. .
News am 21.11.2009
RSS Mobil Wetter stern.de Blogs Hefte
13. August 2007, 12:10 Uhr
Schriftgröße: A A A

Egon Krenz leugnet Schießbefehl

Das Dokument, das die Birthler-Behörde veröffentlicht hat, befiehlt die Tötung von DDR-Flüchtlingen - schwarz auf weiß. Aber von Dokumenten lässt sich der Ex-DDR-Chef Egon Krenz offenkundig nicht beeindrucken.

Inzwischen ein beliebtes Fotomotiv: Touristen posieren an den Reststücken der Berliner Mauer© Michael Kappeler/ddp

Der Fund eines Stasi-Schießbefehls auf DDR-Flüchtlinge hat für Wirbel gesorgt. Das Dokument befiehlt, auf Flüchtlinge unverzüglich zu schießen, selbst wenn diese in Begleitung von Kindern waren. Der frühere DDR-Staatschef Egon Krenz streitet dennoch weiterhin ab, dass es ein solchen Befehl gab. "Es hat einen Tötungsbefehl, oder wie Sie es nennen 'Schießbefehl', nicht gegeben. Das weiß ich nicht aus Akten, das weiß ich aus eigenem Erleben. So ein Befehl hätte den Gesetzen der DDR auch widersprochen", sagte Krenz der "Bild".

Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, will untersuchen, ob das nun öffentlich gemachte Dokument für strafrechtliche Ermittlungen von Bedeutung ist. Es "beschreibt eine Befehlslage, nicht die Durchführung einer Tötung, was Voraussetzung für eine Strafverfolgung wäre", sagte Birthler der "Berliner Zeitung". "Es ist kein Befehl, der sich an die Grenzsoldaten richtete, sondern ein Befehl an eine besondere Stasi-Einheit, die die Fahnenflucht von Soldaten mit allen Mitteln verhindern sollte."

Vorwurf der Sensationshascherei

Bodo Ramelow, Vize-Fraktionschef der Linken im Bundestag, kritisierte die Birthler-Behörde scharf: Er könne nur mit Kopfschütteln registrieren, dass die Behörde der Öffentlichkeit nun selbst längst bekannte Dokumente als vermeintliche, sensationelle Geheimakten präsentiere, um ihre Arbeit zu rechtfertigen, sagte er der in Erfurt erscheinenden "Thüringer Allgemeinen".

Auch der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz betonte in der "Leipziger Volkszeitung", der Sachverhalt sei schon lange bekannt. "Aber mit diesem Fund wird deutlich, dass die Versuche, die von Seiten der PDS, der heutigen Linken, insbesondere von der kommunistischen Plattform, immer wieder unternommen worden sind, die Existenz des Schießbefehls prinzipiell abzustreiten, ein Lügengebilde waren."

"Erschießungen waren Hinrichtungen"

Der frühere DDR-Bürgerrechtler Werner Schulze sieht sich bestätigt: "Dass es einen Schießbefehl gab, wurde ja nur noch von Anhängern des SED-Regimes geleugnet", sagte er der "Neuen Presse". Für ihn stelle sich die Frage, wie viele der Verantwortlichen noch zur Rechenschaft gezogen werden könnten: "In Italien werden bis heute noch Täter bestraft, die Ende des Zweiten Weltkriegs für Hinrichtungen verantwortlich waren. Und die Erschießungen von Flüchtlingen an der Mauer waren nichts anderes als Hinrichtungen", fügte der Grünen-Politiker hinzu.

Der Bürgerrechtler und letzte DDR-Verteidigungsminister Rainer Eppelmann (CDU) meinte, der Fund müsse Anlass sein, "die umbenannte SED nach ihrem Schuldeingeständnis zu fragen". Der Fund sei überraschend. "Dass das Grenzregime grausam und faschistoid war, das war bekannt", sagte Eppelmann der "Mitteldeutschen Zeitung".

Gedenktag zum Mauerbau Inmitten einer neuerlichen Diskussion über einen Schießbefehl an der früheren innerdeutschen Grenze wird am Montag in Berlin an den Bau der Mauer vor 46 Jahren erinnert. Am 13. August 1961 hatte die DDR mit der Abriegelung der Grenzen zu West-Berlin begonnen und damit die deutsche Teilung besiegelt, die erst mehr als 28 Jahre später am 9. November 1989 mit dem Fall der Mauer zu Ende ging. Nach neuen Erkenntnissen starben zwischen 1961 und 1989 allein an der Berliner Mauer 133 Menschen.

