeit ein Teil der deutschen Geschichte .
Was den Ureinwohnern des nordamerikanischen Kontinent anbelangt, sollte einmal darüber nachgedacht werden , das es Europäer waren die mit der gleichen Ignoranz
und Menschenverachtung schon vor der Gründung der U.S.A. den Ureinwohnern
die Lebensgrundlage streitig machten. Krankheitsübertragungen ,
Landraub , Zwangsumsiedlungen, Mord und Totschlag u.s.w. sind Verbrechen .
Diese Verbrechen lassen sich jedoch nicht gegeneinander aufrechnen .
Wer dies tut legetimiert Diktaturen .

Hartwig.Lein (09.05.2008, 14:52 Uhr)
Der Seeteufel rettete Halle
Wir wollen mal nicht unterschlagen, dass Graf Luckner, der "Seeteufel" des 1. Weltkrieges, der 1945 in Halle lebte. die Stadt gerettet hat. Er hatte bei den Amerikanern einen legendären Ruf als fairer Gegner, deswegen hörten sie auf ihn. Er schlug sich unter abenteuerlichsten Bedingungen zu den Timberwölfen durch und erreichte die Aussetzung der Beschießung Halles. Ohne ihn hätte Halle ausgesehen wie Dresden oder Köln.
elliottsmith (09.05.2008, 12:49 Uhr)
@mamadou
Die Amerikaner stehen nicht zu Ihrer Vergangenheit, sondern Sie sind stolz darauf und ignorieren alles Schlechte und Menschenverachtende daran. Das ist nichts positives, sondern führt eher noch dazu, dass weiterhin schlechte und menschenverachtende Dinge durch Amerika geschehen, weil man ja bis jetzt nur "Gutes" gemacht hat und damit auch weiterhin weitermachen möchte. Trotz allem bin ich Amerika immer noch dankbar und hoffe sie kommen demnächst mal wieder auf den rechten Pfad.
mamadou (09.05.2008, 10:15 Uhr)
Selbstgeisselung
@ Staudenmeier
Hast Recht, die USA haben auch Dreck am Stecken (Hiroshima etc.) ABER sie beleidigen ihr Volk nicht dauern selbst wie die deutschen Journalisten. Amerikaner stehen zu ihrer Vergangenheit und glauben an die Zukunft. DAS ist der Unterschied zum neurotischen D!
Staudenmaier007 (09.05.2008, 08:59 Uhr)
Das Land der Freien und die Heimat der Tapferen......?
Das es soviel Böses gibt in der Welt, wer hätte das gedacht ?
Wenn nicht Amerika uns immer wieder daran erinnern würde.
Gut nicht ?
Wie viele Indianen hat eigentlich diese Land auf dem Gewissen ? Wie viele verschleppte Sklaven die wie Vieh gekauft und durch Arbeit vernichtet wurden ? Wie viele Kriege hat Amerika nur deshalb geführt um sein Terretorium zu erweitern oder seine Interessen durchzusetzen ?
Der Stern ist mal wieder Erfüllungsgehilfe billiger Propaganda.
Shame on you - too.
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