DPA
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Punito (13.08.2007, 12:36 Uhr)
Mein Name ist Haase

Wenn es darum geht persönliches
Wissen zu verantworten -
dann kann nicht sein , was nicht sein darf .
Fakt ist , den Schießbefehl gab es .
Herr Krenz hat seine Knastzeit abgearbeitet , Was sollte er auch
anderes von sich geben , als NICHTWISSEN ?
Ich finde es jedoch nicht fair ,
die Linkspartei permanent als SED -
nachfolgeorganisation zu bezeichnen .
Haben denn nicht etliche Ex-SEDmitglieder von CDU und SPD
nach der Wende in der BRD ihre politische Heimat gefunden , ohne den Vorwurf,mal in der Ost-CDU Mitglied gewesen zu sein ?
Bei aller Moral , was fürchten die
etablierten Westparteien , wenn sie jede Gelegenheit nutzen gegen die Linke zu hetzen ?
Mehr soziale Gerechtigkeit im Land
würde den Mitgliederschwund in
ihren Reihen beenden .
Übrigens , wann wird denn mal Anklage gegen die Hintermänner/Frauen erhoben? .Als Beispiel sei Frau Honnecker genannt .
Betonpaul (13.08.2007, 12:06 Uhr)
Scheinheiliges Brimborium
Was macht man jetzt plötzlich so einen Aufwand um den Schießbefehl an der Mauer? Daß es ihn gab, ist doch durch Fakten bewiesen, schließlich gibt es ja genügend Leichen, die das belegen.
Nur jetzt, nach fast 20 Jahren Einheit läuft die Suche nach Schuldigen genau so wie nach dem Ende des dritten Reiches.
Auch damals gingen alle, die aufklären hätten können, auf Tauchstation.
Und als die Schuldigen größtenteils weggestorben waren wurden noch ein paar 80-90 jährige Halbleichen vor den Richterstuhl gezerrt, um sich bloß nicht dem Ruf auszusetzen, man habe nichts getan.
In der Zwischenzeit hatten Komissköpfe aus dem Nazireich die Bundeswehr okkupiert, braune Richter von damals sprachen bundesdeutsches Recht, Adenauer leistete sich Globke und ein Altnazis wie Filbinger kamen sogar zu Ministerpräsidentenehren.
Nach dem gleichen Strickmuster verlief die angeblich schonungslose Aufklärung der DDR-Verbrechen.
Zunächst einmal lochen und abheften. Und wenn sich der Rauch verzogen hat, das eine oder andere Thema, jetzt ist es mal der Schießbefehl, vor kurzem waren es die Todesstrafen, kurz aufkochen und der "beeindruckten(???)" Öffentlichkeit beweisen, wie sehr man doch an der Aufarbeitung unserer Geschichte arbeitet.
Eine Krähe hackt, aber das wissen wir schon aus der Vergangenheit, der anderen kein Auge aus. Armes Deutschland.
Perkins1975 (13.08.2007, 11:22 Uhr)
Evil-King
Eppelmann war in der Tat der LETZTE Verteidiungsminister der DDR allerdings NACH der Wende. Meiner Erinnerung nach war er Mitglied des Demokratischen Aufbrauchs, der später mit der CDU fusionierte. In jedem Fall war er kein Mitglied der alten SED-Regierung.
Evil-King (13.08.2007, 10:53 Uhr)
Eppelmann
Ich finde den letzten Abschnitt sehr erschreckend. Bis zuletzt Verteidigungsminister in der DDR gewesen und jetzt einen auf Bürgerrechtler und Anti-DDR machen. Und alles schön auf die "umbenannte SED" schieben. Ich glaube nicht, dass man als Nicht-SED'ler Verteidigungsminister in der DDR geworden wäre. Also Herr Eppelmann, mal bitte schön an die eigene Nase fassen!!!
Zum Artikel an sich. Trotz des Dokumentes was zu leugnen, ist als würde man im Kaufhaus klauen und dann alles leugnen obwohl das Preisschild noch herausschaut und alles live auf Kamera ist... Peinlich... Wo bleibt die Behauptung, dass das Dokument gefälscht sei? Muss doch noch kommen sowas, oder?
dispo4 (13.08.2007, 10:45 Uhr)
verbrannter fuss
wen interessiert die meinung eines in der lüge der vergangenheit festgeklebten "würden"-trägers der "ddr" ? dieser mann würde selbst die hölle leugnen wenn sein fuss schon von feuer angesengt wäre. ist ja auch kein schöner lebensabschluss erkennen zu müssen, das man einem reinen terrorstaat gedient hat.
Mule (13.08.2007, 10:34 Uhr)
Unterschrift
Es wird berichtet - auch bei der schreibenden Zunft - daß es diesen Schießbefehl gab. Mich würde sehr interessieren, wer dieses Machwerk unterschrieben hat. Kann man Roß und Reiter nicht nennen, weil diese noch unter den Lebenden weilen und sie nach Bekanntgabe eventuell ihre Rentenansprüche verlieren könnten???? Rumeiern kann jeder! Wenn dieses Dokument vorliegt, wird man ja auch den Unterzeichner benennen können - ohne Rücksichtnahme !!!!!!!!
Aurum (13.08.2007, 10:18 Uhr)
Krenz
ist mitverantwortlich für die vielen Toten an der innerdeutschen Grenze! Natürlich gab es einen Schießbefehl! Sonst wäre die Zone doch viel eher leer gewesen und Honecker (der letzte "Republikflüchtling") hätte als letzter das Licht ausgeschaltet. Fällt die Aussage von Krenz denn nicht unter Volksverhetzung? Er leugnet den Schießbefehl wie die Nazis das vernichten der Juden! Besser wäre es damals gewesen, man hätte das ganze ZK über die Minenfelder der innerdeutschen Grenze laufen lassen. Das hätte den Gerichten viel Arbeit erspart.
hardrain (13.08.2007, 10:04 Uhr)
Machen wir uns doch nichts vor!
Die DDR durfte wie jeder legitime Staat dieser Welt seine Aussengrenzen schützen, wie er wollte! Im Kalten Krieg nannten die Adenauers und andere dies Schießbefehl - es sollte nur davon ablenken, daß im Westen unter Adenauer der gesamte, von Katholiken durchsetzte Naziapparat wieder Verwendung finden konnte, und 17 Millionen Protestanten somit auf Dauer von der Deutschen Einheit ferngehalten werden konnten!
Trolljaeger (13.08.2007, 10:00 Uhr)
Was soll das?
Was soll das ganze Theater ? Ob es jetzt einen Schießbefehl gab oder nicht - was soll denn jetzt passieren ? Wer wird denn jetzt angeklagt und verurteilt ? Niemand aus der ehemaligen Führungsspitze der "DDR" ist doch irgendwie zur Rechenschaft gezogen worden. Gestern haben sie noch einen Staat angeführt und heute sind sie nicht mehr verhandlungsfähig. Frau Honecker sitzt in Chile und kassiert deutsche Rente von meinem Geld. Herr Krenz geistert auchnoch irgendwie durch die Gegend. Der feine Herr Schalck-Golodkowski lebt dick und fett am schönen Tegernsee, weil er sich rechtzeitig verkauft hat. Nur die armen Säue der NVA, die an der Grenze geschossen haben, die werden verurteilt. Genau wie nach dem Krieg gilt nach der Wende der Spruch "Die kleinen hängt man..". Ein Rechtsstaat kann nun mal einen Unrechtsstaat - und nichts anderes war die "DDR" - nicht gerecht aburteilen. Wieviel besser haben es doch die Rumänen gemacht - kurzer Prozeß und dann an die Wand gestellt. Und da gehören die oben genannten alle hin.
derik (13.08.2007, 09:49 Uhr)
geleugnet!
mein gott nun hat er wieder was geleugnet, was soll der kloakenteich, in dem man wieder gestank aufrührt, wen interessiert denn schon krenz oder birtler oder sogenannte "unverstandene Bürgerrechtler - an jeder Grenze wird geschossen, auf jeden der sich anordnungen widersetzt, traurig genug, das wir deutschen spielball der russen und amis waren - so sieht keine einheit aus - siegermentalität
MEHR ZUM ARTIKEL
Schießbefehl "Lizenz zum Töten" an der Mauer

Nach dem Fund eines Schießbefehls gegen DDR-Flüchtlinge hat der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ein Ermittlungsverfahren gefordert. Der aufgefundene Stasi-Befehl sei "eine Lizenz zum Töten", sagte der Historiker Hubertus Knabe. mehr...

Schießbefehl-Dokument Querschüsse aus der Birthler-Behörde

Das Schießbefehl-Dokuments der DDR-Grenztruppen hat eine Debatte angefacht. Die Leiterin der Stasi-Unterlagenbehörde, Birthler, wertete es als Beleg, dass dieser Teil der Geschichte noch nicht aufgearbeitet sei. Allerdings wurden Teile des Dokuments bereits vor zehn Jahren veröffentlicht. Nun steht Birthler unter dem Vorwurf der Aufmerksamkeitshascherei. mehr...

 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Günther Jauch
sternTV - Information und Unterhaltung mit Günther Jauch

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...